Ostkirchliche Elemente in Fresken in Siebenbürgen
Ausgabe Nr. 2952

Das im Zuge der Renovierungsarbeiten freigelegte mittelalterliche Fresko aus dem 13. Jahrhundert schmückt den gesamten Innenraum der evangelischen Kirche in der Heltauer Kirchenburg. Unser Bild: Dieses Fragment wurde inzwischen restauriert. Foto: ALISA SCHWARZ
Dr. Heidrun König, Leiterin des Landeskirchlichen Museums hielt am 16. März, im Terrassensaal des Teutsch-Hauses einen kunsthistorischen Vortrag zum Thema „Byzantinische Elemente in den Wandmalereien evangelischer Kirchen Siebenbürgens“. Gleich zu Beginn verwies sie mit den Worten „Das ist meine letzte Runde“ auf ihre bevorstehende Pensionierung.
Im Mittelpunkt des Vortrags standen mittelalterliche Fresken, deren Wiederentdeckung maßgeblich dem Restaurator Lorand Kiss zu verdanken ist, der sie seit rund drei Jahrzehnten freilegt. König gab zunächst einen historischen Überblick und ordnete die Entstehung der Wandmalereien in den Kontext ihrer Zeit ein. Zur Blütezeit dieser Kunst, gehörte Siebenbürgen zum Königreich Ungarn.
Byzantinische Einflüsse gelangten dabei auf unterschiedlichen Wegen in die Region, entweder direkt über das benachbarte orthodoxe Serbien oder indirekt über Italien. Eine wichtige Rolle spielte dabei die Republik Venedig, die im östlichen Mittelmeerraum stark präsent war. Auch die Eroberung und Plünderung Konstantinopels im Jahr 1204 durch venezianische Truppen und Kreuzfahrer trug zur Verbreitung byzantinischer Kunst in westkirchlichen Sphären bei.
Die frühesten Fresken im Königreich Ungarn stammen aus dem 12. Jahrhundert und finden sich vor allem in bedeutenden kirchlichen Zentren. In Siebenbürgen bildeten insbesondere die Region um Klausenburg sowie das Szeklerland frühe Schwerpunkte. Die ältesten Wandmalereien in einer sächsischen Kirche befinden sich in Hamruden und gehen auf das 13. Jahrhundert zurück.

Museumsleiterin Dr. Heidrun König zeigte und erklärte ausführlich um die 150 Bilder. Foto: Alisa SCHWARZ
Im weiteren Verlauf präsentierte König zahlreiche Beispiele aus sächsischen Kirchen und erläuterte deren Bildprogramme. Dabei wurde deutlich, dass sich eindeutig stilistische Einflüsse aus der byzantinischen Kunst erkennen lassen und viele der Werke von ostkirchlichen Künstlern geschaffen wurden, gleichzeitig stammen die dargestellten Motive jedoch häufig aus der westkirchlichen Tradition.
Während des rund eineinhalbstündigen Vortrags wurden dem zahlreich erschienenen Publikum etwa 150 Bildbeispiele gezeigt, die einen umfassenden Einblick in die Vielfalt und kunsthistorische Bedeutung der Wandmalereien in Siebenbürgen boten.
Tobias JARITZ