Sie schwärmen von Hermannstadt

Teile diesen Artikel

Wandergesellen prägen auch in diesem Sommer das Straßenbild in der Stadt

Ausgabe Nr. 2924

Gruppenbild mit einigen Wandergesellen bei der Eröffnung der Schauwerkstatt.                                                                             Fotos: Andreas H. APELT

Auch in diesem Jahr prägen wieder zahlreiche wandernde Gesellen das sommerliche Erscheinungsbild von Hermannstadt. Bereits jetzt sind 35 junge Frauen und Männer in den typischen Gesellenkluften in die Stadt gekommen und haben in der Gesellenherberge am Huetplatz im Sagturm Unterkunft gefunden. Hier knüpfen sie auch schnell Kontakte zu anderen Gesellen, egal ob sie aus Deutschland, Frankreich, England, der Schweiz oder Österreich kommen. Die reisenden Gesellen haben eine Ausbildung abgeschlossen und sich auf die Wanderschaft begeben, die für die deutschen Gesellen mindestens drei Jahre und einen Tag dauern sollte. Voraussetzung sind allerdings Ehelosigkeit und Schuldenfreiheit, dazu einige ethische Maßstäbe wie Hilfsbereitschaft und der Verzicht auf manch Annehmlichkeit, wie die Benutzung eines Handys.In Hermannstadt werden die Wandergesellen auch in diesem Jahr Dächer eindecken, Sandsteinarbeiten an der Kirche durchführen, die Herberge mit neuen Fenstern versehen oder bis einschließlich den 24. August in der Schauwerkstatt vor der evangelischen Stadtpfarrkirche ihr Können unter Beweis stellen. Präsentiert werden unterschiedliche Gewerke. Neben den einschlägigen Berufen wie Schmiede, Zimmerer, Tischler, Maurer, Steinmetze und Dachdecker gibt es auch seltene Berufe wie Bootsbauer und Kirchenmaler. Die Gesellen sollen aber auch voneinander lernen und sich mit der wechselvollen Geschichte der Stadt vertraut machen.

Dass das Projekt Anklang findet, beweisen nicht nur die Besucherzahlen sondern auch die Tatsache, dass viele der Gesellen bereits ein zweites oder drittes Mal an dem Projekt teilnehmen. Ein Kompliment für dieses einmalige Projekt europäischen Kultur- und Wissenstransfers. Organisiert und gefördert wird das Projekt vom Gesellenverein Casa Calfelor und der Deutschen Gesellschaft e. V. Berlin.

Zur Eröffnungsfeier vor der evangelischen Stadtpfarrkirche konnten gut 200 Hermannstädter und ihre Gäste sowohl die reisenden als auch die ehemaligen Wandergesellen kennenlernen, von denen sich inzwischen eine Reihe in Siebenbürgen niedergelassen haben. Umrahmt wurde die Eröffnung durch stimmungsvolle Musik von Romulus Cipariu und Christofor Costea. Beide Musiker fanden bei den Gesellen, aber auch bei Besuchern viel Zuspruch.

Als Erkennungszeichen binden sich die Rolandsbrüder-Gesellen die blaue „Ehrbarkeit“ an den Kragen an.

Für 2026 sind bereits erste Planungen im Gange. Dann jährt sich das Treffen zum 20. Mal, obgleich es ursprünglich nur für das Kulturhauptstadtjahr 2007 vorgesehen war. Damals eröffnet durch Bundespräsident Horst Köhler und Bürgermeister Klaus Johannis. Der Erfolg und die langjährige Unterstützung durch das Auswärtige Amt, Stiftungen und Privatpersonen legten eine Verlängerung nahe. Für die Deutsche Gesellschaft e.V. Grund genug, das Projekt zu verstetigen.

Nicht ganz unschuldig an der Entwicklung, dass Hermannstadt wieder eine Wandergesellen-Hochburg wurde, ist auch die Hermannstädter Zeitung. Schließlich sprachen bereits 2003 erste Gesellen aus Deutschland in der Redaktion vor. Beatrice Ungar verwies die ungewöhnlichen Gestalten an die Kirche und schrieb dazu einen Artikel in der HZ. Im Ergebnis empfing Stadtpfarrer Kilian Dörr die Reisenden und sorgte für Kost und Logis. Damit war der Grundstein gelegt. 2005 wurde dann die Idee zu einem großen Wandergesellentreffen geboren. Wie es endete, kann man an der stetig steigenden Nachfrage der Gesellen aber auch dem zunehmenden Interesse von Hermannstädtern und Gästen ablesen. Es ist zu hoffen, dass die Gesellen, die nicht umsonst von Hermannstadt schwärmen, weiterhin den guten Ruf der Stadt in die Welt tragen.

Andreas H. APELT

Veröffentlicht in Handwerk, Beruf, Aktuelle Ausgabe.