Aus der Versenkung geholt

Sonderausstellung im Brukenthalmuseum

Ausgabe Nr. 2696

Camille Dufour (1841–1933): Waldlandschaft, ca. 1865–1890, Öl auf Holz.

In der Gemäldesammlung des Brukenthalmuseums befinden sich außer den schon bekannten Gemälden von Künstlern der europäischen Malschulen des 15.-18. Jahrhunderts auch ca. 50 Werke aus dem 19. Jahrhundert aus österreichischen, deutschen, französischen und russischen Malschulen. Diese wenig oder noch gar nicht erforschten und öffentlich zugänglichen Werke bilden den Kern der Sonderausstellung, die unter dem Titel ,,Interferenzen. Europäische und rumänische Malerei aus dem 19. Jahrhundert in der Sammlung des Brukenthalmuseums“, die noch bis Ende Oktober im Multimediasaal im Blauen Stadthaus zu besichtigen ist.

Miklós Barabás (1827–1894): Frauenbildnis, ca. 1860

 

Die Ausstellungskuratoren Iulia Mesea und Alexandru Sonoc haben diese Gemälde nun regelrecht ,,aus der Versenkung“ geholt und bieten dem interessierten Publikum eine Begegnung mit einer großen Anzahl bisher unbekannter Werke aus den Sammlungen mit europäischer und rumänischer Kunst  des 19. Jahrhunderts des Brukenthalmuseums. Ihnen zur Seite standen bei der Vorbereitung der Ausstellung die Konservatorinnen Alexandra Galabut und Cristina Mihu sowie die Restauratoren des museumseigenen Labors Ioan Muntean, Ilie Mitrea, Andrei Popa, Celestina Albisor und Cristina Fau.

Die Erforschung der Gemälde betraf die Identifizierung der Autoren, der porträtierten Personen oder der dargestellten Örtlichkeiten, es wurde auch festgestellt, wie diese Werke in den Besitz des Brukenthalmuseums gekommen sind und die Werke wurden genauer datiert und stilistisch zugeordnet.

Neben den von ausländischen Künstlern stammenden Werken sind auch Werke rumänischer Künstler ausgestellt, die im 19. Jahrhundert auf dem heutigen Gebiet Rumäniens tätig waren und deren Werdegang Querverbindungen aufweist zu anderen Künstlern aus dem Europa jener Zeit. Vor allem fanden solche ,,Interferenzen“ statt während des Kunststudiums, das die meisten der rumänischen Künstler ins europäische Ausland geführt hatte. Auch bei den Werken rumänischer Künstler handelt es sich um bisher wenig bekannte, die zum Teil erstmals öffentlich zugänglich gemacht wurden. Sie stehen den Bildern aus den europäischen Malschulen sozusagen als Beweis dafür gegenüber, dass es zwischen der rumänischen und vor allem der siebenbürgischen Kunstszene und anderen europäischen, vor allem mitteleuropäischen Kunstszenen einen regen Austausch gegeben hat.

Die ausgestellten Bilder veranschaulichen eine große Vielfalt an Genres, Sujets und Stilrichtungen des 19. Jahrhunderts, die vor allem in Mitteleuropa angesiedelt waren. Zu sehen sind Porträts (als Büste, Ganzkörperfigur, frontal oder aus dem Profil dargestellt, Selbstbildnisse, u. a.),  Landschaften (Berge, Hügel, Ebene, Meer, Wald, Dorf, Stadt), Genreszenen und Stillleben. Zugeordnet werden können sie dem Klassizismus, der Romantik, dem Akademismus, dem Realismus, dem Biedermeier-Stil, der Freiluftmalerei (plein air) und dem Impressionismus.

Die Werke kamen nach und nach in den Besitz des Brukenthalmuseums. Das erste, von 1834, stammt aus der Sammlung des Malers Franz Neuhauser d J. Es folgten Ankäufe bei Ausstellungen, so bei der Kunstausstellung in Berlin 1886, bei der Kunstausstellung in Hermannstadt 1887, bei der Ausstellung des Hermannstädter Sebastian Hann-Vereins 1903. 1950 wurden Gemälde aus der Sammlung des ASTRA-Museums in die Sammlung des Brukenthalmuseums überführt, hinzu kamen Spenden von Privatpersonen (Carl Dörschlag, Pauline Hufnagel-Spreer, Rostislav Kotzebue u. a.) und Ankäufe aus Privatsammlungen (Julius Bielz, Victoria Dimo, Veturia Goga u. a.).

In der Sonderausstellung zu sehen sind Bilder von Fr. von Amerling, F. von Defregger, T. von Ajdukiewicz, L. Pataki, S. Bihari, Fr. Schilcher, A. Behrendsen, R. Hirth Du Frênes, C. L. Frommel, R. Schick, E. Strecker, C. Stoitzner, C.-F.-H. Petit de Villeneuve, Ch. F. Daubigny, J. Béraud, A. E.  Lambert, Theodor Aman, Nicolae Grigorescu, Gheorghe Tattarescu, Miklós Barabás, Mișu Popp, Carl Dörschlag, Eduard Pesky, Friedrich Miess u. a..

Iulia MESEA

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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