„Und so jemand soll weg???“

Stabübergabe an die Stiftung für die professionelle Ausbildung von Orgelbauern

Ausgabe Nr. 2598

Die Stabübergabe des Hilfe-zur-Selbsthilfe-Projekts der Schweizerischen Stiftung für Orgeln in Rumänien an die Nachfolger, die rumänische Stiftung für Berufsausbildung (FPPR) und die Werkstatt in Honigberg fand am 13. Oktober in der Kronstädter Martinsberger Kirche statt. Unser Bild: Hauptakteure waren Martin Brombacher, Ruth Grendelmeier, Beat Forster, Ernst Leonhardt, Barbara Dutli, Ferdinand Stemmer, Daniel Popovici, Edith Olosz und Arpad Magyar (v. l. n. r.).                 Foto: Beatrice UNGAR

„Darüber hinaus ist es erklärtes Ziel der Stiftung, der Werkstatt, die in Honigberg bei Kronstadt in Siebenbürgen errichtet worden ist, möglichst bald zur wirtschaftlichen Unabhängigkeit als Lehr- und Produktionsbetrieb zu verhelfen.“ So lautet der letzte Absatz in der Präsentation der Schweizerischen Stiftung für Orgeln in Rumänien (SSOR), die 1999 von dem Schweizer Orgelbaumeister Ferdinand Stemmer ins Leben gerufen worden ist. Am letzten Samstag, den 13. Oktober, war es soweit: In der Martinsberger Kirche in Kronstadt fand eine gediegene Feier statt, in deren Rahmen das 15. Jubiläum intensiver Ausbildungstätigkeit der SSOR in der Orgelbauwerkstatt in Honigberg gewürdigt wurde und die Stafette übergeben wurde von dem SSOR-Stiftungsrat an die Nachfolger, die Vertreter der rumänischen Stiftung für die professionelle Ausbildung von Orgelbauern und Massivholzschreinern (FPPR).

Die Geschicke der von der SSOR betriebenen Orgelbau- und Tischlereiwerkstatt (COT SRL) hatte der Stiftungsrat schon vor vier Jahren in die Hände von zwei ehemaligen Lehrlingen, Arpad Magyar und Daniel Popovici, übereignet. Damals hieß es seitens der SSOR, die Stiftung selbst werde natürlich auch in den folgenden Jahren mit Rat und Tat dabei sein. Konkret hieß dies, dass die Orgelbauerin Barbara Dutli, die nun schon seit 15 Jahren den Lehr- und Werkstattbetrieb im Auftrag der SSOR betreut, weiterhin in Rumänien tätig war. Ihr galt auch der besondere Dank zweier Hauptredner und -akteure des Projekts.

Brita Falch Leutert, Ursula Philippi und Jürg Leutert (v. l. n. r.) eröffneten den gediegenen musikalischen Rahmen in der Martinsberger Kirche.Foto: Beatrice UNGAR

Ernst Leonhardt, SSOR-Präsident und frischgebackener Träger des Verdienstordens Rumäniens im Rang eines Offiziers (den er im Rahmen einer Feierlichkeit im Cotroceni-Palast am 10. Oktober d. J. von Staatspräsident Klaus Johannis entgegennehmen durfte), erwähnte, dass sich Barbara Dutli bereit erklärt habe, von Anfang an als Projektleiterin und Ausbilderin vor Ort zu wirken. Sie sei nicht nur zur Mutter der Kompanie“ sondern auch zu einer anerkannten Fachperson im Lande geworden und wir sind ihr für ihr Engagement sehr dankbar“, sagte Leonhardt. Desgleichen führte er an, dass die beiden ehemaligen Lehrlinge Arpad Magyar und Daniel Popovici inzwischen nebenberuflich in Abend- und Wochenendkursen ein Ingenieurstudium an der Fakultät für Holzverarbeitung der Kronstädter Transilvania-Universität abgeschlossen hätten und ab 2019 auch die Verantwortung für die Lehrlingsausbildung im Rahmen der FPPR übernehmen würden. Die beiden Jungunternehmer könnten allerdings weiterhin auf die Beratung durch die SSOR zählen. Leonhardt dankte auch Ferdinand Stemmer, dem Gründer und bis 2010 Präsidenten der SSOR und auch an die hohen Gäste, die die Einladung zu dieser Feier angenommen hatten: Bischof Reinhart Guib, S. E. der Schweizer Botschafter Urs Herren sowie der DFDR-Vorsitzende Dr. Paul-Jürgen Porr.

Der Jugendbachchor unter der Leitung von Steffen Schlandt (am Lesepult), der als einer der vier Personen der ersten Stunde ebenfalls kurz Rückblick hielt auf die vergangenen 15 Jahre, und anschließend auch selbst an der Orgel aus Bodendorf, die in der Honigberger Werkstatt restauriert worden und in die Martinsberger Kirche „übersiedelt“ ist, konzertierte. Foto: Beatrice UNGAR

Stemmer richtete seinerseits an alle Beteiligten Worte des Dankes aber insbesondere an Barbara Dutli, die für dieses Projekt der Fels in der Brandung“ sei. Besonders einfühlsame und treffende Worte für die beherzte Orgelbauerin fand auch die Musikerin Ursula Philippi, die ihr einen Strauß mit 35 Rosen überreichte, angemessen der Zahl von 35 Orgeln, davon 26 aus dem Besitz der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, die von der Orgelbaulehrwerkstatt in den 15 Jahren restauriert worden sind.

Elena Cristian (Geige) und Paul Cristian (Orgel). Foto: Beatrice UNGAR

Ursula Philippi sagte: Ich kenne keine Person, die sich so wie Barbara an die siebenbürgischen und an die  rumänischen Gegebenheiten angepasst hat. Auf eine unnachahmliche Weise erklärt sie heute einem Publikum in rumänischer Sprache, wie Orgeln funktionieren. Sie verhandelt mit Behörden, mit Personen, sie ist gewandt, sie ist charmant und bleibt dabei sie selbst. Barbara, die Schweizerin, ist ein Teil von uns geworden. Ihr Arbeitsfeld waren alte, staubige, total verschmutzte Instrumente in Kirchen ohne jede Heizung. Niemand kann so wie Barbara mit Küstern, Presbyterinnen und Pfarrern verhandeln, niemand kann so wie sie Freundschaft schließen auch  mit den seltsamsten Gestalten unserer siebenbürgischen Landschaft.“ Und Ursula Philippi fragte rhetorisch: Und so jemand soll weg???“ Eine klare Antwort gab es an diesem Feiertag nicht. Eines aber war sichtbar: Barbara Dutli stellte sich als Stiftungsrätin der FPPR bei der Stabübergabe auf die rumänische Seite…

Beatrice UNGAR

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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