Von der beständigen Kraft der Hoffnung

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Der Hermannstädter Bachchor führte Teile des Bachschen Weihnachtsoratoriums auf

Ausgabe Nr. 2941

Beide Aufführungen des Weihnachtskonzertes des Hermannstädter Bachchors waren sehr gut besucht.
Foto: Focus Photo Agency

Im Hauptschiff der evangelischen Stadtpfarrkirche in Hermannstadt erklangen letztes Wochenende, am 13. und 14. Dezember, Teile aus Bachs Weihnachtsoratorium. Der Hermannstädter Bachchor sang die Kantaten I, III und VI unter der Leitung von Dirigent und Musikwart Jürg Leutert. Neben dem Chor sorgte ein sorgfältig besetztes Barockorchester, das Collegium Musicum Brukenthal, für die Klangfülle und die Solisten – Melinda Samson (Sopran), Elisa Gunesch (Alt), Nicolae Simonov (Tenor) und Horațiu Coman (Bass) – gaben den Rezitativen und Arien ein besonderes Klangerlebnis.

Die markanten Schläge der Pauken leiteten die heilbringende Nachricht ein, und schon in der ersten Kantate wurde die Botschaft auf eine himmlische Stufe gehoben. Fagott und Geige, Bass und Tenor, Pauke und Trompete rissen das Publikum mit in die Erzählung, sie formten Bilder von Licht gegen Finsternis, von Freude gegen Zweifel, und machten hörbar, warum dieses Geschehen die Jahreszeit durchdringt.

Leutert setzte bewusst Pausen zwischen den gesungenen Teilen ein. Zwischen Teil I und III und erneut zwischen Teil III und VI entstand so keine Leerstelle, sondern ein zeitlicher Abstand, der es dem Publikum erlaubte, das Ausgelassene innerlich nachzuvollziehen. Die Stille wirkte wie erzählerische Zeit, sie ließ die Vorstellungskraft die fehlenden Szenen ergänzen und machte das erneute Einsetzen der Musik umso eindrücklicher. Früher wurden die Kantaten des Oratoriums gewöhnlich einzeln aufgeführt und nicht alle an einem Tag.

Der erste Teil wirkte wie ein Festruf. Jauchzet, frohlocket hallte durch die Kirche und eröffnete die Feier mit klarer, jubilierender Geste. Der III. Teil schloss die eigentliche Weihnachtsbotschaft ab. Die Hirten machen sich auf, sie beten an, die Musik zeichnet ihr Kommen und ihr Staunen nach, Rezitative deuten die Geburt Christi als Trost und Erlösung, Duett und Choräle machen Gottes barmherzige Hinwendung hörbar, und Maria bewahrt schließlich das Wunder in ihrem Herzen.

Teil VI fügte die große Klammer hinzu. Mit Trompetenfanfaren und Paukenrufen, mit reichen Arien und dem Schlusschor, der den Sieg Christi über Tod, Teufel, Sünde und Hölle proklamiert, endet das Werk feierlich und in sich geschlossen.

Gerade weil die Aufführung in Siebenbürgen stattfand, erhält dieses Musizieren eine zusätzliche Dringlichkeit. Ein tobender Krieg im Nachbarland, das Auseinanderdriften gesellschaftlichen Zusammenhalts in Europa und die Verbreitung verfälschender Narrative können Zweifel am Glauben an grundlegende menschliche Haltungen wecken. Das Oratorium erinnert dagegen an die beständige Kraft der Hoffnung. Für uns Christen stirbt der Glaube an die Hoffnung nicht, und die Geburt Jesu bestätigt diese Hoffnung aufs Neue. Bach nimmt die schwere Realität nicht weg, aber seine Musik gibt Trost, ordnet Empfindungen und verleiht Mut.

Die Kantilenen der Solisten, der Zusammenklang von Chor und Orchester, die Paukenfanfaren und die stillen, meditativen Momente schafften einen Raum, in dem das Publikum Hoffnung und Trost finden kann. Die Schlussakkorde hallten noch lange in dem Kirchenraum und in den Herzen der Menschen nach.

Max GALTER

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Musik.