Neuer Dechant für den Evangelischen Kirchenbezirk A. B. Mediasch
Ausgabe Nr. 2981

Historische Wahl in Mediasch: Nach 16 Jahren wurde endlich ein neuer Dechant des Kirchenbezirks Mediasch gewählt: Der bisherige Dechantstellvertreter Pfarrer Ulf Ziegler (stehend). Foto: Gerhard SERVATIUS-DEPNER
Pfarrer Ulf Dietmar Friedrich Ziegler wurde am 8. Oktober 2026 von der Mediascher Bezirkskirchenversammlung einstimmig zum Dechanten gewählt. Der am 3. Februar 1970 in Hermannstadt Geborene hatte schon seit 16 Jahren die Geschicke des Mediascher Kirchenbezirks als Dechantstellvertreter geführt. Vor mehr als 30 Jahren begann Pfarrer Ziegler seinen Dienst im Kirchenbezirk Mediasch und durfte die damalige außergewöhnliche Situation kennenlernen.
Er begann sein Vikariat in Mediasch am 1. März 1996 und wurde vom damaligen Dechanten Reinhart Guib als Vikarvater begleitet. Aber schon seit Herbst 1995, wie er selbst berichtet, hatte er als Student die geistliche Betreuung im Mediascher Kirchenbezirk kennengelernt. Später – und bis heute – betreute er die Kirchengemeinden Birthälm, Reichesdorf, Scharosch an der Kokel, Großkopisch, Elisabethstadt, Hetzeldorf, Tobsdorf, Pretai und Bussd. Nach dem Vikariat blieb er weiterhin in Mediasch, zeitweilig hat er im imposanten Birthälmer Pfarrhaus (von 1572 bis 1867 Bischofssitz) gewohnt, bald übersiedelte er aber nach Mediasch. Hier fand er mit seiner Ehefrau Christa und mit seinen beiden Töchtern, Kirsten und Kim, die heute beide in Österreich leben, ein neues Zuhause.
In der Osterausgabe 1996 des Mediascher Gemeindebriefs „Schritte“, der zu Ostern 1995 erst aus der Taufe gehoben wurde, hat er sich den Gemeindemitgliedern mit eigenen Worten vorgestellt. Wie er da selbst erzählt, hat ihn die neue Form des Lebens und der Arbeit im Dienst der Gemeinden, mit Mediasch als Zentrum beeindruckt, „weil es der erste Versuch war, ein schon lange geplantes Konzept in die Praxis umzusetzen“. Angesichts der Tatsache, dass mehrere Gemeinden schnell pfarrerlos wurden, schreibt er: „Von diesem neuen Versuch erhoffe ich mir, dass die Diasporagemeinden, d. h. die vielen weitauseinandergelegenen, kleingewordenen Gemeinden endlich einen regelmäßigen Gottesdienst haben können. Wichtig dabei ist genaue Planung, Pünktlichkeit und Ordnung. Es ist bestimmt nicht leicht, denn auch für einen werdenden Pfarrer, wie auch für eine sich verändernde Gemeinde ist Umstellung und Anpassung gefragt. Was können wir vom Alten und Traditionellen behalten? Was muss alles neu werden? Worauf und womit kann man bauen? Die Antwort auf diese Fragen sollte nicht vorschnell erfolgen, denn es könnte dabei manches übersehen werden. Gemeinsam, im Gespräch und im Gebet wollen wir den Weg suchen. Gott möge dazu helfen.“
Pfarrer Ziegler hat das allererste Gemeindefest des Kirchenbezirks Mediasch erlebt, das am 6. Oktober 1996 in Mediasch stattgefunden hat und sehr gut besucht wurde. Das allererste Bild davon, welches in den „Schritten“ zu Weihnachten 1996 erschienen ist, wurde von ihm gemacht, damals also noch als Vikar. Einen ausführlichen Bericht davon finden wir ebenfalls in den „Schritten“, verfasst von Dorothea Koch-Möckel aus Berlin, die damals in Hermannstadt lebte. Sie nennt dieses erste Bezirksgemeindefest zu Erntedank „eine Premiere“ und schreibt, dass „alle über 40 evangelischen Gemeinden im Kirchenbezirk Mediasch eingeladen wurden, miteinander eine Art ‚Mini-Kirchentag‘ zu feiern. Eine tapfere Idee war das. Die Grundidee war: Selbstvergewisserung der vielen Einzelnen in ihrem Glauben und gleichermaßen Bestätigung und Freude in der Gemeinschaft dieses Glaubens, in der Gewissheit, dass Gott uns weiterhin und immer neu in seinen gnädigen Händen hält.“
Im Rahmen des zweiten Bezirksgemeindefestes, welches am 27. April 1997, zu Kantate, wieder in Mediasch stattgefunden hat, wurde der junge Pfarrer vom Dechanten Reinhart Guib in sein Amt in Mediasch und den ihm zugeordneten zahlreichen Gemeinden eingeführt. Über dieses Fest und Ereignis gibt es ebenfalls in den „Schritten“ einen Bericht, aber auch eine vor Kurzem im Stadtpfarramt wiederentdeckte Videoaufnahme, die von dem lokalen TV-Sender TVAS aus Sankt Martin/Târnăveni gemacht wurde.
Die Gründerin des Evangelischen Diakonievereins Mediasch e. V. (unser Gemeindebrief und auch die deutschsprachige Presse berichteten in diesem Jahr über dessen 35. Jubiläum), Christa Plajer wanderte im September 2000 mit ihrem Ehemann Stadtpfarrer Dr. Dietmar Plajer krankheitsbedingt nach Deutschland aus. Im Rahmen der Generalversammlung des Diakonievereins am 5. Dezember 2000 wurde der Staffelstab übergeben und Pfarrer Ziegler wurde zum neuen Vorsitzenden gewählt, der – wie der Gemeindebrief „Schritte“ berichtet (Nr. 22, Seite 3) – „die Geschicke des Diakonievereins ins nächste Jahrtausend führen wird.“ In demselben Jahr wurde im April gerade die Sozialstation „Samaritana“, mit damals vier Angestellten, gegründet. Im selben Jahr traf den Diakonieverein schmerzhaft der Verlust des Leiters des Altenheims in Hetzeldorf, Stefan Pitters. Mit ihm verlor der Diakonieverein einen eingearbeiteten, verlässlichen Mitarbeiter, welcher von allem Anfang an im Heim dabei war, bei allen Arbeiten, beim Erwerb der Häuser, beim Bestellen der Felder, einfach bei allem, was da so „Altenheim Hetzeldorf“ hieß. Pfarrer Ziegler, als neuer Vorsitzender des Diakonievereins sah als eine der ersten großen Herausforderung damals in der Eröffnung der Jugendwerkstatt im folgenden Jahr 2001. Das war ein mutiger und ehrgeiziger Zukunftsplan, der langsam Form annahm: Es wurde nämlich festgelegt, wo diese Werkstatt funktionieren sollte (neben dem Steingässer Turm), die nötigen Räume wurden erworben, alle nötigen Papiere wurden erledigt. Der Besuch der Partner aus Nordhausen stand noch aus, die eine Einrichtung für die Tischlerwerkstatt bringen und auch beraten sollten, wie so eine Werkstatt funktionieren kann, dann konnte es endlich losgehen. Heute gibt es diese Werkstatt nicht mehr, aber mehrere Jahre hat sie funktioniert und vielen hoffnungslosen Jugendlichen eine neue Perspektive geschenkt, in den letzten Jahren ihres Bestehens hat die Werkstatt sehr wichtige und notwendige Dienste für den Diakonieverein selbst geleistet. Als Vorsitzender des Diakonievereins blieb Pfarrer Ziegler bis zum Jahre 2005 im Amt, als Neuwahlen stattgefunden haben.
Im Jahr 2009 hat die Kirchengemeinde Birthälm, die durch die zum UNESCO-Welterbe zählenden Kirchenburg und als ehemaliger Bischofssitz weit über die Grenzen unserer Kirche und unseres Landes hinaus bekannt ist, entscheidende Schritte in Richtung Eigenständigkeit unternommen. Dank der Unterstützung und des Verständnisses seitens des Evangelischen Bezirkskonsistoriums konnte in den Jahren davor die Kirchengemeinde Birthälm eine finanzielle Eigenständigkeit erlangen und eine stabile Situation aufbauen. Wie Pfarrer Ziegler in der Ausgabe Nr. 48 des Gemeindebriefes „Schritte“ berichtet, „haben regelmäßige Sitzungen des Kirchenrates stattgefunden und dank der tüchtigen Mitarbeit der gewählten Mitglieder in ehrenamtlicher Funktion in vielen Bereichen, war ein lebendiges und vielseitiges Gemeindeleben wieder zur Normalität geworden. Das alles und auch der Wunsch, die Zukunft selber aktiv zu gestalten, hat in der Gemeindeversammlung des Jahres 2009 den einstimmigen Beschluss herbeigeführt, die Kirchengemeinde Birthälm – bis dahin Diasporagemeinde – wieder zu einer eigenständigen Gemeinde zu gestalten.“ So wurde im November 2009 wieder ein Presbyterium und eine Gemeindevertretung anstelle des Kirchenrates gewählt. Pfarrer Ziegler schrieb damals: „Der Weg in eigener Verantwortung ist von manchen Prüfsteinen gesäumt und mit Sicherheit werden Stolpersteine und Hürden zu überwinden sein. Mit Gottes Hilfe und mit gemeinsamer Kraft wird der Weg in die Zukunft ein gangbarer Weg sein, dazu möge Gott der Herr seinen Segen geben.“
Am 27. November 2010 wählte die Landeskirchenversammlung den damaligen Mediascher Dechanten Reinhart Guib zum neuen Bischof der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, die Einführung hat am 12. Dezember 2010 in einem Festgottesdienst in der Hermannstädter Stadtpfarrkirche stattgefunden. Seit Dezember 2010 versah Pfarrer Ziegler das Amt des Dechantstellvertreters mit neuem Inhalt und viel mehr Verantwortung als bis zu dem Zeitpunkt der Amtsübernahme. In den ersten Jahren wurde er vom Bezirkskurator Wilhelm Untch und später vom Bezirkskirchenkurator Karlheinz Pelger, dazu dem gesamten Team im Bezirkskonsistorium, tatkräftig unterstützt. Mit seiner Wahl zum Dechanten endet und beginnt zugleich ein weiteres Kapitel.
Im Namen seiner Kollegen und aller Mitarbeiter der Institutionen im Mediascher Kirchenkastell danke ich Dechant Ulf Ziegler für seinen bisherigen großen Dienst und wünsche ihm viel Gesundheit, Schaffenskraft, Zuversicht, Frohsinn und Gottes reichen Segen!
Gerhard SERVATIUS-DEPNER