Fünf Schwerpunkte und neue Leitung
Ausgabe Nr. 2981

Pressekonferenz (v. l. n. r.): Pressesprecher Hans Königes, Bischof Reinhart Guib und Leiterin Marlene Herberth. Foto: Ruxandra STĂNESCU
Die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien (EKR) ordnet ihre Arbeit im Rahmen einer neuen strategischen Ausrichtung mit fünf Schwerpunkten, erklärte Bischof Reinhart Guib im Rahmen einer Pressekonferenz am Dienstag der Vorwoche in Hermannstadt. Bei dieser Gelegenheit stellte sich auch Marlene Herberth vor, die neue Leiterin des Teutsch-Hauses und des Kultur- und Bildungsbereiches der EKR.
In diesem Zusammenhang brachte Pressesprecher Hans Königes die gute Nachricht, dass zwei Stunden vor der Pressekonferenz der Mediascher Dechant Ulf Ziegler in Bukarest den Vertrag unterschrieben hat über eine Finanzierung in Höhe von einer halben Million Lei für die Renovierung der Kirchenburg in Meschen. Dort ist im Juni ein Teil der Wehrmauer eingestürzt.
Die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien ordnet ihre Arbeit im Rahmen einer neuen strategischen Ausrichtung mit fünf Schwerpunkten: Strategie, geistliches Leben, Diakonie und Sozialassistenz, Kultur und Erziehung, nachhaltige Bewirtschaftung. Ein zentraler Schritt ist die Einrichtung des Departements für Kultur und Bildung, das von Marlene Herberth geleitet werden soll. „Damit erhält dieser Bereich einen eigenen institutionellen Rahmen und neue Entwicklungsmöglichkeiten“, erklärte der Bischof. „Wir wollen die bestehenden Aktivitäten stärken und zugleich neue Möglichkeiten für Zusammenarbeit, Dialog und Beteiligung schaffen“.
Die neue Struktur soll zudem die Zusammenarbeit zwischen kirchlichen Einrichtungen intensivieren. Dazu gehören das „Friedrich Teutsch“-Kultur- und Begegnungszentrum, das Schülerwohnheim in der Fleischergasse/Mitropoliei und die Stiftung Kirchenburgen. Durch engere Kooperation sollen personelle und materielle Ressourcen besser genutzt und Projekte mit größerer Wirkung für die Gemeinschaft ermöglicht werden.
Guib verwies auf das protestantische Prinzip Ecclesia semper reformanda – „Die Kirche muss sich stets erneuern“. Kultur und Bildung sind für die EKR nicht nur historisches Erbe, sondern auch eine Verantwortung für Gegenwart und Zukunft. Eine lebendige Kirche muss lernen, reflektieren, in den Dialog treten und sich gemeinsam mit der Gesellschaft weiterentwickeln, so Guib.
Nach dieser kurzen Einführung stellte der Bischof Marlene Herberth vor, die auch die Leitung des Teutsch-Hauses übernimmt, nachdem Dr. Gerhild Rudolf, die das Haus 16 Jahre geführt hat, in den Ruhestand getreten ist.
Marlene Herberth bedankte sich öffentlich für das Vertrauen, ihr diese Rolle zu übergeben: „Es ist eine große, komplexe und wichtige Aufgabe, deren Bedeutung mir voll und ganz bewusst ist“. Herberth würdigte auch die Arbeit ihrer Vorgängerin und des bisherigen Teams. „Die Geschichte ist nicht zu Ende. Wir schreiben sie weiter, schaffen Sinnvolles für die gesamte Gesellschaft und bauen mit Sorgfalt auf der Arbeit derer auf, die vor uns da waren.“
„In diesem neuen Departement steckt viel Potenzial. Wir wollen unsere Aktivitäten zusammenführen und in der Gemeinschaft stärker präsent sein“, sagte Herberth. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist, junge Menschen für das regionale Kulturerbe zu gewinnen.
Auch die Förderung kritischen Denkens ist ein wichtiges Anliegen. Herberth verwies auf Eurostat-Daten, denen zufolge in Rumänien nur 16 Prozent der jungen Menschen Informationen aus dem Internet überprüfen. In der EU sind es 38 bis 39 Prozent, so Herberth. „Eine Generation nimmt Informationen oft an, ohne sie zu hinterfragen. Deshalb müssen wir fragen: Wie bringen wir junge Menschen dazu, kritisch zu denken? Woher kommt eine Information, wer hat sie autorisiert und wer verleiht ihr Glaubwürdigkeit?“
Das Teutsch-Haus soll sich zu einem offenen Ort für Forschung und künstlerisches Arbeiten entwickeln. Willkommen sind junge Menschen, Studierende der Archivwissenschaft und Restaurierung, Forschende, sowie Künstlerinnen und Künstler in Residenzprogrammen. Sie sollen das betreute Kulturerbe aus ihrer eigenen Perspektive sichtbar machen.
Herberth ist Anthropologin, Kuratorin und bildende Künstlerin. Sie arbeitete in der Kulturforschung, im Bereich des sächsischen Kulturerbes und an Gemeinschaftsprojekten im Fogarascher Land. Ihre Ausstellungen, Bildungsworkshops und Installationen waren unter anderem bei der Vienna Design Week, im Textile Arts Center in New York, bei der Romanian Creative Week in Jassy, im Brukenthalmuseum und beim Hermannstädter Internationalen Theaterfestival (FITS) zu sehen.
Ruxandra STĂNESCU