Ein Nachschlagewerk der besonderen Art
Ausgabe Nr. 2981

Dr. Paul-Jürgen Porr, Prof. Hans Stricker, Dr. Gerhild Rudolf, Rudolf Girst und Moderator und Verlagsleiter Benjamin Józsa bei der Buchvorstellung am 24. September im Spiegelsaal des DFDH (v. l. n. r.). Foto: Laura MICU
Ein Nachschlagewerk der besonderen Art kam jüngst aus der Hermannstädter Honterus-Druckerei. Auf rund 580 Seiten kann die Leserschaft die sächsischen Orte in Siebenbürgen entdecken und geschichtliche und sprachliche Zusammenhänge erfassen. Dem Schweizer Universitätsprofessor Hans Stricker ist ein Werk gelungen, das in jeder siebenbürgischen Bibliothek und Kultureinrichtung, in jedem Pfarramt und in vielen Häusern stehen sollte, unter dem Motto: „Hast du Fragen? Schau im ‚Stricker‘ nach!“
Eine Zielgruppe, die sich besonders freuen kann, sind Studierende, die sich mit Denkmalschutz und Architektur befassen. In Strickers Buch finden sie die Daten, die sie als Voraussetzung für ihre Forschung brauchen: Literaturliste, Liste der Orte, Glossar, Herrscher Siebenbürgens, Orgelbauer in Siebenbürgen, Wörterlisten (deutsch, sächsisch, rumänisch, ungarisch sowie in weiteren Sprachen). Im Glossar sind wichtige Begriffe der siebenbürgisch-sächsischen Kirchen- und Kulturgeschichte erklärt, zum Beispiel: Was war die Sächsische Nationsuniversität, was bedeutet „Adelsboden“, welches sind die „Dreizehn Dörfer“. Auch die ethnischen oder konfessionellen Kollektive der Bogomilen, Unitarier, Hutterer, Landler werden erklärt sowie herausragende Persönlichkeiten erfasst.

Hans Stricker: Sächsische Orte in Siebenbürgen. Lage, Geschichte, Namen, Kirchen, Kirchenburgen, Orgeln. Eine Annäherung. Mit Bildern von Rudolf Girst. Honterus Verlag Hermannstadt/Sibiu 2026, 576 Seiten, ISBN 978-606-008,228-6. Umschlagbilder: Vorn: Die Kirchenburg von Wurmloch/Valea Viilor; Hinten: Die beschädigte Orgel von Großprobstdorf.
Das Buch erscheint mit Unterstützung des Departements für interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der Regierung Rumäniens durch das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien und wird kostenlos abgegeben.
Eine weitere Zielgruppe, die auf so ein Buch schon lange gewartet hat, sind die Zeitgenossen, die ein besonderes Interesse an Ortsnamen haben. Der Romanist Stricker hat sich in seiner akademischen Karriere viel mit Toponomastik befasst und wendet seine reiche Erfahrung nun auch auf die Toponyme (und speziell Oikonyme) in Siebenbürgen an. Dazu heißt es im Geleitwort: „Welche Namen tragen und trugen die Ortschaften? Wie verhalten sich die mehrsprachigen Namen der Dörfer zueinander? Wie weit lassen sich die einzelnen Benennungstypen verfolgen? Welche sind demnach alt, welche erst später dazugekommen? Wo handelt es sich um Eigenbildungen, wo um sekundäre Nachbildungen? Und was für Erklärungen bietet die Namenforschung?“ (S. XI).
Des weiteren sind auch die Kirchenburgen und die Orgeln im Blickfeld des Autors. Akribisch werden diese erfasst und übersichtlich dargestellt. Sogar die geografische Lage nach Breiten- und Längengraden und die Postleitzahl jedes Dorfes und jeder Gemeinde werden genannt.
Eine Liste der Patrozinien – Schutzheilige – der ehemals römisch-katholischen und heute evangelischen Kirchen der Siebenbürger Sachsen sind eine bisher selten angetroffene Fundgrube.
Eine wesentliche Ergänzung zum Nachschlagewerk bringen die Fotografien von Rudolf Girst, einem Siebenbürger, der in München lebt und nach eigener Aussage „kein Fotograf ist, aber gern fotografiert“ und seine Bilder deutschlandweit in Vorträgen präsentiert.
Dem Hermannstädter Honterus-Verlag, allen voran Verlagsleiter Benjamin Józsa, und dem Demokratischen Forum der Deutschen in Rumänien ist zu diesem Buch zu gratulieren und der Dank gebührt dem engagierten Freund Siebenbürgens, Prof. Hans Stricker, dessen E-Mail-Anschrift im Buch angegeben ist: hs-grabs@oulook.com
Gerhild RUDOLF