25 Jahre Opernfestival in Hermannstadt wurde ausgiebig gefeiert
Ausgabe Nr. 2980

Einer der Höhepunkte war Giacomo Puccinis Oper „Tosca“, die am Samstag, dem 3. Oktober im Thaliasaal aufgeführt wurde. Das Teatro Goldoni aus Livorno brachte das Werk in einer gekürzten Fassung unter dem Titel „Tosca – Opera Lite“ auf die Bühne. Foto: Filarmonica de Stat Sibiu
Mit Puccini, Verdi, Kinderstücken und ungewöhnlichen Konzertorten feierte das „Sibiu Opera Festival“ in diesem Jahr seine 25. Ausgabe. Noch bis zum 16. Oktober bringt das Festival Opernproduktionen, Konzerte, Balletttheater und weitere musikalische Veranstaltungen nach Hermannstadt. Seit 2001 gehört das Opernfestival zum Kulturleben der Stadt. Die diesjährige Jubiläumsausgabe begann am 28. September mit der Operette „Verlobung bei der Laterne“ von Jacques Offenbach, die Studenten der Musikakademie „Gheorghe Dima“ aus Klausenburg für Kinder auf die Bühne des Thaliasaals brachten.
Einer der Höhepunkte war Giacomo Puccinis Oper „Tosca“, die am Samstag, dem 3. Oktober im Thaliasaal aufgeführt wurde. Das Teatro Goldoni aus Livorno brachte das Werk in einer gekürzten Fassung unter dem Titel „Tosca – Opera Lite“ auf die Bühne. Die dramatische Geschichte spielt im Rom des Jahres 1800: Die Sängerin Floria Tosca versucht, ihren Geliebten Mario Cavaradossi vor dem skrupellosen Polizeichef Scarpia zu retten. Eifersucht, Macht und Verrat führen zu einem tragischen Ende. Die italienische Sopranistin Valentina Boi übernahm die Rolle der Floria Tosca und verlieh der leidenschaftlichen Sängerin mit ihrer ausdrucksstarken Stimme musikalische Präsenz. Als ihr Geliebter Mario Cavaradossi überzeugte der Tenor Dario Di Vietri mit seinem lyrischen Gesang, während der rumänische Bariton Lucian Petrean den machtgierigen Polizeichef Scarpia verkörperte.
Die Aufführung wurde vom Orchester des Teatro Goldoni aus Livorno unter der Leitung von Ricardo Casero begleitet. Auch der Chor Euphonia unter der Einstudierung von Marian Cristi Stroe war Teil der Inszenierung.

Renata Campanella und Paolo Lardizzone bestritten die Hauptrollen in der Oper „Il trovatore“ von Giuseppe Verdi.
Foto: Filarmonica de Stat Sibiu
Am Donnerstag, dem 8. Oktober stand Giuseppe Verdis „Il trovatore“ („Der Trubadour“) auf dem Programm. Das vieraktige Werk erzählt eine dramatische Geschichte von Liebe, Eifersucht, Rache und einem lange gehüteten Familiengeheimnis. Die Handlung spielt im Spanien des frühen 15. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt stehen der Troubadour Manrico und Graf Luna, die beide Leonora lieben. Doch zwischen den beiden Männern steht nicht nur ihre Rivalität um die junge Frau. Auch ein dunkles Geheimnis aus der Vergangenheit verbindet ihre Schicksale: Azucena, die Manrico wie ihren eigenen Sohn aufgezogen hat, will den Tod ihrer Mutter rächen, die einst auf Befehl des alten Grafen von Luna auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Erst am Ende wird offenbar, welche verhängnisvolle Verbindung zwischen Manrico und dem Grafen besteht. Die Oper wurde von der Orchestra Sinfonica delle Terre Verdiane und dem Chor der Oper Parma begleitet. In den Hauptrollen waren Paolo Lardizzone als Manrico, Marzio Giossi als Graf Luna, Renata Campanella als Leonora und Cristina Melis als Azucena zu erleben. Die Sänger überzeugten mit ausdrucksstarken Stimmen und einer dramatischen Interpretation der anspruchsvollen Partien. Besonders die kraftvollen Arien Manricos und die emotionalen Passagen Azucenas verliehen der Aufführung musikalische Intensität und machten die inneren Konflikte der Figuren hörbar.
Am folgenden Abend kamen Opernfreunde bei der Operngala im Thaliasaal auf ihre Kosten. Auf dem Programm standen Arien, Duette, Chöre und Ouvertüren aus bekannten Werken von Rossini, Donizetti, Bellini, Bizet, Leoncavallo, Puccini, Offenbach und Verdi. Zu hören waren unter anderem die berühmte Habanera aus „Carmen“, „Una furtiva lagrima“ aus „L’elisir d’amore“ und der Gefangenenchor „Va, pensiero“ aus „Nabucco“. Es sangen Solisten gemeinsam mit dem Chor der Oper Parma, begleitet von der Orchestra Sinfonica delle Terre Verdiane unter der Leitung von Stefano Giaroli. Ganz besonders hervorzuheben waren die kraftvollen Stimmen der Sopranin Renata Campanella und des Tenors Marzio Giossi.
Am 10. Oktober folgte Verdis „Rigoletto“. Im Mittelpunkt steht der Hofnarr Rigoletto, der seine Tochter Gilda vor dem Herzog von Mantua schützen möchte. Doch seine Pläne scheitern auf tragische Weise. Die Inszenierung in Hermannstadt wurde ebenfalls von der Orchestra Sinfonica delle Terre Verdiane und dem Chor der Oper Parma gestaltet.
Das Festival richtete sich nicht nur an erfahrene Opernbesucher. Bereits zu Beginn standen mit Jacques Offenbachs Operette und dem aus Wolfgang Amadeus Mozarts „Bastien und Bastienne“ inspirierten Kinderstück „Îndrăgostiții cu același nume“ (Die gleichnamigen Verliebten) auch Veranstaltungen für ein junges Publikum auf dem Programm.

Unter dem Motto „Take an Opera Break“ sangen Studierende der Musikakademie „Gheorghe Dima“ aus Klausenburg bekannte Opernarien an Orten, an denen man normalerweise keine Oper erwartet wird, hier am Internationalen Flughafen Hermannstadt. Foto: Filarmonica de Stat Sibiu
Mit „Take an Opera Break“ verließ die Oper zudem die traditionellen Konzertsäle. Studierende der Nationalen Musikakademie „Gheorghe Dima“ aus Klausenburg sangen bekannte Opernarien an Orten, an denen man normalerweise keine Oper erwartet. Dazu gehörten der Flughafen Hermannstadt, die Psychiatrie, das Rathaus, der Kreisrat, die Lügenbrücke, das Hotel Römischer Kaiser und die Promenada Mall. So wurde die Oper für Passanten und Besucher zu einer überraschenden Begegnung im Alltag.
Weitere Programmpunkte waren Verdis „Nabucco“, aufgeführt von der Ungarischen Oper Klausenburg, Puccinis „Suor Angelica“, ein Konzert mit italienischer Filmmusik und Gespräche mit Persönlichkeiten aus der Musikwelt im Rahmen zweier Konferenzen. Am 15. Oktober war nach Redaktionsschluss im Kulturzentrum „Ion Besoiu“ das Ballett „Romeo und Julia. Rock Story“ des Balletttheaters Hermannstadt zu erleben. Den Abschluss bildet am 16. Oktober im Thaliasaal ein vokal-sinfonisches Konzert mit bekannten Opernchören und Orchesterwerken.
Das Sibiu Opera Festival zeigt, dass Oper nicht nur etwas für eingefleischte Musikliebhaber ist. Ob große Klassiker auf der Bühne, musikalische Angebote für Kinder oder überraschende Auftritte mitten im Alltag – Musik kann Menschen jeden Alters erreichen. Man muss nicht jedes Wort verstehen und auch kein Opernexperte sein, um sich von den Stimmen, den Geschichten und den Gefühlen mitreißen zu lassen. Denn Oper ist vor allem eines: Musik, die Menschen verbindet.
Cynthia PINTER