Übergänge, Abschiede und Vergänglichkeit

Teile diesen Artikel

Fotoausstellung Hypnopomp von Iwajla Klinke bis Ende März zu sehen

Ausgabe Nr. 2948

Iwalja Klinke in Hermannstadt.                       Foto: Ruxandra STĂNESCU

Die Fotoausstellung „Hypnopomp“ der deutschen Künstlerin Iwajla Klinke kann derzeit im Museum für zeitgenössische Kunst des Brukenthalmuseums in der Quergasse/Tribunei 6 besichtigt werden. In klein- und großformatigen Fotografien werden junge Männer auf schwarzem Hintergrund dargestellt und ihre Transformationen zwischen Identitäten und Lebensphasen, mit einem tiefen Blick auf Themen wie Übergänge, Abschiede und Vergänglichkeit. Kuratorin der Ausstellung ist Iris Ordean. Nach Hermannstadt wurde die Ausstellung vom Deutschen Kulturzentrum Hermannstadt in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut und dem Brukenthalmuseum gebracht.

„Übergänge und Abschiede, Ikonik und Vergänglichkeit stehen für mich im Mittelpunkt meiner Photographien“, erklärt Iwalja Klinke. „Meine Arbeiten bilden einen Versuch, traditionelle Wahrnehmungsweisen westlicher Kultur, Kunstgeschichte, Religion und Mythologie zu dekonstruieren und umzuschreiben.“

Der Begriff „Hypnopomp“, der auf Frederic Myers im 19. Jahrhundert zurückgeht, bezieht sich auf den Moment vor dem Erwachen, in dem sich Traum und Realität vermischen. „Jene amorphen Wesen, Formationen und Hybride versuche ich, in unserem heutigen Alltag aufzuspüren“, sagt Klinke weiter.

Die Künstlerin betont die Wichtigkeit der Transformation: „Im Mittelpunkt steht für mich die Dekonstruktion und Synthetisierung unterschiedlicher Bedeutungsebenen – die Passage von der Kindheit in die Erwachsenenwelt und die Verwandlung von einem Jungen in ein Mädchen, von einem Menschen zu einem Tierwesen.“

Klinkes Porträts verweben Elemente flämischer Malerei und Fotografie des 19. Jahrhunderts mit zeitgenössischen digitalen Welten. „Um eine maximale Fokussierung zu ermöglichen, isoliere ich mein Subjekt vollkommen mittels eines schwarzen Hintergrundes. Es erlaubt die Überwindung von Zeit und Raum für den singulären Moment der Transformation“, erklärt die Fotografin.

„Abschiede sind all jenen Metamorphosen zutiefst inhärent“, betont die Künstlerin. Sie zitiert Roland Barthes: „Die Entdeckung der Lichtempfindlichkeit von Silbersalzen erlaubte es, Lichtstrahlen einzufangen. Der geliebte Körper wird durch die Vermittlung von Silber unsterblich.“

Zu dieser Ausstellung erläutert Kuratorin Luminița Apostu Toma: „Das Exotische ist immer gleich um die Ecke. Und am Himmel der Stadt sieht man nicht einmal die hellsten Sterne. Aber im Winter zeichnen sechs Alpha-Sterne einen Kreis um die Milchstraße, durch den Rahmen wird die Fotoserie sichtbar.“

Iwalja Klinke besuchte in den letzten zehn Jahren wiederholt Rumänien, um hier Winterbräuche zu beobachten. Sie fing das Phänomen der König-Herodes-Prozession ein, bei dem Jungen am Rande der Pubertät spektakulär gekleidet in Rollen aus der Weihnachtsgeschichte schlüpfen. „Die Bilder erscheinen aus einer allegorischen Zeit, in der der Kontext der Fotos verschwindet“, so Klinke. Auch einige dieser hier entstandenen Bilder sind in Hermannstadt ausgestellt, neben Fotos aus den Bergen Tirols, aus indischen Vorstädten und aus Mexiko.

„Vor und nach dem Foto, vor und nach der Reife“, fasst Klinke die Essenz ihrer Arbeit zusammen, die die Betrachter zwischen Faszination, Obsession und Widerspruch einfängt.

Die Ausstellung „Hypnopomp“, die die Komplexität menschlicher Identität in zeitgenössischen Bildern wiedergibt, kann bis zum 29. März besichtigt werden. Weitere Informationen über Iwajla Klinke, geboren 1976 in Greifswald und ausgebildet in Kunstgeschichte und Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, und ihre Werke sind auch auf ihrer Homepage www.iwajlaklinke.com/ zu finden.

Ruxandra STĂNESCU

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kunst.