Geschichte, Gegenwart und Zukunft

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Bischof Reinhart Guib lud am 9. Januar zum traditionellen Neujahrsempfang ein

Ausgabe Nr. 2942

Landeskirchenkuratorin Carmen Schuster (rechts) bei ihrer Ansprache zum Thema Zukunft der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien im Festsaal des Bischofshauses.                                                         Foto: Beatrice UNGAR

„Seit 2014 arbeiten wir strategisch und bauen durch das Strategiekonzept „Zukunft Kirche“ unter dem Motto ‚Aus Glauben Leben in Gemeinschaft gestalten‘ an der Zukunft der Kirche mit. Es ist spannend zu erleben, dass Gott seiner Kirche, wie im Fall unserer Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, nach dem Fast-Ende 1990 einen neuen Anfang und neues Leben geschenkt hat. Wir vertrauen darauf, dass die Kirche aus Gottes Gnade weiterleben und die Werke des Herrn verkündigen kann, erklärte Bischof Reinhart Guib in einem Interview, das er aus Anlass seiner 15 Jahre Amtszeit den Kirchlichen Blättern gewährt hat. Im Zeichen der Zukunft stand denn auch der traditionelle Neujahrsempfang im Bischofshaus der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien am 9. Januar.

Der 2010 ins höchste Amt der EKR Gewählte sagte in dem Interview desgleichen Folgendes: Mein Blick ist von Dankbarkeit geprägt. Dankbar Gott gegenüber, der mich in all den Jahren mit Mut, Kraft und Hoffnung beschenkt hat für den Dienst als Bischof. Meiner Kirche, der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien, und ihren Seelen, dankbar, die mich über viele Begegnungen, Ereignisse, Täler und Höhen hindurch begleitet und gestärkt haben. Dankbar für die große Familie der Kinder Gottes, die ich in vielen Begegnungen, ökumenischen Treffen, Veranstaltungen habe kennen- und schätzen gelernt. Meiner Familie dankbar, für das uneingeschränkte Verständnis und den Beistand, auch und besonders in meiner akuten Krankheitsphase.”

Konsulin Wiebke Oeser (stehend) bei ihrem Grußwort, ihr hören aufmerksam Pafrrer Michael Reger, Dechant Dietrich Galter, Honorarkonsul Daniel Plier, Dr. Paul-Jürgen Porr, Henriette Guib, Bischof Reinhart Guib und Carmen Schuster (v. l. n. r.) zu.                                        Foto: Beatrice UNGAR

Den Neujahrsempfang moderierte in gewohnter Weise Hauptanwalt Friedrich Gunesch. Den Musikalischen Rahmen boten Erika Klemm (Blockflöte) und Pfarrer Gerhard Servatius-Depner (Geige). Servatius-Depner überbrachte auch die Grüße seitens des Zentrums Theologie Ost (ZETO), das er als Brückenbauer bezeichnete zwischen Kulturen und Konfessionen. Er selbst schlug eine musikalische Brücke zwischen Theologie und Musik, zwischen dem schweizerisch-deutschen Komponisten und Musikpädagogen Joachim Raff (1822-1882) und dem tschechischen Komponisten Antonín Dvořák (1841-1901). Von Raff ließ er eine Cavatina erklingen, von Dvořák zum Abschluss des Empfangs den 1. Teil der Sonatine G-Dur, beide Werke zur Klavierbegleitung vom Band. Ein gelungenes Wagnis.

Die Anwesenden wurden allerdings auch zum Singen aufgefordert. Musikwart Jürg Leutert hatte nämlich auch dieses Jahr die Jahreslosung vertont als Kanon nach Heinrich Schütz. Unter der Leitung von Pfarrer Maximilian Braisch wurde der Kanon zweimal angestimmt, was zur guten Stimmung beigetragen hat.

Die Landeskirchenkuratorin Carmen Schuster berichtete über die Zukunftsstrategie der EKR und wies darauf hin, dass man vieles vor sich habe. Sie stellte abschließend fest: Zeiten der Veränderung sind Zeiten des schöpferischen Neubeginns.

Danach gab es einen Blumenstrauß seitens des Landeskonsitoriums für Bischofsgattin Henriette Guib.

Gerhard Servatius-Depner, nach eigener Aussage „ein Musiker, der predigen kann und ein Pfarrer, der musizieren kann”.           Foto: Roger PÂRVU

Seitens des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien begrüßte der Landesvorsitzende Dr. Paul-Jürgen Porr die Gäste und stellte u. a. fest: In unserer siebenbürgisch- sächsischen Nische geht es uns eigentlich gut. Ich wünsche uns Frieden in der Welt und in Rumänien Reformen in der Verwaltung und weitere Bekämpfung der Korruption.

Die Deutsche Konsulin Wiebke Oeser war zum ersten Mal seit ihrem Amtsantritt vor knapp sechs Monaten dabei und wies u. a. darauf hin, dass sie hier mit Offenheit und Freundlichkeit empfangen worden sei. Sorge bereite ihr die Tatsache, dass der hart errungene Zusammenhalt in Europa wanke.

Daniel Plier, Honorarkonsul des Großherzogtums Luxemburg stellte seinerseits fest, dass der Ton rauer geworden sei in der Welt und ermunterte alle, zusammenzuarbeiten.

Im Zentrum des Empfangs stand die Präsentation des EKR-Kalenders für das Jahr 2026. Im Vorwort schreibt Bischof Guib, der Kalender sei eine Aufforderung, sich mit einem Thema anzufreunden, welches das Landeskonsistorium der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR) für aktuell erachtet. Es geht um die Gemeinschaftsform, die für die Zukunft der EKR relevant wird: der Verband von Gemeinden. In den letzten 20 Jahren wurden neun Gemeindeverbände gegründet, die insgesamt ein Drittel aller Gemeinden ausmachen und sowohl größere Eigenständige Kirchengemeinden mit kleineren Diasporagemeinden verbinden, auch etwa gleich große Eigenständige Kirchengemeinden. (…) Es ist erfreulich und ein gutes Zeichen, dass die verschieden geprägten Gemeindeverbände in den Jahren seit ihrer Gründung gute Erfahrungen gemacht haben und zu Einheiten zusammenwuchsen, die zukunftsfähig sind. Eine einheitliche geistliche und diakonische Betreuung, klare Gremien in den Gemeinden und ein gemeinsames Gremium, gemeinsame hauptamtliche Mitarbeitende, funktionierende Pfarrämter, gemeinsame Veranstaltungen, gegenseitige Besuche und Unterstützungen, eine „Win-Win“-Situation für beide – die Eigenständige Gemeinde, die sich mit ihrem menschlichen, geistlichen und Verwaltungspotential in den umgebenden Ortschaften ausbreiten kann, und für die Diasporagemeinden, die damit wieder Belebung erfahren und wahrgenommen werden. (…) Durch ein Fokussieren im Jahr 2026 auf das Thema ‚Gemeinschaftsform der Zukunft – Gemeindeverband‘ entspricht die EKR zum einen ihrer sich selbst gegebenen prioritären Zielsetzung aus dem Strategiekonzept, wo es heißt: ‚Die EKR regt die Gründung von Gemeindeverbänden als in Zukunft lebensfähigen Gemeinden an‘. Zum anderen wollen wir mit diesem Kalender und durch Veranstaltungen im Jahr 2026 die gewachsenen Gemeindeverbände bekannt machen, würdigen und unterstützen und andere dazu ermutigen, in ihrer Region zu dieser lebensfähigen Form und zu einer lebenswerten Gemeinschaft zu finden. Denn die Kirche ist nicht nur Geschichte und Gegenwart, sondern Zukunft.

Vorgestellt werden im Kalender neun schon gegründete Gemeindeverbände (Agnetheln, Bartholomae-Honigberg, Broos, Fogarasch, Hermannstadt, Kerz, Mühlbach, Neppendorf, Sächsisch-Regen) und weitere drei (Bistritz, Bukarest, Reps), die sich im Aufbau befinden. Beim Empfang präsentierten einige der dafür zuständigen Pfarrer bzw. Pfarrerinnen diese Gemeindeverbände.

Beatrice UNGAR

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kirche.