Fernweh auf Wienerisch

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Rückblick auf die Ferienmesse 2026 in Wien

Ausgabe Nr. 2944

Ein kulinarischer Magnet: Beim Rumänien-Stand gab es Leckereien aus dem Banat.                                                                               Foto: Anna HENNING

Wer Mitte Jänner durch die Hallen der Messe Wien schlenderte, merkte schnell: Hier wird nicht nur informiert, hier wird verführt. Die Ferienmesse 2026 war weniger Katalog und mehr Gefühl, weniger Prospekt und mehr Prickeln im Bauch. Man ging hinein, um sich umzusehen – und hinaus mit dem dringenden Wunsch, sofort irgendwohin aufzubrechen. Wohin genau, das war fast nebensächlich, denn die Welt präsentierte sich in all ihren Farben, Düften und Versuchungen.

 

Schon beim Eintreten umwehte einen das heurige Partnerland Sri Lanka wie eine warme Brise aus dem Indischen Ozean. Bunte Stoffe, rhythmische Tänze, exotische Gewürze und ein Lächeln, das offenbar zur Grundausstattung gehört, machten den Inselstaat zum Herzschlag der Messe. Sri Lanka war nicht einfach ein Stand, sondern ein Versprechen: auf Abenteuer, Gelassenheit und die Kunst, Zeit wieder langsamer fließen zu lassen. Ein Palmenstrand reichte hier bis nach Wien – zumindest im Kopf der Besucher.

Wer anschließend voll Sehnsucht von Japan nach Kambodscha reiste, sich dazwischen von einem Segelabenteuer nach Madagaskar erholen musste, nebenbei die Nordlichter Lapplands bewunderte oder den Kulturgeschichten aus Serbien und Bulgarien lauschte, landete schlussendlich unweigerlich auch im Banat – und blieb dort meist länger als geplant. Der rumänische Stand war ein kulinarischer Magnet, an dem kaum jemand vorbeikam, ohne zu kosten. Pflaumenkuchen, Jumări-Torten (Grieben-Torten), Birnen- und Quitten-Pălincă, edler Honig, selbstgebrannte Schnäpse und Geschichten: Das Banat bewirbt sich nicht nur um den Titel „European Region of Gastronomy 2028“ (Europäische Gastronomi-Region), es schmeckt auch ganz eindeutig danach. Zwischen Häppchen und Gesprächen wurde klar, dass hier eine Region spricht, die ihre Identität über den Gaumen erzählt – herzlich, bodenständig und erstaunlich modern. Nachhaltigkeit, kulturelle Brücken nach ganz Europa, speziell nach Wien und die verbindende Kraft des Essens waren keine Schlagworte, sondern spürbare Haltung. Das Banat ist keine Destination, es ist ein Gefühl – warm, verbindend und überraschend tiefgründig. Man ging satt – und ein bisschen verliebt.

Und dann, fast unmerklich, führte die Reise wieder zurück nach Hause. Denn Österreich präsentierte sich auf der Ferienmesse als das, was es ist: ein Land voller kleiner und großer Wunder. Besonders das Mostviertel in Niederösterreich setzt starke Akzente. Waidhofen an der Ybbs zeigt sich als Postkartenstadt mit Tiefgang – mit Stadtmauern, Türmen, der Ybbs als Begleiterin und dem Rothschildschloss als kulturellem Herzstück. Als Besucher fühlt man, dass Romantik und Geschichte einander nicht ausschließen, sondern verstärken. Spaziergänge entlang der Ybbs fühlen sich an wie eine kleine Flucht aus der Zeit, ganz ohne Flugticket, ganz ohne Jetlag.

Und, nur wenige Kilometer entfernt wartet ein Juwel, das keinen großen Auftritt braucht, um zu glänzen: die Gegend rund um Ybbsitz. Wie ein Gegenpol zur weiten Welt steht sie da – still, kraftvoll und von einer Schönheit, die sich nicht aufdrängt, sondern einlädt. Sanfte Hügel, Wälder, die nach Moos und Geschichte riechen, klare Bäche und das leise Klopfen der Schmieden machen deutlich, dass hier etwas Ursprüngliches bewahrt wird. Mittendrin liegt Ybbsitz, eine Marktgemeinde wie aus dem Bilderbuch: lieblich, gewachsen und mit jenem Charme, der nicht inszeniert wirkt, sondern ganz selbstverständlich da ist. Kulturhistorisch schlägt Ybbsitz den Bogen vom Gestern ins Heute: Das Ferrum, Zentrum der Eisenstraße, erzählt von Schmieden, Handwerk und einer Region, die aus glühendem Eisen Identität formte. Hier wird spürbar, dass Urlaub nicht immer Distanz braucht – manchmal reicht ein genauer Blick.

Gleich neben all dem Fernweh schnurrte in der Nachbarhalle, also parallel zur Ferienmesse, die Vienna Drive verlässlich wie ein gut gelaunter Motor im Leerlauf: Wer eigentlich nur vom Reisen träumen wollte, saß plötzlich probehalber im Fahrersitz der Zukunft. So wurde aus „Ich fahr dann einmal weg“ ganz schnell ein sehr konkretes „Womit eigentlich zuerst?“. Wie auch immer: die Gedanken waren ja bereits unterwegs!

Die Wiener Ferienmesse 2026 bewies eindrucksvoll: Fernweh kennt viele Formen. Es kann nach Zimt, nach Pflaumenkuchen oder nach frischem Wald riechen. Und manchmal liegt das größte Reiseglück nicht nur am Palmenstrand – sondern dort, wo das Herz ruhiger schlägt und die Landschaft leise „Willkommen“ sagt.

Ingrid WEISS

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Tourismus.