Mit dem Fahrrad durch 13 Länder

Teile diesen Artikel

Felix Gündisch erfüllte sich einen Traum

Ausgabe Nr. 2922

Felix Gündisch wurde bei seiner Ankunft in Michelsberg feierlich von seinen Großeltern Karin und Dietmar Gündisch empfangen.         Foto: privat

Von München bis Michelsberg: 6.000 Kilometer, 13 Länder und ein roter Teppich zum Finale am Haus seiner Großeltern: Felix Gündisch erfüllte sich nach dem Abitur einen Traum auf zwei Rädern. Die meisten gönnen sich nach dem Abitur ein paar Wochen Urlaub, Felix Gündisch hingegen entschied sich für ein Abenteuer. Mit seinem Fahrrad fuhr der 20-Jährige aus München rund 6.000 Kilometer quer durch Südosteuropa, überquerte etliche Bergpässe, durchradelte 13 Länder und kam nach zwei Monaten bei seinen Großeltern in Michelsberg an, wo ihn Familie und Nachbarn mit einem feierlichen Empfang samt rotem Teppich und Blumen überraschten.

Ursprünglich hatte er noch größere Pläne: Er wollte mit dem Rad bis nach Singapur fahren. Doch wegen der instabilen politischen Lage im Nahen Osten riet ihm seine Familie von dieser Route ab. Stattdessen plante er eine etwas kürzere, aber nicht minder anspruchsvolle Strecke.

Gleich zu Beginn wartete eine sportliche Herausforderung auf ihn: In Österreich meisterte er unter anderem die Großglockner Hochalpenstraße. Weiter ging es durch Italien, Slowenien und Kroatien. Besonders begeistert war Felix von den kleinen Dörfern und der unberührten Natur im kroatischen Landesinneren nahe der bosnischen Grenze.

Nach der Überquerung der Grenze zu Bosnien und Herzegowina führte ihn sein Weg über Mostar weiter durch Montenegro, Albanien und ein Stück durch Griechenland, bevor er wieder nordwärts Richtung Nordmazedonien, Kosovo und schließlich über einen Umweg nach Serbien fuhr. Der Umweg war notwendig, weil die Einreise nach Serbien aus dem Kosovo nicht möglich war. Daher musste er nochmals kurz über Montenegro fahren.

„Die größte Herausforderung war nicht die körperliche Anstrengung, sondern die tägliche Motivation“, berichtet Felix. Denn er fuhr die meiste Zeit alleine, absolvierte pro Tag rund 100 Kilometer und durchschnittlich 1.300 Höhenmeter.

Nur für einige Tage hatte er Begleitung: Ein Südafrikaner schloss sich ihm an, mit dem er gemeinsam Montenegro durchquerte. „Das war eine gute Abwechslung und da fuhr ich mit einer ganz anderen Motivation. Wir haben uns gegenseitig angetrieben.“

Sein Alltag unterwegs war klar strukturiert: Aufstehen bei Sonnenaufgang, Fahrradfahren bis zur Mittagshitze, dann meistens eine mehrstündige Pause in einem Café, bevor es bis zum Abend weiterging. Geschlafen wurde meistens im Zelt, oft mitten in der Natur. Manchmal gönnte er sich aber auch ein Bett in einem Hostel.

Schwierig war für ihn die Zeitverschiebung: „Sogar Serbien ist noch in der gleichen Zeitzone wie in Deutschland. Doch je weiter ich in den Osten kam, desto früher ging die Sonne auf und auch wieder unter.“ Daher musste er immer früher los und entsprechend früh ins Bett. „Dabei bin ich eigentlich wirklich kein Frühaufsteher“, sagt er lachend.

Besonders eindrucksvoll waren die zwischenmenschlichen Begegnungen. Überall erlebte Felix Gündisch große Gastfreundschaft: „Oft wurde ich einfach angehalten und eingeladen, etwas zu essen oder sogar zu übernachten.“ Solche Erlebnisse zeigten, wie offen und hilfsbereit Menschen sein können, selbst gegenüber einem fremden, verschwitzten Radfahrer.

Tobias JARITZ

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Allgemein.