Atemberaubende Musik

Teile diesen Artikel

Die Stadt rockte bei Artmania mit der Nummer 18

Ausgabe Nr. 2922

Zeitreise in die 1990-er Jahre: Die Rockband „Extreme” mit (von links) Patrick Badger, Gary Cherone und Nuno Bettencourt sangen sich im Rahmen der 18. Ausgabe des Artmania Festivals u. a. mit der Ballade „More Than Words” in die Herzen des Publikums.                                  Foto: Cynthia PINTER

Die Götter waren (wieder) in Hermannstadt – nicht die vom Olymp, sondern die des Progressiven Rocks: Die US-Band Dream Theater war Headliner der 18. Auflage des Artmania-Festivals, das am Wochenende stattgefunden hat. Nicht zu übersehen war das Stadtbild, das die Artmania-Fans Jahr für Jahr verändern: dunkle Kleidung, lange Haare, bunte Tattoos und überglückliche Menschen, die ihre Lieblingsmusiker sehen oder wiedersehen.

Eröffnet wurde das Festival von der französischen Band Vestige, das gerade mal ihr erstes Album herausgebracht hat und ihr Stil als „modernen Metal” bezeichnet. Die Kenner der Rockmusik erwarten ein Wachstum der Band in den nächsten Jahren und die Artmania-Fans waren begeistert, die jungen Musiker live zu erleben.

Die norwegische Metal-Multi-Instrumentalistin Kathrine Elizabeth trat mit ihrem Solo-Projekt Sylvaine auf die Bühne und begeisterte das Publikum mit ihrer mal sehr hellen und dann wieder richtig rockigen Stimme. Die Musikerin befindet sich zur Zeit auf Europa-Tournee.

Und dann kamen die „Götter”, für die das meiste Publikum – oft mit passenden T-Shirts – gekommen war: John Petrucci (Gitarre), Mike Portnoy (Schlagzeug), John Myung (Bass), James LaBrie (Gesang) und Jordan Rudess (Keyboards) mit Dream Theater. Die 1985 in Boston gegründete Band befindet sich zur Zeit auf Welttournee zum 40. Jubiläum und Vorstellung ihres neusten Albums, „Parasomnia”. Viele ihrer Fans sind dieses Jahr durch Europa ihrer Lieblingsband nachgefahren und meinten, das sei eins ihrer „besten Konzerte ever” gewesen. Tatsächlich ist es in Worten unfassbar, was die Musiker zusammen und einzeln auf die Bühne bringen – von der gemeinsamen Energie bis zu den atemberaubenden Soli und von dem energischen Auftritt des Frontmans bis zu den Videos, die im Hintergrund laufen. Progressive Rock vom Feinsten und jedes Mal ein Traum-Erlebnis.

Dream Theater-Frontman James LaBrie.             Foto: Cynthia PINTER

Der zweite und letzte Tag des Artmania-Festivals begann mit Eihwar, einem französischen Duo, das aussah, als käme es direkt aus einem Wikinger-Techno-Ritual. Ihr Stil ist schwierig zu beschreiben, irgendwas zwischen nordischer Volksmusik und einem alten Ritual, das mit modernen Rhythmen neu interpretiert wurde. Sie nennen es „Viking War Trance”. Sie betraten die Bühne mit einer Schamanentrommel, Fellen, Masken und einer Energie, die das Publikum begeisterte, auch wenn es zu dieser Zeit auf dem Großen Ring noch nicht sehr zahlreich war. Es bildete sich eine Art Reigen, der wie ein heidnisches Ritual wirkte. Das Bühnenkostüm der Sängerin war sehr auffällig mit ihren Pelzen, Lederfetzen und einer Wolfs-Maske, die die Geschichte und das visuelle Erscheinungsbild der Show perfekt ergänzten.

In der Pause zum zweiten Konzert gab es einen spontanen Tribut an den am 22. Juli verstorbenen Ozzy Osbourne: Mitglieder des Vereins „Pune mâna pe chitară“ zusammen mit dem Hermannstädter Musiker Adrian Corlaciu sangen und spielten Ozzys bekanntes Lied „Dreamer“, was einige Festivalteilnehmer auf dem Großen Ring zu Tränen rührte.

Das zweite Konzert des Abends wurde von Sivert Høyem, dem Frontman der Band „Madrugada“ bestritten. Während er bei Madrugada eher direkt und rockig klingt, war er eher melancholisch und stimmungsvoll. Auch einige Madrugada-Songs fehlten nicht in der Setlist, zur Freude der Fans. Beim letzten Song der Zugabe kam Sivert zum Fotopit-Zaun runter, um dem Publikum die Hand zu geben, eine Geste, die zeigte, wie sehr er sich freute, wieder vor rumänischem Publikum zu stehen.

Das Highlight des Abends und die zweiten Headliner von Artmania 2025 waren die Amerikaner der Band Extreme. Die – genau wie Dream Theater – 1985 in Boston gegründete Rock-Band, feierte nach einer mehr als zehnjährigen Pause mit dem Studioalbum „Six“ im Jahr 2023 ein starkes Comeback. Was wie ein perfekter Abschluss des Festivals aussah, wurde durch den Regen getrübt, der nach dem zweiten Song einsetzte. Gary Cherone und Nuno Bettencourt betraten voller Energie die Bühne und wurden vom Publikum mit ehrlicher Begeisterung empfangen. Es war das erste Mal, dass sie ein Konzert in Rumänien gaben. Für die Fans der Band war es sicherlich ein emotionaler Moment, sie blieben trotz des Regens bis zum Ende dabei. Mitten im Auftritt schenkte die Band dem Sänger Gary Cherone, der am 26. Juli seinen 64. Geburtstag feierte, eine Torte und das Publikum durfte ihm „Mulți ani trăiască“ singen. Die Rocker von „Extreme“ sangen den legendären Song „Decadence Dance” und natürlich auch die gefühlvolle akustische Ballade „More Than Words” so perfekt, dass man den Eindruck hatte in die 1990-er Jahre zurückgereist zu sein.

Damit endete die 18. Auflage des Artmania-Festivals und man darf auf die 19. Ausgabe nächstes Jahr gespannt sein, deren Termin schon feststeht und im Kalender rot eingezeichnet werden kann: 24.-25. Juli 2026.

Ruxandra STĂNESCU

Cynthia PINTER

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Musik.