,,Dies ist die Krönung meines Berufslebens“

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Martin Müller lud zum DWS-Mitgliedertreffen im Touristenkomplex Albota ein

Ausgabe Nr. 2922

DWS-Vorsitzender Wolfgang Köber (links) und Gastgeber Martin Müller begrüßten alle Anwesenden.                                                   Foto: Werner FINK

Das letzte Mitgliedertreffen des Deutschen Wirtschaftsclubs Siebenbürgen (DWS) am 9. Juli wurde auf Einladung von Martin Müller und dessen Firma Sobis in Albota abgehalten. Die Mitglieder des DWS hatten nun die Möglichkeit, hinter die Kulissen der Forellenzüchterei und dem Konzept „from farm to table“ (von der Farm auf den Teller) zu schauen, über welches das Restaurant Hermania, der Lebensmittelladen Băcănia Albota, sowie der Onlineshop von der eigenen Farm versorgt werden.

Weiterhin sprach Nicu Lazăr, Bürgermeister von Halwelagen über seine Projekte im Bereich Bildung, u. a. über die smarten Dorfschulen. Sabine Maya Schlattner, Fachberaterin für Deutsch als Fremdsprache, stellte das Projekt Erzähle deine Schule – Historische Sprachinseln“ vor. Dabei waren auch die Brukenthalschüler Alex Sofonea und Tudor Nica, die mit dem Projekt Teky” im Rahmen des Innovation Labs Romania 2025 den Preis Best Emerging Startup gewonnen haben, und für die Cătălin Mihacea, Präsident des Sibiu IT Cluster, lobende Worte fand. Neumitglied Thilo Binder stellte die Firma WuB (Wirtschaft und Unternehmensberatung) vor.

Leider wollte das Wetter in Albota nicht mitspielen, und so konnte der geplante Rundgang nicht durchgeführt werden. Man blieb drinnen und Inhaber Martin Müller erzählte von seinem Werdegang und wie Albota entstanden ist. „Für mich ist es ein Hobby“, sagte Müller. „Es war nie mein Traum, es war nie mein Ziel, ich komme nicht aus dieser Branche.“ Müller ist Softwareingenieur, ein Bereich der ihm so viel Geld eingebracht hatte, dass er sich überlegte, das Geld neu zu investieren. An der Börse hatte er keinen Erfolg und so entschied er sich für das „Zufallsprodukt Albota. Er kaufte die verlassene Forellenzucht, deren Grundstein noch vor der Wende gelegt worden war. Als der „Junge von Mediasch“ waren Forellen für ihn was Neues.

2007 wurde ein Wasserkraftwerk angelegt. Damals soll man hier von Mikrowasserkraftwerken nicht viel gewusst haben. „Für uns war es wichtig“, betonte Müller. Man produzierte damals 2 MWh, gegenwärtig 1,5 MWh pro Tag. Weiterhin wurden Grundstücke gekauft. Dann wurden anfangs einige Dinge auch weniger ökonomisch gemacht. „Es gibt eine goldene Regel im Tourismus: Du musst einen Bus abfertigen können“, meinte Müller. Im Falle von 40-50 Personen sollte das Essen in maximal 20-30 Minuten serviert werden können. Und was Unterkunftsmöglichkeiten betrifft brauche man wenigstens 20-25 Zimmer. Anfangs verfügte man über nur 12-15 Zimmer. So wurde weiter ausgebaut und zusätzliche Terrassen wurden geschaffen. „Jedes Jahr mussten wir ausbauen, denn die Leute kamen“, sagte Müller. „Es war ja nicht geplant.“ Gegenwärtig schaffe man es, auch 2-3 Busse gleichzeitig abzufertigen. Vor allem an Wochenenden sollen die Gäste gekommen sein, als der Weg zur Gaststätte nicht einmal asphaltiert war.

Zu Albota gehört aber nicht nur die Gaststätte. Es wird auch hausintern viel produziert. Pro Tag werden beispielsweise mindestens 500 Kilogramm Fisch verarbeitet. Forellen kann man narürlich in der Gaststätte in Albota essen, in Hermannstadt im Restaurant Hermania oder im Laden Băcănia Albota kaufen, sowie online bestellen.

Um eine Forelle auf Tellergröße, auf 300 Gramm zu bringen, braucht man 18 bis 24 Monate. Bei der Forellenzucht in Kerz, die ebenfalls zur Farm gehört und wo es wärmer ist, sind nur 12 Monate nötig.

Weiterhin verfügt man mittlerweile über 200 Büffel und 800 Angusrinder, also über 1000 Stück Vieh.

Ein Aspekt, den Müller betonte war, dass es Abfälle, die nicht in irgendeiner Form wiederverwertet werden, so gut wie keine gebe. Die Abfälle aus der Gaststätte kriegen die Schweine oder die Fische, mit den Abfällen von Tieren wird gedüngt. In diesem Kreislauf erkannte er dasselbe, was er als Kind auch schon bei den Großeltern auf dem Bauernhof in Wölz gesehen hatte. Da wurde nichts weggeworfen, alles wurde in irgendeiner Form verwertet. Was man heute als „Öko“ bezeichne und was Wiederverwertung angehe, sei für ihn nichts Neues. Über eine eigene Kläranlage verfügt man ebenfalls.

Wesentliches ereignete sich übrigens am selben Tag, an dem das DWS-Treffen stattfand. Müller hatte nämlich einen Zwischenvertrag unterschrieben. „Für mich ist das die Krönung und der Abschluss meines Berufslebens“, betonte Müller. Vor acht oder neun Monaten gab nämlich eine Firma ihre Absicht bekannt, Müllers Softwarefirma Sobis Solutions, die sich auf Lösungen für den öffentlichen Sektor spezialisierte, übernehmen zu wollen. „Das war nie in meinem Kopf, denn ich habe ja für mich gearbeitet“, meinte er. Er habe aber das Glück gehabt im Leben, zum richtigen Zeitpunkt, richtige Entscheidungen zu treffen, mit richtigen Leuten zusammenzuarbeiten oder die richtigen guten Kunden zu haben. „Ich glaube, von meinem Elternhaus habe ich viel mitbekommen“, sagte Müller. „Wir wurden erzogen, brav sein, folgsam sein, zuhören, nicht widerreden, anständig sein, sich fügen. Es war ganz anders, wir hatten nichts, wir mussten kämpfen.“ Er stamme aus einer Arbeiterfamilie. Sein Vater schlug vor, Fernsehtechniker zu werden. Er wollte aber Ingenieur werden. Nach drei Tagen sagte sein Vater zu: „Ich bin stolz auf dich. Das gab ihm für seinen weiteren Lebensweg Mut, aber auch die sprichwörtliche Aufforderung, die er von seinem Pfarrer hörte: „Hilf dir selbst, so hilft dir Gott.

Im Anschluss sprach Bürgermeister Nicu Lazăr über seine Projekte im Bereich Bildung. Aus Fördermitteln wurde in Waldhütten eine intelligente Schule fertiggestellt. Nutznießer sind die vielen Romakinder. Hier soll es eine energieeffiziente Steuerung geben, wo Beleuchtung und Temperatur automatisch kontrolliert werden und CO2 gemessen wird. Es sei landesweit die zweite intelligente Schule im ländlichen Raum gewesen und die erste in einer benachteiligten Gemeinschaft. Wir investieren massiv in Bildung”, meinte Lazăr. Ergebnisse werden erst nach Jahren, nach Jahrzehnten sichtbar – vor allem in diesen Gemeinschaften.

Ein erstes Projekt war übrigens der Kindergarten in Halwelagen, den man vor sieben Jahren baute und den man erfolgreich in einen Ganztagskindergarten umwandeln konnte. Ein weiteres Projekt war der Kindergarten in Waldhütten, ein ehemaliges sächsisches Haus, wo man eine Scheune neu aufbaute und sie in Gruppenräume umwandeln ließ. Jeder dieser Gruppenräume wurde mit einem Zugang zum Garten versehen. Hier wünscht man sich nun auch eine Umwandlung in einen Ganztagskindergarten.

Ein weiteres Projekt ist das Sanieren von acht siebenbürgisch-sächsischen Häusern über den Nationalen Aufbau- und Resilienzplan. Beim Sanieren orientierte man sich übrigens anhand von alten Fotos, die von einer in Deutschland lebenden Siebenbürger Sächsin zur Verfügung gestellt wurden.

Weiterhin werden in der Schule in Halwelagen von 1893 ebenfalls intelligente Systeme implementiert, die fortschrittlicher sind, als das in Waldhütten. Hier hat man daran gearbeitet, die Architekturelemente zu rekonstruieren. Das Projekt muss allerdings bis Dezember 2025 beendet werden, weil das Regionale Operationelle Programm bis dahin abgeschlossen wird. Falls nicht, muss das Geld zurückgezahlt werden. In diesem Sinne wurde ein Verein zur Unterstützung dieser Investition gegründet, um sie erfolgreich beenden zu können.

Die Gemeinde ist übrigens der Besitzer einer evangelischen Kirche, die für 1 Euro vom evangelischen Bezirkskonsistorium Mediasch gekauft wurde. Zum Zeitpunkt des Kaufs beherbergte diese Kirche Schafe und einen Esel. Mit Hilfe der Ambulanz für Denkmäler wurden das Dach und die Dachrinnen in Ordnung gebracht. Ab diesem Jahr wird sie über das nationale Restaurierungsprogramm saniert. Die Kirche versucht man in das Leben der Gemeinschaft miteinzubeziehen. Beispielsweise finden im Rahmen des Festes der Tuberosen hier Kulturveranstaltungen statt, wie Konzerte oder Buchvorstellungen.

Ein weiteres Projekt bezieht sich auf die rumänische Übersetzung der drei Monografien der drei Dörfer, die zur Gemeinde gehören. Ein Wahlfach für die Kinder ist hier nämlich die Ortsgeschichte.

Lazăr betonte, dass man den Kindern aus den benachteiligten Gemeinschaften helfen müsse. Leider wächst die rumänische Schule im ländlichen Umfeld über Sozialassistenz”, sagte er. Das ist die Realität, die wir zu verändern versuchen. Er lud alle zum Fest der Tuberosen vom 9. bis 10. August nach Halwelagen ein.

Sabine Maya Schlattner stellte das Projekt Erzähle deine Schule – Historische Sprachinseln“ vor, das vom Auswärtigen Amt finanziert wurde und dessen Ergebnis ein Film ist, den die Schüler unter der Betreuung von vier Fachleuten aus den Bereichen Film und Fernsehen machten. An dem Filmprojekt teilgenommen hatten auch die Brukenthalschüler Alex Sofonea und Tudor Nica, die laut Cătălin Mihacea, Präsident des Sibiu IT Cluster, in den letzten 3-4 Jahren an allen Hackathons teilgenommen haben. Die Schüler stellten ihr Projekt kurz vor.

DWS-Neumitglied Thilo Binder stellte sich und die Firma WuB, (Wirtschafts- und Unternehmensberatung) vor. Die Firma gründete er 2018 zusammen mit dem Inhaber, wobei der Fokus auf Dienstleistungen im Bereich Controlling, Buchhaltung, Bilanzsteuerung, Cashsteuerung und Prozessentwicklung lag.

Binder machte eine Ausbildung als Kaufmann für Grundstücks- und Wohnungswirtschaft, parallel dazu als Bankkaufmann. Mit 21 Jahren wurde er Leiter des Rechnungswesens eines Konzerns in der Baubranche, wo er 15 Jahre tätig war. Um 1990 kam dann die CNC Steuerung, sowie die PCs. Er hatte sich schon immer für elektronische Datenverarbeitung interessiert, aber nicht von der Programmiererseite, sondern von der Benutzerseite her. Er ließ sich weiter ausbilden und wechselte in diese Branche, wobei er hier über 30 Jahre verbrachte. Als CFO war er verantwortlich für eine Milliarde Umsatz und 800 Mitarbeiter. Hier verlor er aber auch die Affinität für IT-Entwicklung. 15 Jahre lang hatte er im IT-Bereich ERP-Systeme entwickelt (Softwarelösungen zur Steuerung und Planung aller wichtigen Geschäftsprozesse in einem Unternehmen).

Nun entschied er sich für eine Firma mit 2-3 Kunden. Die kaufmännischen Abwicklungen bei den Kunden macht er nun von Hermannstadt aus. In Rumänien hatte er übrigens gemerkt: den Begriff Controlling kennt keiner, die Leute steuern ihr Unternehmen nach Bauchgefühl. Er setzte sich hin und entwickelte ein System, mit dem man mit wenig Aufwand seine ganze Unternehmenswelt planen kann, egal wie groß. Für die Kunden stellt er das Business Power Tool 1 und Business Power Tool 2 zur Verfügung. Business Power Tool 1 läuft mit Hilfe von 500.000 Formeln und soll eine Planungshilfe und eine Sandbox sein, wo der Unternehmer Vorgaben, Ideen einbringen und mit diesen spielen kann wie im Sandkasten. Es ermöglicht die Planung in acht Achsen: Umsatz und Kosten, Produktlinien, Bilanz, monatliche Gesamtplanung, Liquiditätsplanung, Produktionsplanung und Handelsplanung. Das Business Power Tool 2 gleicht monatlich eine Mischung von Ist- und Planzahlen ab. Es zeigt an, was am Ende in der Gewinn- und Verlustrechnung sowie in der Bilanz am Jahresende steht und identifiziert Abweichungen vom Plan. Teure Softwares seien Gold wert für kleine und mittlere Unternehmen, die sich solche aber nicht leisten können. Der erste Kunde in Rumänien, Unternehmer Jens Kielhorn, teilte begeistert mit, das System habe ihm bereits geholfen.

Beim geselligen Teil des Abends konnten die Anwesenden Leckereien von Albota verkosten und die Band Trio Saxones Plus spielte gute Musik, die dem einen oder anderen Geschäftsmann in die Beine ging.

Werner FINK

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Wirtschaft.