„Erst muss das Herz dabei sein“

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Gespräch mit Maria Rampelt über Schwarzlichttheater in Hammersdorf

 

Völlige Dunkelheit. Alles Schwarz. Leises Flüstern. Die Spannung wächst. Plötzlich erklingt Musik. „Oh, das ist die Falsche. Das war mein Fehler!” Es ist die Stimme von Frau Rampelt, der Referentin für die Fortbildung zum Thema Schwarzlichttheater, im Rahmen des Großprojektes „Grüne Kirchenburg Hammersdorf”. Aus dem Nichts tauchen ein Zylinderhut und ein Zauberstab auf und schon schweben wir mitten in einer Liebesgeschichte…

Maria Rampelt ist Grundschullehrerin und Schulleiterin in Griesheim (Hessen). Sie stammt aus Siebenbürgen und hat in Hermannstadt das Pädagogische Lyzeum absolviert. In einer Pause beantwortete sie die Fragen der Teilnehmerinnen am Siebenbürgischen Lehrertag Rodica Ispas (Hermannstadt), Rita Jeskó (Ungarn), Klara Kis (Neumarkt), Petra Klammer (Hermannstadt – Deutschland) und Anita Kömen (Fogarasch – Deutschland), die von Cosmina Hurbean (Hermannstadt) koordiniert wurden.

 

Was hat Sie veranlasst, hier in Hammersdorf eine Fortbildung zum Thema Schwarzlichttheater anzubieten?

Da meine Kinder aus dem Haus sind, war ich auf der Suche nach einer kreativen ehrenamtlichen Tätigkeit, nicht nur in Deutschland, sondern auch in meiner Heimat Rumänien. Dieses Projekt ist ein Angebot der nichtschulischen Bildung in der Kirchenburg; die Projektleiterin ist Frau Dr. Elfriede Dörr, Beauftragte für Ökumene und Fortbildung der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien.

Was versteht man unter Schwarzlichttheater und wo kamen Sie damit in Kontakt?

Die Darbietung findet in einer sogenannten Blackbox statt. Ich habe selber in einer Gruppe mitgespielt, die hauptsächlich aus Frauen bestand. Wir nannten uns die „Black Beauties”. Eine vollständige Definition kann man bei Wikipedia finden:

„Unter dem Begriff Schwarzlichttheater versteht man eine besondere Form des Theaterspiels, bei der in einem völlig verdunkelten Raum bzw. auf einer Bühne mit schwarzem Hintergrund agiert wird. Als einzige Lichtquelle dienen Schwarzlicht-Lampen oder -Röhren (UV-Licht mit einer Wellenlänge von etwa 365 Nanometern), die ausschließlich weiße oder neonfarbene Gegenstände oder Kleidungsstücke zum Leuchten bringen und somit für die Zuschauer sichtbar erscheinen lassen. Schwarze Farbe hingegen wird „geschluckt“, was zur Folge hat, dass schwarz gekleidete Spieler in diesem Licht unsichtbar bleiben. Auf diese Weise lassen sich erstaunliche Effekte und Illusionen erzeugen: Gegenstände (oder auch Personen) scheinen zu schweben, erscheinen oder verschwinden urplötzlich.“

Mit welchen Gruppen arbeiten Sie in Deutschland? Welche Erfahrungen haben Sie dort gemacht?

Zunächst arbeitete ich mit Erwachsenengruppen. Dann habe ich eine Fortbildung besucht und seither bieten wir an meiner Schule auch Schwarzlichttheater als Wahlpflichtfach an. Wir haben einen ähnlichen Blackbox-Raum wie hier in Hammersdorf. Im Unterricht wird großer Wert darauf gelegt, dass Kinder selbst das Spiel aus sich heraus entwickeln und dann präsentieren.

Mit welchen Gruppen arbeiten Sie in Rumänien? Welches sind Ihre Erfahrungen?

Im letzten Jahr hatte ich als Versuch in Zusammenarbeit mit Henriette Guib, Grundschullehrerin am Goga-Lyzeum, hier schon eine Gruppe von insgesamt 18 Kindern aus drei Schulen. Die Idee war, dass die Lehrerinnen über Kinder in diesen Bereich eingeführt werden. Es war eine sehr schöne Phase, in der die Lehrerinnen von Kindern gelernt haben. In diesem Jahr wollte ich eine Handreichung erarbeiten und zu zeigen, wie man mit großen Klassen Schwarzlichttheater machen kann. Frau Henriette Guib war mit ihrer ganzen Klasse, also mit dreißig Schülern hier und wir haben das Stück „Die drei Räuber” geprobt und den Eltern abends vorgeführt. Die Präsentation war dann ein ausgezeichneter Einstieg in die Lehrerfortbildung.

Welche Kompetenzen werden bei Schülern und nicht zuletzt bei Lehrern gefördert?

Die Sozialkompetenz steht im Vordergrund, ebenso ist mir die ständige Reflexion, das Feedback wichtig. Das Ganze soll in der Gruppe entstehen: Es wird etwas geboren aus dem Gemeinschaftsgefühl heraus. Erst muss das Herz dabei sein, dann das kognitive Denken. Das rationelle Denken wird angeregt, weil eine Skizze gezeichnet werden muss. Mit Musik sind grundsätzlich alle Sinne gefordert und durch Agieren im dunklen Raum wird die Angst vor der Dunkelheit abgebaut.

Die Lehrer haben mich beeindruckt: Wie interessiert und kreativ, mit wieviel Spielfreude sie dabei waren! Sie waren auf mehreren Ebenen aktiv, sie entwickelten Ideen für die Inszenierung des Spiels und gleichzeitig dachten sie auf der Metaebene auch darüber nach, wie sie alles mit Schülern umsetzen könnten.

Welche Rolle spielt die deutsche Sprache bei Ihren Veranstaltungen, da auf der Bühne gar nicht gesprochen wird?

Wir haben die Kinder dazu angehalten, in den Gruppen immer Deutsch zu sprechen. Man kann auch Musik mit deutschen Texten spielen. Die Kinder müssen zudem genau auf den Text achten und ihn in entsprechende Bewegungen umsetzen. Der Schwerpunkt liegt beim Schwarzlichttheater allerdings nicht auf der Sprache.

Für welche Gruppen bzw. welche Klassen steht dieses Programm offen?

Jeder kann mitmachen, der Freude am Spiel und Fantasie hat. Mit kleinen Kindern kann man einzelne Szenen erarbeiten. Diesmal hatten wir Kinder ab acht Jahren, was optimal war. Nach oben gibt es keine Altersgrenze. Heute ist es besonders schön, weil wir eine gemischte Gruppe von Erwachsenen und Kindern haben. Da treffen verschiedene Denkwelten aufeinander und gemeinsam können wir etwas richtig Schönes gestalten.

Können Sie sich für die Zukunft vorstellen, das Schwarzlichttheater auch über das Stadtgebiet von Hermannstadt und Hammersdorf hinaus vielen Schülern zugänglich zu machen?

 Vorstellbar ist das schon. Hammersdorf ist hierzulande sozusagen die Geburtsstätte des Schwarzlichttheaters. Man könnte eine mobile Blackbox anschaffen und sie dann verleihen.

Die Frage ist nur, ob bei den Lehrkräften Interesse und Motivation vorhanden sind, diesen Weg zu gehen, bei dem das Kind im Mittelpunkt steht, bei dem es nicht um die Reproduktion von etwas Gelerntem geht, sondern um das gemeinsame Entwickeln und Präsentieren. Wir geben hier in Hammersdorf einen Impuls und wie es weiter geht, ist vorerst noch offen.

Wir danken für das Gespräch.

 

Anita Kömen, Klara Kis, Maria Rampelt, Cosmina Hurbean, Rita Jeskó Rodica Ispas und Petra Klammer vor dem Eingang der alten Schule in der Grünen Kirchenburg Hammersdorf (v. l. n. r.).                        

Foto: Privat