,,Hans Judenkünig-Landestournee” machte in Hermannstadt Station
Ausgabe Nr. 2922

Szabó Zsolt, Erich Türk, Narcisa Brumar und Caius Hera (v. l. n. r.) bedanken sich für den Stehapplaus in der evangelischen Stadtpfarrkirche in Hermannstadt. Foto: Beatrice UNGAR
„Ain schone künstliche Underweisung in disem Büechlein, leychtlich zu begreyffen den rechten Grund zu lernen auff der Lautten und Geygen” lautet der Titel der 1523 bei Hans Singryener in Wien gedruckten Sammlung, welche sich jetzt im Nationalarchiv Kronstadt befindet. Autor der Sammlung ist der deutsche Musiker und Lautenspieler Hans Judenkünig (1450-1526), einer der bedeutendsten Instrumentalisten der Renaissance. Mit Werken aus dieser Sammlung begaben sich die Instrumentalisten Narcisa Brumar (Sopran), Caius Hera (Laute), Erich Türk (Spinett), Szabó Zsolt (Viola da gamba) auf die „Hans Judenkünig-Landestournee”, die mit einem Konzert in der Klosterkirche in Schäßburg am 22. Juli begann und heute, Freitag, den 1. August, mit einem Konzert im Barockpalais in Temeswar zu Ende geht.
In Hermannstadt fand das Konzert am 25. Juli in der evangelischen Stadtpfarrkirche statt. Die vier Musiker waren in historische Kostüme gekleidet und spielten auf historischen Instrumenten. Der Initiator dieser von dem Verein Barockfestival Temeswar (Asociația Festivalul Baroc Timișoara) veranstalteten Tournee, Caius Hera, begrüßte die Anwesenden und führte durch den Abend. Hera erklärte, man sei bemüht, alte Musik möglichst stilgetreu zu interpretieren. Wer bei dem Konzert dabei war, konnte sich davon überzeugen.
Ungeklärt sei allerdings, wie die Sammlung nach Kronstadt gekommen ist. Es wird vermutet, dass der Reformator Johannes Honterus, der daselbst auch Musik unterrichtete, eines der von dem in Wien im Umkreis der dortigen Universität wirkenden Lautenspieler verfassten weitverbreiteten Lehrbücher für Laien zum Selbstunterricht im Lautenspiel nach Kronstadt gebracht habe.
Bewundernswert war die Interpretation der Gesangstücke durch die Erste Solistin der Temeswarer Nationaloper, Narcisa Brumar (Sopran). Auch die Solo-Einlagen des Lautenisten Caius Hera begeisterten. Es erklangen Werke von Joanambrosio Dalza (15. Jahrhundert), Georg Vogelhuber (ca. 1500-ca. 1544), Wolff Grefinger (ca. 1470-1515), Petrus Tritonius (1464-ca. 1525), Ludwig Senfl (ca. 1486-1543), Paul Hofmaier (1459-1537), Benedictus Ducis (ca. 1492-1544), Sixt Dietrich (1494-1548) und Pierre de la Rue (ca. 1452-1518). Auch Werke von anonymen Komponisten standen auf dem Programm.
Allein nach den Lebensläufen der Komponisten zu suchen wäre eine spannende Aufgabe. Bleiben wir aber bei dem Lautenisten, der diese Musik gesammelt hat und drucken ließ: Im Österreichischen Musiklexikon online (www.musiklexikon.ac.at) ist Folgendes zu Judenkünig zu lesen: Der ca. 1445/50 in Schwäbisch Gmünd geborene und 1526 in Wien verstorbene Lautenist und Komponist wurde 1518 „erstmals erwähnt als Mitglied der Fronleichnams-Bruderschaft an St. Stephan in Wien, da er im ‚Gundelhof‘ nahe St. Stephan wohnte, wo auch andere Musiker ansässig waren. Obwohl nicht zur Bürgerschaft im engeren Sinn gehörig, zeugt die Führung einer Art Wappen auf seinen von Hans Singryener gedruckten Lautenbüchern von Selbstbewusstsein und Anerkennung. Vielleicht stand er dem Humanistenkreis um Conrad Celtis nahe, wenigstens scheinen seine Intabulierungen von einigen Oden des P. Tritonius (Treybenreif) darauf zu deuten. Die Lautenbücher sollen sowohl der Lehre als auch Praxis des Lautenspiels (Lautenmusik, Lautentabulatur) dienen, das Repertoire ist auch in dieser Hinsicht als charakteristisch anzusehen; sie sind außerdem nicht nur die ersten ihrer Art und lassen das zunehmende Prestige des eigenen Musizierens in privaten Kreisen erkennen, sondern sind die ersten gedruckten Tabulaturen überhaupt und bezeugen gleichzeitig die Leistungsfähigkeit des noch jungen Notendrucks in Wien.”
Beatrice UNGAR