Der 6. Sonntag nach Trinitatis in Michelsberg am Silberbach
Ausgabe Nr. 2922

Das erste der in diesem Jahr insgesamt drei Konzerte der Reihe „Michelsberger Spaziergänge” war sehr gut besucht.
Foto: Michael HENNING
Trinitatis ist in seiner Bedeutung der Versuch, uns Menschen zu erklären, dass Gott der Schöpfer ist, der seine Welt und den Menschen liebt, der seinen Sohn Jesus Christus uns als Menschensohn schickte und der im Heiligen Geist unter uns weilt. Am Samstag den 26. Juli d. J. konnte man in Michelsberg spüren, dass die Kraft der Natur den Menschen in Michelsberg ihre Energie in Form eines gewaltigen Wolkenbruchs schickte, der den Silberbach, der durch den Ort normal ruhig und leise fließt, in rasendem Tempo zu einem reißenden Fluss mit Schlamm, Wasser und Geröll verwandelte.
Am darauffolgenden Sonntag, vor der evangelischen Kirche, konnte man an den lächelnden Gesichtern der Anlieger des Silberbachs erkennen: „puh, nochmal davon gekommen“, zwar kleine Schäden, diese aber beherrschbar. Bilder und Geschichten wurden ausgetauscht, man hatte gesehen: Die Dorfgemeinschaft funktioniert, jeder war bereit zu helfen, wenn die Not es erforderte. Eine gute Nachricht für die Menschen, die dann auch von Ortspfarrer László Zorán Kézdi und Oberkirchenrat i. R. Friedemann Oehme aus Görlitz/Sachsen, der sich auf einem dienstlichen Urlaub in Siebenbürgen befindet, im Gottesdienst aufgenommen wurde und in der sonntäglichen Predigt, die Pastor Oehme gehalten hat, wiedergegeben wurde.
Die Einheit der Christen, der gemeinsame Gott, der Glaube daran kann Berge versetzen und auch Schäden reparieren, wenn wir zusammenstehen. Die Predigt traf den Nagel auf den Kopf.

Der Silberbach trat am Samstag über die Ufer.
Foto: Gabriel TISCHER
Der 6. Sonntag nach Trinitatis war damit natürlich noch nicht zu Ende. Nach dem Gottesdienst hat es bei Kaffee und Kuchen noch sehr lebendige Gespräche gegeben, die meist mit der Frage endeten: Kommst Du heute zu den – zum wiederholten Mal stattfindenden – „Michelsberger Spaziergängen“? Eine ansprechende Konzertreihe, die an diesem Sonntag mit dem „Quadrivium Quartett“ aus Klausenburg stattfinden sollte. Die Frage, ob man wohl dabei ist, konnte nicht durchgehend mit JA beantwortet werden, hatte der Silberbach doch kleinere Spuren hier und da hinterlassen, die es zu beseitigen galt. Das hat aber dem Sonntagnachmittagskonzert keinen Abbruch getan, denn die Gäste sind nicht nur aus Michelsberg gekommen, sondern eben auch aus der näheren Umgebung. Als Liebhaber dieser sinnlichen Sonntagnachmittags-Veranstaltung konnte man sehen, dass viele Besucher (Klassikliebhaber) schon seit Jahren die anspruchsvolle Veranstaltung in der atmosphärischen Kirche in Michelsberg mit ihrem Besuch beehren. Das Konzert – es erklangen Werke von Felix Mendelssohn-Bartholdy und Ludwig van Beethoven – hat gehalten, was man sich davon versprochen hat und in der sehr gut besetzten Kirche konnte man rundum in zufriedene Gesichter blicken. Die Gemeinde Michelsberg hat es sich nicht nehmen lassen, wie auch nach dem Gottesdienst am Vormittag, die Anwesenden zu einer Tasse Kaffee, diesmal mit köstlichem Hanklich, einzuladen und die Gäste machten reichlich Gebrauch davon. Trotz leichtem Nieselregen verweilte man im Gemeindesaal – leider nicht im Pfarrgarten – und erzählte sich einige Anekdoten. Man konnte sehen und spüren, dass Gott seine Menschen und seine Welt liebt. Es sind die nicht immer sichtbaren Hände der Vielen in Michelsberg, die selbst ein so dramatisch daherkommendes Wochenende mit seinen Wetterunbilden am Samstag, fühlen lassen, dass Gott gegenwärtig und lebendig ist und den Mensch mit Optimismus und Vertrauen an das Gute weiter gehen lässt. Der nächste „Michelsberger Spaziergang“ findet am 3. August, dem 7. Sonntag nach Trinitatis, 17 Uhr in der Michelsberger evangelischen Kirche statt.
Lothar SCHELENZ