Das Sahnehäubchen von der Insel

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Das Hermannstädter Internationale Jazzfestival feierte seine 45. Auflage

 

Als Sahnehäubchen auf der Geburtstagstorte des 45. Hermannstädter Jazzfestivals erwies sich die Stimme Madagaskars", Monika Njava, und ihre Island Jazz"-Band. Doch den Publikumsliebling gab das Amos Hoffman Quartett (Israel) am Samstagabend. Beide Auftritte belohnte das Publikum im Thaliasaal mit reichlich Stehapplaus.

  45 Auflagen hat nun das Hermannstädter Internationale Jazzfestival auf die Bühne gebracht. In diesem Jahr fand es vom 19. bis 22. Oktober auf jener des Gong-Theaters für Kinder und Jugendliche  und vom 23. bis 25. Oktober auf jener im Thaliasaal statt.

Das Hermannstädter Internationale Jazzfestival, das der Festivalsdirektor Hilarius Konstantin Schmidt nach der Wende unter der Marke „Sibiu Jazz Festival" eingetragen hat, gehört zu den langlebigsten Festivals dieser Art. Was für die Kontinuität gesorgt hat, war der Anspruch auf beste Qualität und die geringe Kompromissbereitschaft der Veranstalter. Einigen hat das wohl manchmal etwas Kopfzerbrechen verursacht, doch die Ergebnisse lassen sich sehen, genauer gesagt hören. Das Wichtigste für jedes Festival, ein avisiertes Publikum, gibt es in Hermannstadt sehr wohl und dessen Ansprüchen zu genügen  gelang den Veranstaltern auch in diesem Jahr. Wenn auch einige erfahrene Festivalsbesucher, die schon bei der ersten Auflage dabeigewesen sind, offen sagten, es fen sagten, die verschiedenen Musiker und Gruppen hätten in diesem Jahr schätzungsweise 80 Prozent Jazz gespielt. Aber wie gesagt, es kommt auf die Qualität und nicht so sehr auf die Quantität an. Und die Qualität stimmte an allen Abenden. Wohl dosiert war das Programm zusammengestellt worden, es war fast jede Jazzrichtung vertreten. Das besondere in diesem Jahr war, dass alle Gruppen ein Projekt vorstellten, d. h. ihren Auftritt unter einen Titel stellten. So trat das Schweizer Trio „Vein" (die englische Bezeichnung für „Vene") mit „Jazz talks" zum Auftakt des eigentlichen Festivals am Donnerstagabend auf die Bühne des Gong-Theaters, wobei Schlagzeuger Florian Arbenz, der auch die meisten Stücke komponiert hat, als Lokalkolorit schon mal Kuhschellengeläute produzierte.

Das italienische Quartett des Bassisten Niccolo Faraci folgte mit einem temperamentvollen Auftritt, bei dem vor allem der Pianist Lorenzo Paesani mit flotten Passagen dem Publikum  begeisterten Applaus entlockte. Trotzdem schien es, als würden die Italiener sich auf der Bühne bloß für die an jedem Abend um 23 Uhr anschließende Jam Session im Music Pub aufwärmen.  Dort hätten sie und andere es auch richtig krachen lassen, war am Abend darauf zu erfahren.

An diesem Abend ging es im Thaliasaal zunächst „spanisch" zu. Das Dorantes Trio bot so genannten Flamenco Jazz unter dem Titel „Interaccion". Zu den lautmalerisch ausgefeilten und stimmungsvollen Passagen, die der vielfach preisgekrönte Pianist Dorantes auf dem Klavier hinlegte, einfühlsam begleitet von dem Schlagzeuger Javi Ruibal, gesellte sich die Flamenco-Tänzerin Leonor Leal Chamorro, die ein unglaubliches Gespür für Rhythmuswechsel und ein besonderes Können im Kleiderwechseln aufwies. Ein Blickfang und ein Ohrenschmaus in einem.

Eher harten aber urwüchsigen Jazz bot das Edi Jak Neumann Quartett (bei diesem Auftritt fehlte allerdings der Trompetist) mit einem „In Memoriam Ornette Coleman".

Der Samstagabend gehörte wie schon erwähnt dem Amos Hoffman Quartett aus Israel, das sein Projekt „Brown Sugar" nannte. Bei diesem Auftritt gab es auch erstmals – nach langem Stehapplaus – auch eine Zugabe. Amos Hoffman und seine Kollegen gewährten anschließend auch Autogramme auf eine CD und unterhielten sich angeregt mit dem Publikum. Bei den „Soneros de Verdad" genannten kubanischen Musikern, die sich als Nachfolger von Buena Vista Social Club betrachten, kam nicht wie gewöhnlich Stimmung auf. Schade.

Das zum Auftakt des Konzerts am Samstag außerhalb des Festivals von vier jungen Musikern – zwei aus Rumänien, der Pianist Sebastian Spanache und der Saxophonist Alexandru Arcuș, und zwei aus Jordanien, der Gitarrist Atef Malhas und der Schlagzeuger Bashar Khries – vorgestellte Projekt hielt das Publikum eher in Atem. Das von der EU unterstützte Projekt wird in Partnerschaft mit EUNIC Jordan und dem Amman Jazz Festival durchgeführt und dient der Völkerverständigung durch die Musik. Das Zusammenspiel der vier Musiker überzeugte und man kann ihnen nur viel Erfolg bei ihrem Auftritt 2016 in Amman wünschen.

Der Temeswarer Pianist Sebastian Spanache und sein Trio – dazu gehören der Bassist Csaba Sánta und der Drummer Radu Pieloiu – eröffnenten mit einem Ausnahmekonzert den letzten Abend. Das Sahnehäubchen setzte dann die Band „Island Jazz" (zu Deutsch: Insel Jazz) um die beeindruckende und streitbare „Stimme Madagaskars", Monika Njawa, auf die „Torte" der Jubiläumsauflage des „Sibiu Jazz Festivals.

Beatrice UNGAR

 

Foto 1: Amos Hoffman (Oud).

Foto 2: Monika Njawa und der einfühlsame Gitarrist Joël Rabesolo im Duett.

Fotos: Fred NUSS