Als täglich Postreiter verkehrten

Post, Telegraph, Telefon in Hermannstadt (I) / Von Manfred WITTSTOCK

Ausgabe Nr. 2949

Das ursprüngliche Bielzische Haus in der Heltauergasse (4. v. r.), vor seinem völligen Umbau während den Jahren 1904-1906, war nur einstöckig und gleichhoch wie die Nebengebäude, hatte eine ebene Fassade mit sechs Fenstern zur Straße sowie zwei Gauben am Dach.

Abgesehen von den politischen Verhältnissen: Es hätte unsere Selbstvernichtung bedeutet, hätten wir im 18. Jahrhundert den Habsburgern, die uns katholisch oder im 19. Jahrhundert den Ungarn, die uns madjarisch machen wollten, nachgegeben. So konnten wir nicht nur unsere Sprache und unseren Glauben behalten, sondern auch am allgemeinen Fortschritt teilnehmen.

Da wurde schon im Jahre 1754 zwischen der Reichshauptstadt Wien und der Provinzhauptstadt Hermannstadt ein regelmäßiger Linienverkehr der Post eingeführt. Zwischen beiden Ortschaften verkehrte monatlich über Temeswar je ein Postwagen mit Passagieren und deren Gepäck sowie mit Wertsachen, außerdem täglich Postreiter mit SchriftstückenWeiterlesen

Tradition in feinen Fäden

Ein Märzchen in Wien erzählt

Ausgabe Nr. 2949

Ich bin ein Märzchen aus Wien – klein, doch voller Geschichten. Meine zwei Fäden, rot und weiß, wurden einst geflochten, um den Dialog der Jahreszeiten zu bewahren: Wärme und Kälte, Abschied und Neubeginn, Ruhe und Erwachen. Seit Jahrhunderten reise ich durch Rumänien und Südosteuropa, ein stiller Bote für Gesundheit, Wohlstand und guten Willen zum Beginn des landwirtschaftlichen Jahres. Als mein Brauch 2017 als immaterielles Kulturerbe von der UNESCO gewürdigt wurde, fühlte ich mich gesehen – doch mein wahres Leben beginnt immer dort, wo ich verschenkt werde.Weiterlesen

Gemälde von Reinhardt Schuster in Hermannstadt

Ausgabe Nr. 2949

Vom 20. März bis 26. Mai wird im Terrassensaal des „Friedrich Teutsch” Begegnungs- und Kulturzentrums in Hermannstadt die Ausstellung „Memento” mit Werken des siebenbürgischen Künstlers Reinhardt Schuster (geboren 1936 in Brenndorf) präsentiert. Entstanden in den letzten vier Jahrzehnten, erinnern die Bilder an verschiedene Ereignisse, die in diesem Zeitraum stattfanden. In einem ihm eigenen Stil „wollen Reinhardt Schusters Leinwände Zustandserscheinungen von Welt und Leben, gefiltert durch das Wesen des Malers sein” (Irmgard Sedler). Die Vernissage findet am 20. März, 12 Uhr, statt. Die Einführung hält Dr. Irmgard Sedler, Vorsitzende des Trägervereins Siebenbürgisches Museum Gundelsheim e. V.. Partner der Ausstellung ist das Siebenbürgische Museum Gundelsheim, unterstützt wird sie von der „Dorfgemeinschaft der Brenndörfer” (HOG Brenndorf), dem Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen und der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien. Unser Bild: Reinhardt Schuster: Verriegelter Eingang, 1991.

Revolution im Fokus

Rumänien beim Europäischen Filmfestival Wien

Ausgabe Nr. 2949

Filmszene mit dem Hauptdarsteller Adrian Văncică (mit Pistole).
Foto: Transilvania Film

Im Herzen von Wien wurde das Europäische Filmfestival Wien vom 19. bis 26. Februar traditionell zum cineastischen Schaufenster Europas – ein Ort, an dem Film nicht nur unterhält, sondern politische Wirklichkeit spürbar macht. Die diesjährige Ausgabe startete mit besonderer Wucht: Die Eröffnung im Stadtkino Wien gehörte einer rumänischen Produktion, die Vergangenheit und Gegenwart in elektrisierender Intensität verschränkt.Weiterlesen

Positive Bilderflut

Ein besonderer Ausstellungskatalog: PANORAMA TRANSILVANIA 2005-2025

Ausgabe Nr. 2949

Stefan Jammer: PANORAMA TRANSILVANIA. 2005-2025. Text: Heidrun König, Honterus Verlag Hermannstadt, 2025, 262 Seiten, ISBN 978-606-008-210-1. Gedruckt mit der finanziellen Unterstützung des Departements für Interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der Rumänischen Regierung durch das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien und das Demokratische Forum der Deutschen in Siebenbürgen. Alle Fotos aus dem Buch sowie Informationen zum historischen Hintergrund sind auf der Webseite https://transilvania.stefan jammer.de/index_de.html abrufbar.

Siebenbürgen ist reich an Geschichte, Architektur und kultureller Vielfalt. Und ebenso reich an Bildern. Der Bildband zur letztjährigen Ausstellung im Teutsch-Haus bündelt Fotografien aus mehr als zwei Jahrzehnten und verbindet sie mit historischen Einordnungen zu einer visuellen Reise durch unsere Region.

Der deutsche Medienphilosoph Norbert Bolz beschreibt die „Bilderflut“ als strukturelle Überproduktion und allgegenwärtige Präsenz von Bildern in der modernen Medienkommunikation. Gerade in einer Zeit, in der digitale Technologien und künstliche Intelligenz die Produktion visueller Inhalte immer weiter beschleunigen, erscheint dieser Begriff aktueller denn je. In der Kommunikationswissenschaft wird häufig darauf hingewiesen, dass die stetig wachsende Menge an Bildern zu einer verkürzten Wahrnehmung führen kann und Texte zunehmend von Bildern verdrängt werden. Kontextualisierung rückt damit in den Hintergrund.Weiterlesen

Kreisrat tagte am Flughafen

Ausgabe Nr. 2949

Erwartungsgemäß gab es einen Schlagabtausch bei der in der VIP-Lounge auf dem Hermannstädter Internationalen Flughafen anberaumten Tagung des Kreisrats am 26. Februar. Der frühere Flughafenkommandant und derzeitige Kreisrat Augustin Sava kritisierte die neue Leitung des Flughafens und die Leitung des Kreisrats aufs Heftigste. Die Kreisratsvorsitzende wies alle Beschuldigungen ab. Im Anschluss an die Tagung gab es eine Besichtigung für alle interessierten Kreisräte. Unser Bild (v. k. n. r.): der stellvertretende Kreisratsvorsitzende Vlad Vasiu, die Kreisratsvorsitzende Daniela Cîmpean, der Generalsekretär des Kreisrats Ioan Radu Raceu, der Generaldirektor des Flughafens, Marius Ioan Gîrdea.

Nachrichten

Ausgabe Nr. 2949

Osterangebote des Hermannstädter Forums

Hermannstadt. – Der traditionelle Osterbasar des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt und der Handarbeitskreise findet am Samstag, dem 21. März, von 10 bis 14 Uhr im Forumshaus statt. Der Erlös geht u. a. an die sozialen Einrichtungen der Evangelischen Kirche. „Handgefertigte Osterdekorationen, kunstvolle Handarbeiten, süße Köstlichkeiten und viele besondere Geschenkideen für das bevorstehende Osterfest” werden laut Veranstaltern hier angeboten.

Ebenfalls im Spiegelsaal des DFDH werden zwei Workshops für Osterbräuche angeboten. Ein Workshop für Eierfärben mit Naturfarben, geleitet von Iulia Teodorescu, Restauratorin im ASTRA-Museum findet am Dienstag, dem 24. März, 17 Uhr statt. Ein Workshop für Eierverzieren (Atelier de încondeiat ouă), geleitet von Andrei Buda, Spiezialist für traditionelle Kunst, findet am Freitag, dem 27. März, ebenfalls 17 Uhr statt. Die Teilnahme an den Workshops ist nur mit vorheriger Anmeldung über Link https://forms.gle/6imzbANPQPiu3WgM7 oder telefonisch beim Sekretariat des DFDH unter 0722-29.38.50 möglich. Die Veranstaltungen sind für Personen ab 8 Jahren geeignet, pro Workshop stehen maximal 15 Plätze zur Verfügung. (RS)Weiterlesen

Die HZ hatte Geburtstag

Ausgabe Nr. 2948

Die erste Ausgabe der neuen Hermannstädter Zeitung ist am 25. Februar 1968 erschienen. Das war an einem Sonntag. Seither erscheint die Wochenzeitung jeden Freitag in Hermannstadt und ist inzwischen auch im Internet zu lesen, auf Instagram und auf Facebook. Mittwoch feierte das HZ-Team in kleinem Kreis diesen Geburtstag der Zeitung, auch wenn es kein runder Geburtstag war. Die Tatsache, dass die HZ immer noch gedruckt werden kann, ist wert, gefeiert zu werden, Jahr für Jahr. Nun zu der eingangs als neue HZ bezeichnete Ausgabe vom 25. Februar 1968: Eine erste Zeitung mit dem Namen Hermannstädter Zeitung ist am 3. Januar 1861 erschienen, ab 1863 erschien sie „vereint mit dem Siebenbürger Boten” und wurde dann 1907 eingestellt.          

Foto: Cynthia PINTER

Die Märzchen sind erschienen

Ausgabe Nr. 2948

In der Heltauergasse/Nicolae Bălcescu in Hermannstadt stellten die Märzchenverkäufer schon am Mittwoch, dem 25. Februar, ihre Ware auf. So auch die Hermannstädterin Anca Fălămaș (unser Bild), die schon seit 2010 lustige Märzchen aus Keramik selber erzeugt und bemalt. Bei ihr kostet ein Märzchen zwischen 10 und 20 Lei, sie bietet jedoch auch handbemalte Kärtchen und Ohrringe aus Keramik an.

Foto: Cynthia PINTER

Ihre Stimme ist größer als ihr Körper

Mireille Mathieu feierte 60 Bühnenjahre in Bukarest

Ausgabe Nr. 2948

Mit der gleichen Energie und Frische wie immer blühte Mireille Mathieu so richtig auf bei ihrem zweiten Konzert in Rumänien, am 22. Februar in der Sala Palatului in Bukarest.                                           Foto: andreipartos.ro

Seit Jahrzehnten hatten es alle sehnlichst erwartet. Kein Wunder, dass sich so viele auf den Weg gemacht hatten, trotz Eis und Schnee und fortgeschrittenem Alter. Sie kamen aus allen Ecken und Enden zur Bukarester Sala Palatului, die sie unwirsch und unvorbereitet empfing, obwohl ausverkauft. Dabei hätte wohl der Preis einer Karte im VIP-Bereich ausgereicht, um den Platz vor dem Konzertsaal räumen zu lassen! 60 Bühnenjahre, zu diesem Anlass trat am 22. Februar 2026 der Spatz von Avignon wie man Mireille Mathieu gern nannte zum zweiten Mal in Rumänien auf. Und machte Furore!Weiterlesen

Gurkensuppe als Auftakt

Lesung mit Peter Biro im Erasmus-Büchercafé

Ausgabe Nr. 2948

Peter Biro (links) und Ruxandra Stănescu bei der Lesung im Erasmus-Büchercafé.                                                                               Foto: Eduard RESCHKE

Mit einem Rezept begann der Literaturabend im Erasmus-Büchercafé am 21. Februar d. J., um 17 Uhr. Peter Biro eröffnete seine Lesung mit Texten aus „Tarator – 158 Variationen einer kalten Gurkensuppe“ und machte damit deutlich, dass es ihm weniger um Kulinarik als vielmehr um Sprache geht. Ein schlichtes Gericht dient ihm als Ausgangspunkt für gedankliche Experimente: Das Rezept wird aus unterschiedlichen ideologischen, gesellschaftlichen und kulturgeschichtlichen Blickwinkeln neu formuliert. Der Inhalt bleibt, doch der Ton verändert sich – mal klingt er pathetisch, mal wie eine theoretische Abhandlung. Gerade diese Verschiebungen prägen den Charakter des Buches. Eine kalte Gurkensuppe als Auftakt war somit Programm. Weiterlesen