,,Ich lebe zwischen zwei Welten“

Gespräch mit dem gebürtigen Agnethler Unternehmer Dietmar Stirner

Ausgabe Nr. 2801

Dietmar Stirner.                                Foto: Privat

„Seit unserer Gründung am 1. November 2010 sind wir ein absolut zuverlässiger Partner im Bereich Bauleitung, Stuckateur- und Malerhandwerk” erklärte der Inhaber des deutschen Unternehmens Heiße Fassaden – Scharfe Farben Dietmar Stirner, der am 1. Juni 2021 in Agnetheln die Firma ARTcoloreröffnet hat. Ein Jahr später kam ebenfalls in Agnetheln eine zweite Firma dazu, ARTreno. Über seine Tätigkeit in Rumänien und Deutschland sprach Dietmar Stirner mit HZ-Redakteurin Ruxandra S t ă n e s c u.

Sagen Sie mir bitte ein paar Takte zu ihrer Person.

Ich bin 1975 in Agnetheln geboren und bin 1990 mit meiner Familie nach Deutschland ausgewandert. Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Ich lebe praktisch zwischen zwei Welten, eine Woche bis zu zehn Tage im Monat bin ich in Rumänien, den Rest der Zeit in Deutschland. Den Stuckateurbetrieb in Deutschland Heiße Fassaden – Scharfe Farben haben wir vor zwölf Jahren gegründet. Ich habe seit meinem 15. Lebensjahr den Beruf gelernt, dann in mehreren Betrieben gearbeitet, bis ich mich selbstständig gemacht habe.

Warum haben Sie auch in Rumänien die Firmen eröffnet?

Das war anfangs echt eine Schnapsidee. Ich habe den Hof von meinem Opa zurückgekauft. Das Anwesen war in einem sehr schlechten Zustand. Wir wollten dort eigentlich eine Pension gründen. Aus dieser Pension ist dann ein Baustoffhandel und ein Stuckateurbetrieb geworden. Wir haben dieses private Label ARTcolor entwickelt und dann kam der Stuckateurbetrieb ARTreno dazu. In Rumänien haben wir zur Zeit acht fest Angestellte. Durch ARTcolor importieren wir Produkte aus Deutschland, ARTreno ist unser Betrieb, durch welchen wir hier in Rumänien alte Gebäude fachgerecht sanieren. In Deutschland haben wir einen Stuckateur- und Malerbetrieb. Das sind alles eigenständige Unternehmen.

Welche sind die Aktivitäten der beiden Unternehmen?

Wir kümmern uns grundsätzlich um alles, was mit denkmalgeschützten alten siebenbürgisch-sächsischen  Gebäuden zu tun hat, aber nicht nur damit. Wir sanieren fachgerecht den Außen- und Innenputz. Schwerpunkt sind natürlich die Stuckatur- und Mal-arbeiten. Dabei kommt das ganze Material aus Deutschland, aber auch unsere Maschinen und Gerüste kommen aus Deutschland. Das unterscheidet uns von anderen Firmen, unser sehr hochwertiges Material.

Haben Sie Anfragen?

Ja, sehr viele, größtenteils von  Siebenbürger Sachsen.

Der Firmensitz in der Str. Avram Iancu/Weihergasse/Bahngasse/Str. Garii/Str. Rujii (um 1920).

Was erwarten ihre Kunden von Ihnen?

Viele Kunden leben in Deutschland und haben noch eigene Häuser hier in Siebenbürgen, die sie sanieren wollen. Sie suchen dafür eine Firma, der sie vertrauen können und wir haben ihr Vertrauen, vielleicht auch, weil ich ein Siebenbürger Sachse bin. Wir arbeiten sehr zuverlässig und informieren unsere Kunden wöchentlich per Mail, was in der Woche gemacht wurde und was wir für die nächste Woche planen. Wir haben in Deutschland schon einen Kundenstamm und wir bekommen in den letzten Jahren dadurch viel Vertrauen. Das müssen wir hier in Rumänien noch aufbauen, aber die Zuverlässigkeit macht schon fast alles aus. Irgendwann kommt die Qualität dazu, aber das muss man noch nachweisen.

War es schwierig, Mitarbeiter in Rumänien zu finden?

Eigentlich nicht. Unsere Mitarbeiter sind sehr zuverlässig, kommen alle aus Agnetheln und Umgebung. Wir haben sie vor der Coronazeit in Deutschland geschult – dann war es leider nicht mehr möglich, aber wir haben sie Vorort weiter geschult. Inzwischen haben wir auch sehr viele Bewerbungen. Es hat sich rumgesprochen, dass wir sehr hohe Gehälter bezahlen, höher als in Hermannstadt und Klausenburg. Dazu bieten wir gute Arbeitsbedingungen verlangen aber auch Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Loyalität.

Welche war die größte Herausforderung hier in Rumänien?

Die größte Herausforderung für mich ist die Mentalität der Leute. Ich bin zwar in Rumänien geboren, aber ich habe keine Ausbildung hier gemacht und auch nie hier gearbeitet. In Deutschland ist die Einstellung ganz anders und ich komme hier manchmal an meine Grenzen.

Können Sie mir ein Beispiel nennen?

Es wird schon werden… Wir kriegen das hin… Die Menschen hier können sich nicht organisieren und das ist, meiner Meinung nach, der größte Schwachpunkt der Gesellschaft und deswegen sind wir dort, wo wir sind. Aber ansonsten habe ich es mir schwieriger vorgestellt. Wir haben auch sehr schnell sehr viele Kunden gehabt, die Auftragslage ist gut. Agnetheln liegt auch sehr gut, zentral, und wir kommen leicht nach Schäßburg, Mediasch, Hermannstadt und in die Dörfer rundherum. In Hermannstadt haben wir übrigens unseren ersten Auftrag erhalten, eine Fassade in der Mühlgasse/Şaguna.

Bei ARTreno arbeiten Sie ausschließlich mit ihren eigenen Materialien?

Ja, denn wir kennen die sehr gute Qualität der Produkte. Außerdem kennen unsere Mitarbeiter diese Materialien sehr gut, können damit richtig umgehen, damit haben wir sie auch geschult. Das sind alles Materialien, die wir unter unserem eigegen Label ARTcolor verkaufen.

Kann man diese Materialien auch anderswo als in Agnetheln kaufen?

Unsere Produkte sind ab dem 15. Januar auch in Mediasch, bei der Firma Deocon. Wir suchen in jeder größeren Stadt Partner, in Hermannstadt sind wir bereits am Verhandeln.

Baut man mehr in Deutschland oder in Rumänien?

Gefühlt ist der Bauboom in Rumänien größer, es wird mehr und schneller gebaut, dafür ist die Qualität viel schlechter. Was hier als bezugsfähig betrachtet wird, bezeichnen wir in Deutschland noch als Großbaustelle.

Ein Problem ist auch, dass es an Geld fehlt, um denkmalgeschützte Gebäude zu sanieren, die zum Beispiel der Kirche gehören. Leider werden diese auch nicht verkauft, damit die neuen Besitzer sie renovieren können und so verfallen sie zum Großteil, was ich sehr traurig finde.

Was diese Neubau-Geschichte, die Wohnblocks anbetrifft, das ist nicht unser Spektrum. Wir sind zu klein und wir wollen da auch nicht mitmachen, wo es nur um Masse und Schnelligkeit geht.

Stellen Sie zum Teil die Materialien selber her, zum Beispiel den Putz?

Ich bin der Meinung, dass man fach- und denkmalgerecht sanieren kann mit Materialien, die auf dem heutigen Stand der Technik hergestellt werden. Die Materialien kommen alle vorbereitet und diese bieten wir an. Die sind alle für den Denkmalschutz zugelassen und man hat dafür eine langfristige Sicherheit.

Die Zulassung ist für Rumänien oder für Deutschland?

Für Rumänien, da ist das Denkmalgeschützte mehr wert, in Deutschland ist man kulanter.

Viel Erfolg und herzlichen Dank.

Veröffentlicht in Beruf, Aktuelle Ausgabe.