,,Die Weißweine von Tekendorf sind die köstlichsten”

Zu Besuch bei Familie Zaig in Tekendorf/Teaca

Ausgabe Nr. 2801

Eckehardt Zaig Junior und Eckehardt Zaig Senior vor dem Eingang zu ihrem Weinhaus in Tekendorf. Foto: Werner FINK

Wenn man den Hang vor Tekendorf hinunterfährt ist am Straßenrand ein Schild mit dem Namen ,,Zaig” zu lesen, dahinter ist eine mit Wein bebaute Fläche zu sehen.  Eckehardt Zaig Junior, einer der wenigen im Dorf verbliebenen Siebenbürger Sachsen, nahm die Existenz eines historischen Weinberges im Familienbesitz zum Anlass, 2013 mittels europäischer Fördergelder einen Neuanfang zu wagen und eine alte siebenbürgisch-sächsische Tradition mit moderner Technologie zu verbinden. Schließlich soll bereits der Gelehrte Johannes Tröster in seinem 1666 in Nürnberg erschienenen Buch ,,Das Alt und neu Teutsche Dacia“ erwähnt haben: ,,Die Weißweine von Tekendorf sind die köstlichsten, die ich je getrunken hatte.“

Eckehardt Zaig Junior hatte sich eigentlich vorgenommen, nie im Weinbau zu arbeiten. Als Kind musste er in den Sommerferien im Weingarten arbeiten, während andere Kinder Fußball gespielt haben. Ab 2005, 2006 wuchs sein Interesse für Weine immer mehr. Und 2012 wurde der Entschluss gefasst.

,,Weingärten hatten wir schon immer und im Weinbau waren wir schon immer tätig, aber so richtig dann als Geschäft haben wir das 2013 begonnen. Wir haben die Weingärten mit europäischen Fördermitteln ausgebaut. Das war natürlich so der Moment wo ich gesagt habe: Let’s do it”. In einer ersten Etappe wurden sieben Hektar ausgebaut, in einer zweiten Etappe vier Hektar. Angeschafft wurden Niro-Tanks, ein Kühlungssystem, Filter, eine neue Presse, ein neuer Rebler, eine Abfüllanlage, eine Etikettierungsanlage.

Tekendorf/Teaca liegt im Anbaugebiet Lechința/Lechnitz, an einer breit ausgebauten Verbindungsstraße, die von Siebenbürgen in die Bukowina führt. Wer hier vorbeifährt, sollte im Weinhaus ZAIG (unübersehbar ausgeschildert) eine kurze Pause einlegen und die Weine probieren.Foto: Werner FINK

Dazu Zaig Junior: ,,Die etwa 100 Jahre alten Weingärten (2 Hektar) besitzt man auch heute noch. So entstehen Weine aus dem alten Weingarten, wo es Mädchentraube, ein bisschen Königsast, Neuburger, Traminer oder Muskateller gibt. In dem neuen Weingarten gibt es nun Sauvignon Blanc, Muskat Ottonel, Pinot Noir, Muskateller, Schwarze Mädchentraube, Neuburger. Momentan haben wir eine Kapazität von ungefähr 80.000 Liter pro Jahr. Ein weiteres Ziel ist in den nächsten zwei-drei Jahren noch ungefähr 20 auszubauen“.

Mittlerweile werden acht festangestellte Mitarbeiter beschäftigt. Außerdem werden während den landwirtschaftlichen Arbeiten auch Tagelöhner eingesetzt. Manchmal machen auch bis zu 20-30 Leute mit. ,,Der Sprung vom Weinmachen für den eigenen Bedarf zu richtigen Qualitätsweinen für den Markt ist schon ziemlich groß”, meinte Zaig. ,,Ich hatte natürlich Freunde aus Österreich, Deutschland und Rumänien, die geholfen  haben. Ich habe selbstverständlich auch viel gelesen und hier Praktikum gemacht und viel selber gelernt.”

Selbstverständlich gibt es Herausforderungen. ,,Ich sehe momentan den Verkauf als das Schwierigste. Wir sind ab 2020 erst richtig aktiv auf dem Markt mit abgefülltem Wein, aber dann ging’s los mit der Pandemie. Wir haben komplett den falschen Moment erwischt.” So ist ein weiteres Ziel, die Vermarktung zu verbessern. U. a. möchte man versuchen, den Wein auch in Deutschland, Irland und Polen zu vermarkten.

Zaig studierte Betriebswirtschaft in Klausenburg und ist Geschäftsführer einer Firma aus der Straßenbau- und Steinbruchbranche.

Eckehardt Zaig Junior im Gespräch mit einem Mitarbeiter in der Produktionshalle.Foto: Werner FINK

,,Ich kann mich gut erinnern an die Zeit nach dem Krieg, bis der Staat, also die LPG, uns nicht alles genommen hat, haben wir noch im Weingarten gearbeitet mit der Hacke.  Meine Tante Susanna Breckner war sehr streng diesbezüglich. Wir mussten hart arbeiten”, erinnerte sich seinerseits Zaigs Vater, ebenfalls Eckehardt Zaig, ehemaliger Deutschlehrer, ehemaliger Bürgermeister von Tekendorf, ehemaliger Vorsitzender des Forums der Deutschen in Bistritz und ehemaliger Mitarbeiter des Roten Kreuzes in Bistritz. ,,Das war Tradition in Tekendorf, auf fast allen Hügeln wurde Wein angebaut.”

In dem Haus, wo sie gegenwärtig wohnen, wurde nämlich in der Zwischenkriegszeit eine Gaststätte betrieben. Und der Tekendorfer Wein war sehr bekannt. ,,Meine Tante hatte mir erklärt, viele Leute kamen aus Ungarn, Österreich um den Wein aus Tekendorf zu kosten, der war sehr berühmt”, sagte Zaig Senior.

Im Zweiten Weltkrieg verlor er den Vater, der eigentlich nicht in die deutsche Wehrmacht einziehen wollte. Nachdem jemand ,,Landesverräter” ans Tor geschrieben hatte, wurde er als Panzergrenadier zur deutschen Armee genommen und ist in der Normandie gefallen. Zaig Senior findet es schade, dass auch heutzutage Kriege geführt werden.

Fast alle Sachsen von hier sind weg nach Österreich, nur wenige sind wie auch die Mitglieder der Familie Zaig zurückgekommen.

,,Ich konnte einfach das Dorf nicht verlassen, weil meine Wurzeln so tief hier eingebaut in dieser Umgebung waren, in diesem Dorf, dass ich einfach nicht weggehen konnte”, meinte Zaig Senior. Er kennt in Tekendorf jede Straße, jedes Haus, erinnert sich, wo jeder gewohnt hat.  Er findet es schade, dass während  der Ceaușescu-Diktatur die schönen Häuser abgerissen und Blocks gebaut wurden.

Er unterrichtete Deutsch als Fremdsprache, wobei viele seiner ehemaligen Schüler ihrerseits Deutschlehrer wurden. 1990 wollte niemand das Amt des Bürgermeisters übernehmen und so übernahm er diesen Posten, den er dann 14 Jahre lang innehatte. Es wurden Beziehungen zu Menschen in Österreich und Deutschland gepflegt. ,,Sie haben sehr viel geholfen”, meinte Zaig Senior. ,,Zusammen mit den Österreichern haben wir ein Krankenhaus gebaut. Durch die Menschen aus Deutschland haben wir so viele Hilfsgüter bekommen, dass ich nicht nur hier verteilt habe, sondern auch anderswo in Siebenbürgen, sogar in in der Moldau war ich, wo Brände waren oder wo es verschiedene Probleme gab.”

In einer Zeit, wo noch keine europäischen Fördergelder zur Verfügung standen,  ist es ihm gelungen, durch gute Verbindungen zum Kreisrat, in Tekendorf Wasser und Gas einzuführen. Außerdem ist es ihm gelungen, parteilos zu bleiben.

Infolge einer Klage betreffend die Hilfsgüter, von denen er sich bereichert hätte, kam die Antikorruptionsbehörde-Kontrolle aus Bukarest, genau in der Zeit,  wo die Vorbereitungen liefen für die Wahl. Gefunden wurde nichts. Allerdings wurde er nicht mehr zum Bürgermeister gewählt, was daheim aber eher positiv eingestuft wurde, da er so mehr Zeit zuhause verbringen konnte.

Über einen Besucher aus Kanada war es gelungen, eine bedeutende  Summe für die Reparatur des Daches der evangelischen Kirche zu bekommen. Zaig Senior bedauert allerdings, dass zur weiteren Instandsetzung der Kirche nichts mehr bewegt werden konnte.

Werner FINK

 

Casa de vinuri Zaig

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Postanschrift: Loc. Teaca, Nr. 93, Jud. Bistrița-Năsăud

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Gastronomie.