Sammelleidenschaft in die Wiege gelegt

Umfassende Dokumentation der Sammlung Dr. Jürgen Fischer liegt jetzt vor

Ausgabe Nr. 2795

Tulpenpokal für den Zaren „Peter der Große“, Hermannstadt, Sebastian Hann, um 1688

Der Heilbronner Auktionator Dr. Jürgen Fischer hat aus Anlass seines 80. Geburtstages am 20. Oktober 2022 seine private Sammlung siebenbürgischer Silberarbeiten und  siebenbürgischen Schmucks veröffentlicht. Der aus Hermannstadt in Siebenbürgen stammende Sammler hat seit den 1980-er Jahren Silber gesammelt.

In der Sammlung befinden sich so außergewöhnliche Stücke wie ein Humpen aus dem Jahr 1680, welcher aus der Sammlung seines Urgroßvaters Hugo Lüdecke stammt, sowie ein Pokal,  welcher der bekannteste Hermannstädter Silberschmied Sebastian Hann (1644-1713) 1697 für den Zaren Peter der Große gefertigt hat.

 Die Titelseite des Katalogs ,,Siebenbürgischer Schmuck. XVI.-XIX. Jahrhundert“ schmückt ein Marienheftel (Hermannstadt, um 1550).

Der zweibändige Katalog dokumentiert in Text und Bild die 187 wertvollen Stücke seiner privaten Sammlung, die es mit einschlägigen Museen jederzeit aufnehmen kann.

Die Sammelleidenschaft wurde Dr. Jürgen Fischer geradezu in die Wiege gelegt. Sein Urgroßvater, der Hermannstädter Juwelier Hugo Lüdecke, war nicht nur ein begabter Goldschmied, sondern auch ein bedeutender Sammler siebenbürgischer Goldschmiedekunst und Lieferant unter anderem für die Rothschilds.

Deckelhumpen „Semriger Kanne I“, Hermannstadt, Meister Sebastian Hann, um 1680, aus der Sammlung des Urgroßvaters Juwelier Hugo Lüdecke aus Hermannstadt;

Von frühester Jugend an begeisterte Jürgen Fischer das Schaffen im siebenbürgischen Kunsthandwerk, die Ästhetik, Formgebung und Verarbeitung von Edelmetallen. Das handwerkliche und künstlerische Schaffen der Schöpfer großartiger Werke edlen Schmucks, kostbarer Tafelaufsätze, Platten und Becher, kunstvoller Beschläge, reich verzierter Gegenstände für rituelle und religiöse Zeremonien fesseln den Sammler bis heute.

Die private Sammelleidenschaft, in die Jürgen Fischer über die Jahrzehnte viel Herzblut und Leidenschaft gesteckt hat, verband sich mit dem geschäftlichen Schwerpunkt des Heilbronner Auktionshauses Dr. Fischer,  das für die professionelle Betreuung großer und bedeutender privater Sammlungen einen Namen hat, seitdem das Auktionshaus im Jahr 1976 in Heilbronn seinen Anfang nahm.

Die Titelseite des Katalogs ,,Siebenbürgische Goldschmiedearbeiten. XV.-XIX. Jahrhundert“ schmückt das ,,Mühlenspiel (Trinkspiel)“, Hermannstadt, Meister Jakob Schliesser, 1650, verwandelt Wasser zu Wein;

Bald steht die 300. Auktion des Hauses Dr. Fischer an, das inzwischen von seiner Tochter Monia Becker geführt wird.

Die fachliche Dokumentation der Sammlung ist der Kunsthistorikerin Dr. Daniela Dâmboiu vom Brukenthalmuseum in Hermannstadt zu verdanken.

Erstmals dokumentieren die Kataloge auch alle bisher bekannten Punzierungen (Meistermarken) der Siebenbürger Gold- und Silberschmiede.

Die beiden Kataloge sind damit ein wichtiges Nachschlagewerk für Sammler und Museen: „Die große Anzahl und Vielfalt der Arbeiten ermöglicht es, die stilistische Entwicklung der siebenbürgischen Goldschmiedearbeiten von der Gotik bis hin zum Biedermeier  zu untersuchen“, urteilt die Expertin.                                  F. S.

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Allgemein.