,,Eine fantastische Person voller Ideen“

MP und FCER-Vorsitzender Silviu Vexler empfing die Honterus-Medaille

Ausgabe Nr. 2795

Gruppenbild mit dem Geehrten (v. l. n. r.): Gabriel Tischer, Vorsitzender des DFDH, S. E. Botschafter Reuven Azar, Tiberiu Baruch, S. E. Botschafter Peer Gebauer, MP Silviu Vexler, Martin Bottesch, MP Ovidiu Ganț, Benjamin Józsa, Geschäftsführer des DFDR (2. Reihe), Dr. Paul-Jürgen Porr, Vorsitzender des DFDR, Oberrabbiner Rafael Shaffer, Bischof Reinhart Guib.                                                                    Foto: Max SHUZ

Mit der Honterusmedaille des Demokratischen Forums der Deutschen in Siebenbürgen (DFDS) und der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien (EKR) geehrt wurde im Rahmen einer Feierstunde im Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt (DFDH) am Donnerstag der Vorwoche Silviu Vexler, Abgeordneter im Rumänischen Parlament und Vorsitzender der Föderation der jüdischen Gemeinschaften in Rumänien (FCER).

Zum Auftakt brachte das Musikerehepaar Monica Florescu (Klavier) und Makcim Fernandez Samodaiev (Cello) ,,Kol Nidrei“ von Max Bruch zu Gehör. Sodann begrüßte Martin Bottesch, Vorsitzender des Siebenbürgenforums, alle Anwesenden und erläuterte kurz, wer Johannes Honterus war und wem die dessen Namen tragende Medaille verliehen wird. So erfuhren die Gäste, dass mit der Honterus-Medaille seit 1999 das Siebenbürgenforum und seit 2014 dieses gemeinsam mit der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien Persönlichkeiten auszeichnet, die sich allgemeine Verdienste zur Stärkung und den Erhalt der deutschen Minderheit in Siebenbürgen erworben haben. Die meisten bisher Geehrten waren Deutsche aus Rumänien, es wurden aber auch Persönlichkeiten aus anderen Ethnien und anderen Ländern, z. B. aus Deutschland und Österreich geehrt. Dabei habe es sich um Künstler, Politiker, Wissenschaftler, aber auch um ,,einfache Menschen“ gehandelt, die sich in den Dienst der Gemeinschaft gestellt haben.

Der Botschafter Israels in Bukarest, Reuven Azar, stellte erfreut fest, dass mit Silviu Vexler einer seiner guten Freunde ausgezeichnet wird und betonte: ,,Minderheiten müssen sich gegenseitig unterstützen“. Azar beglückwünschte alle, die sich dafür eingesetzt haben, dass dies funktioniert.

Botschafter besuchte Hermannstädter jüdische Gemeinde: Am Tag danach begleitete MP Silviu Vexler (2. v. l.) S. E. Reuven Azar, den Botschafter Israels (3. v. l.), bei dessen Besuch in der Synagoge in Hermannstadt, wo sie seitens der jüdischen Gemeinde von Tiberiu Baruch (1. v. r.), Rebecca Deutsch (2. v. r.), Anda Reuben (3. v. r.) empfangen wurden.                       Foto: FCER

Botschafter Peer Gebauer würdigte MP Vexler als ,,eine fantastische stets aktive Person voller Ideen, Projekte, Enthusiasmus“ und betonte, dass die Zusammenarbeit zwischen der deutschen und der jüdischen Minderheit in Rumänien nicht selbstverständlich sei, sondern Initiative voraussetze. Der Diplomat schloss mit den Worten: ,,Ich bin gespannt auf weitere gemeinsame Aktionen der beiden Minderheiten.“

Das Grußwort des Vorsitzenden der Hermannstädter jüdischen Gemeinde, Otto Deutsch, verlas dessen Vertreter Tiberiu Baruch. Deutsch erinnerte u. a. an die Unterstützung, die diese Gemeinde seitens des ,,großen Bruders“, als den er die deutsche Minderheit betrachte, erhalten hat.

Die Feierstunde beehrten auch Staatssekretärin Enikö Lacziko, Leiterin des Departements für Interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der Rumänischen Regierung (DRI), die deutschen Konsulinnen Kerstin Ursula Jahn (Hermannstadt) und Regina Lochner (Temeswar) sowie der Oberrabbiner Rafael Shaffer.

Die Laudatio hielt der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganț, der es als Kollege und Freund des Geehrten mit großer Freude tat.

Eingangs unterstrich Ganț, dass bisher eine kleine Zahl von Nicht-Deutschen die Honterus-Medaille erhalten haben. Er erwähnte Prof. Dr. Vasile Dîncu, weil MP Silviu Vexler den ehemaligen Verteidigungsminister bei dessen ,,erfolgreichem Besuch in Israel begleitet und damit erneut seine und unsere, der nationalen Minderheiten, Patriotismus und Loyalität gegenüber Rumänien unter Beweis gestellt hat.“

Im Folgenden veröffentlichen wir die Laudatio in leicht gekürzter Fassung: ,,Herr Silviu Vexler wurde am 8. Dezember 1988 in Roman geboren, studierte Journalistik in Bukarest und begann seine Karriere als ,,rechte Hand“ seines Vorgängers und, es sei mir erlaubt, dies zu behaupten, seines Mentors, Herrn Dr. Aurel Vainer, ein Mensch, dem auch ich viel zu verdanken habe und den ich respektiert und bewundert habe und mit dem ich die Bank im Parlament geteilt habe. Möge sein Gedenken gesegnet sein!

Herr Vexler ist seit 2016 Abgeordneter der jüdischen Minderheit im Rumänischen Parlament und 2020 wurde er zum Vorsitzenden der FCER gewählt. Er wurde von Staatspräsident Klaus Johannis mit dem Nationalen Verdienstorden im Grad eines Ritters ausgezeichnet. Er ist verheiratet und Vater zweier wunderbarer  zweijähriger Mädchen. Ich habe eingangs die Tätigkeit des Herrn Abgeordneten Vexler im Sinne des Ausbaus und der Vertiefung der rumänisch-israelischen Beziehungen erwähnt, eine stetige, ich würde sagen alltägliche Tätigkeit mit besonderen Ergebnisse. Ähnlich tatkräftig bemüht MP Vexler sich um die Beziehungen zu der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Österreich.

Der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganț hielt die Laudatio auf seinen Parlamentskollegen MP Silviu Vexler.                      Foto: Max SHUZ

Im Inland möchte ich seine nahezu übermenschlichen Bemühungen im Dienste der jüdischen Gemeinschaft hervorheben, bei denen er sein Familienleben opfert und seine eigene Gesundheit aufs Spiel setzt. Ich erlaube mir, diese Behauptungen zu machen, weil ich bis ins Detail weiß, was er, wie sehr er und wie er sich für die Rechte der Holocaust-Überlebenden und anderer Menschen in Not kämpft. Dies tut er mit vollem Einsatz und Entschlossenheit, oft  allen Hindernissen zum Trotz, die ihm verschiedene ,,Wohlwollende“ in den Weg legen. In der Welt der Politik ist er umgeben von erklärten Antisemiten, die ehemalige Kriegsverbrecher hochloben lassen, von Politikern und Bürokraten, die versuchen, seine Initiativen zu blockieren, aber auch von Hochstaplern und Trittbrettfahrern, die sich mit den Ergebnissen seiner Arbeit schmücken. Unbeirrt davon geht er seinen Weg und respektiert seine Prinzipien. Deshalb bewundere ich ihn, respektiere und unterstütze ich ihn in allen seinen Bemühungen und versichere ihm, dass er sich auf die Unterstützung der deutschen Minderheit und des DFDR  verlassen kann. Im Folgenden möchte ich an einige Begebenheiten erinnern, in denen Silviu Vexler die Deutschen in Rumänien unterstützte und auch weiterhin unterstützt.

Als die PSD in der Ponta- und später in der Dragnea-Ära wiederholte Male die deutsche Minderheit verleumdet und das DFDR eine ,,Nazi-Organisation“ genannt hat, respektive als diese haarsträubenden Beschuldigungen auch gegen den Staatspräsidenten Klaus Johannis gerichtet wurden, einschließlich in der Presse in Israel, waren Silviu Vexler und die jüdische Gemeinschaft in Rumänien die einzigen Stimmen, die diese Verleumdungen öffentlich widerlegt und verurteilt haben. (…) Nur die Juden haben die Deutschen verteidigt! Man könnte meinen, es sei eine Ironie der Geschichte, aber eigentlich ist es das, was das Wesen unserer Beziehung heute ausmacht, in einem Land, das unserem Wunsch nach europäisch und demokratisch sein sollte.

Als Slavoliub Adnagi, der Abgeordnete der serbischen Minderheit, und ich unseren Kollegen Vexler gebeten haben, uns zu helfen, den Kindern der ehemaligen Deportierten in die Sowjetunion und in den Bărăgan eine moralische und materielle Entschädigung zukommen zu lassen, hat er nicht lange nachgedacht und machte sich an die Arbeit. Seiner Kompetenz in Sachen Arbeit und Soziales verdanken wir das Verfassen der Gesetze 130 und 232 aus dem Jahr 2020. Er bewies damit erneut, dass sein Amt als Vizepräsident des Arbeitsausschusses kein formales sondern ein inhaltvolles ist. Desgleichen wären die beiden Gesetze ohne seine Unterstützung nicht verabschiedet worden. Unterdessen sind Tausende Deutsche aus dem In- und Ausland Nutznießer dieser Gesetze. Insgesamt erhalten mehr als 100.000 Nutznießer inzwischen eine monatliche Entschädigungssumme.

Von der Tätigkeit Herrn Vexlers profitiert auch die Evangelische Kirche A. B. in Rumänien und die Römisch-Katholische Kirche in Rumänien. Ihm sind die Gesetzesnovellen für das Klären des Fiskalstatus der Kirchen und Gebetshäuser zu verdanken sowie die Erweiterung der Liste der kirchlichen Stellen, die aus Mitteln des Staatshaushaltes mitfinanziert werden. Desgleichen steht sein Einsatz auch im Zeichen eines Klimas der Kommunikation und des Gleichgewichts zwischen den Kulten, bis viel stärkere politische Kräfte diesem ausgeglichenen System den Todesstoß verpasst haben, was unvorhersehbare Folgen haben wird. Silviu Vexler versucht, das Gleichgewicht wieder herzustellen, ich versuche ihm nach Kräften zu helfen, aber es scheint, dass wir an unerbrückbaren Hürden und obskuren politischen Interessen scheitern.“

In seiner Dankesrede sagte Vexler, er sei in Roman „mit einem historisch bedingten Hass auf Deutsche“, die seine Großeltern zur Zwangsarbeit deportiert hatten, aufgewachsen, habe aber ausschließlich dank des DFDR und Ovidiu Ganț seine Meinung ,,radikal“ geändert. Er glaube fest an die Idee der Normalität und die Notwendigkeit, Danke zu sagen, schloss Vexler.

Beatrice UNGAR

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Politik.