Unerwartete Ergebnisse

Erasmus+-Projekt zu Insektensterben erfolgreich

Ausgabe Nr. 2793

Prof. em. Dr. Wolfgang Schumacher (links) von der Universität Bonn und eine Schülerin vor dem Rollup zum Thema ,,Insektenfreundliche Heugewinnung“.              Foto: Beatrice UNGAR

Die Projektergebnisse des Erasmus+-Projekts „Ausgebrummt und abgeblüht?- Insektensterben in Mittel- und Osteuropa” haben am 10. Oktober d. J. mehrere Lehrkräfte und Schüler der Alfred-Delp-Schule im rheinland-pfälzischen Hargesheim und des Samuel-von-Brukenthal-Gymnasiums in Hermannstadt im Rahmen einer Feierstunde in der Aula des Samuel-von-Brukenthal-Gymnasiums in Hermannstadt präsentiert.

Zunächst begrüßte die Schulleiterin Monika Hay alle Anwesenden, es folgten die Ansprachen des deutschen Projektkoordinators, Prof. Bernd Schumacher, und der rumänischen Projektkoordinatorin, Prof. Lucia Todoran.

Die Ergebnisse der Studie waren für alle Beteiligten unerwartet: der signifikante Rückgang der Fluginsektenpopulationen konnte erstmals auch für Rumänien nachgewiesen werden. Allerdings waren die siebenbürgischen Insektenpopulationen in Michelsberg deutlich stabiler als die im rheinland-pfälzischen Guldental. Drei Hauptursachen des Insektensterbens konnten durch eigene Untersuchungen identifiziert werden: die Landnutzung durch intensiven Ackerbau, die Verwendung von Insektiziden, wie zum Beispiel den Neonikotinoiden, die „Lichtverschmutzung“ durch Straßenbeleuchtung und Verkehr sowie die Flächenversiegelung durch Zersiedlung und neue Straßen.

Dagegen könnte man nachhaltiger vorgehen, indem man auf neonikotinoide  Insektizide verzichtet, die Lichtmenge in den Ortschaften durch ein intelligentes Lichtmanagement deutlich reduziert sowie eine kleinteilige Kulturlandschaft mit (Streuobst-)Wiesen und Weiden, also eine insektenfreundliche Mosaiklandschaft in geeigneten Teilen Siebenbürgens  bewahrt. Historisch anmutende, artenreiche Mosaiklandschaften wurden auf Exkursionen nach Hunedoara (Westgebirge), nach Kirtsch (Mediasch) und nach Petersdorf bei Marktschelken untersucht. Die Kenntnis der ökologisch-kulturhistorischen Zusammenhänge im Kontext des eigenen Tuns (Obstbaumschnittkurs, Sensenkurs, Aussaat von Blühstreifen) sind bewährte Verfahren zum Erhalt eines besonderen Schatzes dieses Landes im Südosten Mitteleuropas, nämlich Mosaiklandschaften mit den vielleicht ,,schönsten Dörfern Europas“, wie König Charles III., damals Prinz Charles 1998 feststellte. Prof. Schumacher schlussfolgerte: ,,Angelehnt an das Zitat Goethes ,Man sieht nur, was man weiß“ (im Sinne von kennt) zielte das Projekt darauf ab, dass die Schüler der Projektschulen die Natur der jeweiligen europäischen Kulturlandschaften achten und schützen. Die Schüler haben durch eigenständige Untersuchungen erkannt, dass der Rückgang der Fluginsekten in Europa keine Fiktion, sondern Realität ist.“

Ferner wurde die Perspektive der Schüler als auch die der Eltern in den Mittelpunkt gestellt. Die Schülerin Marina Knapp von der Alfred-Delp-Schule, ihre Austauschpartnerin Ștefana Răulea vom Samuel-von-Brukenthal-Gymnasium, die Vertreterin der Eltern aus Deutschland,  Kerstin Dreyse, bzw. die Vertreterin der Eltern aus Rumänien, Georgeta Răulea, teilten ihre Begeisterung über ein Projekt mit, dass neben coronabedingten Problemen in nur sechs Monaten unter großer Anstrengung aller Beteiligten fertiggestellt werden konnte.

Ihre Anerkennung für die Arbeit der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrerinnen und Lehrer hüben und drüben sprachen Prof. em. Dr. Wolfgang Schumacher von der Universität Bonn und die Hermannstädter Schulinspektorin für Bildungsprojekte, Anca Mihaela Voineag in kurzen Statements aus.

Zuletzt überreichten die beiden Schulleiter den teilnehmenden Schülern und Lehrern die Diplome. Musikalisch umrahmt wurde die Feierstunde von Raphael Toth (Klavier) und Franziska Schumacher (Geige) mit entspannender klassischer Musik und Jazzmusik.

Zum Schluss hatten die Gäste die Möglichkeit, die 12 Rollups zu betrachten bzw. den Schülern Fragen zu stellen, und bei Speis und Trank miteinander ins Gespräch zu kommen. So wurde das lehrreiche und erfolgreiche Erasmus+-Projekt der Europäischen Union in geselliger Runde abgeschlossen.

Daniel CAUTNIC, Samuel-von-Brukenthal-Gymnasium, Hermannstadt

Finn GUTZEIT, Alfred-Delp-Schule Hargesheim

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Bildung.