,,Erinnerungen – Echo der Heimat“

Das 20. Hermannstädter Treffen in Dinkelsbühl stand unter passendem Motto

Ausgabe Nr. 2787

Gruppenbild mit Gastgebern und Ehrengästen (v. l. n. r.): Rudolf Klubitschko, Dagmar Zink, Emil Hurezeanu, Thomas Ziegler, Herta Daniel, Werner Kloos und Dorith Wegmann.                                                         Foto: HDH

Das 20. Hermannstädter Treffen in Dinkelsbühl fand vom 2. bis 4. September statt. Der Auftakt des Festes war die Mitgliederversammlung der Heimatgemeinschaft der Deutschen aus Hermannstadt (HDH) am Freitag im Kleinen Schrannensaal. Deren  Vorsitzende Dagmar Zink begrüßte die zahlreichen Teilnehmer und erteilte das Wort dem Geschäftsführer, Rudolf Klubitschko. Da die HDH gemeinnützige Zwecke verfolgt, kann sie sich auf die Förderung der Heimatkunde und Heimatpflege konzentrieren. Dabei finden die kulturellen und sozialen Belange vorrangig Beachtung. Eine große Aufgabe ist die Verwaltung der Mitgliederdatei, die Bemühung, die Mitgliederzahl möglichst zu steigern oder zumindest konstant zu halten. Rudolf Klubitschko bat daher alle Anwesenden, bei jeder passenden Gelegenheit für Neuzugänge zu werben.

Die Heimatgemeinschaft besitzt eine funktionierende Homepage, die von Hans Jürgen Greger in Zukunft gemeinsam mit Antonia Gallotsik betreut wird.

Die Schatzmeisterin, Marianne Hügel, präsentierte den Buchhaltungsbericht für die letzten drei Jahre. Sie berichtete über den Friedhof in Hermannstadt und stellte der Versammlung Antonia Gallotsik vor, die ihr ab jetzt bei den Friedhofsangelegenheiten zur Seite steht.

Die Redakteurin  des Hermannstädter Heimat-Boten, Dagmar Zink,  bedankte sich bei allen Mitgliedern, die Berichte eingeschickt hatten und bat gleichzeitig um mehr Eigeninitiative. Brigitte Kräch betreute die Rubrik „Heimatverbundenheit“, in der sie bekannte Persönlichkeiten von früher und heute vorstellte, Christa Schnäp versendet den Heimat-Boten und bittet Adressänderungen rechtzeitig mitzuteilen.

Zum Tanz aufgespielt hat im Schrannenfestsaal am Samstagabend das aus Siebenbürgen angereiste Trio Saxones plus (v. l. n. r.): Adrian Pamfilie (Keyboard), Wolfgang Schüller (Schlagzeug), Alfred Dahinten (Gesang), Alexandra Pamfilie (Gesang) und Dietrich Galter (E-Gitarre). Foto: HDH

Das 20. Treffen stand unter dem Motto „Erinnerungen – Echo der Heimat“. Dagmar Zink eröffnete den Festakt mit Kulturprogramm im Großen Schrannensaal und begrüßte die Ehrengäste: Seine Exzellenz Emil Hurezeanu, Botschafter von Rumänien in der Republik Österreich, Dr. Christoph Hammer, Oberbürgermeister von Dinkelsbühl, Nora Engelhardt, Bürgermeisterin von Dinkelsbühl, Herta Daniel, Ehrenvorsitzende des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Werner Kloos, den Landesvorsitzenden des Landesverbandes Bayern, Dorith Wegmann, Vorsitzende des Freundeskreises Hermannstadt – Landshut, Dr. Thomas Ziegler, Vereinsobmann des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Wien.

In ihrer Begrüßungsrede griff die HDH-Vorsitzende das Motto des Treffens auf. Begegnungen dieser Art haben viel mit Erinnerungen und Erinnertem zu tun. Unsere Erinnerungen müssen sich auf etwas stützen und somit kann die Heimat zu einer Säule der Erinnerungen werden. Was sind Erinnerungen? Fragmente, Bruchstücke, die wir in uns tragen. Wir bewahren sie in unserem Herzen auf und irgendwann holen wir sie hervor. Dann stellen wir fest, wie schön sie sind und dass es schade wäre, sie fortzuwerfen. Bei Begegnungen wie diesem Treffen werden  die Erinnerungen lebendig und lassen ein Echo der Heimat erklingen.

Das Eybler Trio aus Nürnberg mit dem gebürtigen Heltauer Cellisten Georg Ongert (Bildmitte), der Geigerin Miryam Nothelfer (links) und dem Bratschisten Jakub Horacek. Foto: HDH

Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer brachte seine Freude zum Ausdruck, dass das Hermannstädter Treffen in Dinkelsbühl, der „heimlichen Hauptstadt“  der Siebenbürger Sachsen stattfindet. Mit Freude erinnere er sich an die vielen Reisen nach Siebenbürgen, hauptsächlich nach Hermannstadt, Kronstadt und Schäßburg.

Werner Kloos betonte in seiner Begrüßung, froh zu sein, mit den Hermannstädtern feiern zu können und überbrachte die Grüße aus Bayern.

Herta Daniel übermittelte die Grüße des Verbandes, dankte für die Einladung und wünschte allen Gästen ein schönes Fest.

Dorith Wegmann lud die Anwesenden zum Stadtfest nach Landshut ein. Im September werden 20 Jahre Partnerschaft zwischen den Städten Landshut und Hermannstadt gefeiert.

Dr. Thomas Ziegler überbrachte aus Österreich die herzlichsten Grüße und wünschte allen, dass bei diesem Fest viele Erinnerungen geweckt und ausgetauscht werden.

Hans Seiwerth weckte mit seinem Auftritt musikalische Erinnerungen. Foto: HDH

Botschafter Emil Hurezeanu begann seine Festrede mit einem Grußwort als gebürtiger Hermannstädter an alle Hermannstädter. Hermannstadt ist für ihn die Stadt, in der er seine Kindheit, seine Jugend verbracht hat, wo er zur Schule gegangen ist, die Stadt, in der er 1998 zum Ehrenbürger ernannt wurde, die Stadt, in der er 2014 Ehrenbotschafter des Verschönerungsvereins und 2015 Mitglied im Kuratorium der Stiftung Kirchenburgen wurde. In seiner Ansprache „Menschen unter Türmen“ ließ er die Geschichte unserer Stadt lebendig werden. Er begann mit der Gründung der Stadt und verfolgte ihre Geschichte bis in die Neuzeit. Er erwähnte berühmte Persönlichkeiten der Stadt, rumänische und deutsche Dichter, Schriftsteller, Historiker, Politiker, die Eines vereinte, die Liebe zu ihrer Stadt, das friedliche Zusammenleben und die Achtung voreinander.

Der Festakt wurde von einem hochwertigen kulturellen Programm eingerahmt. Das Eybler Trio aus Nürnberg begeisterte die Zuhörer mit Werken von Paul Wranitzki. Hans Seiwerth sang nostalgische, heitere und besinnliche Lieder, das letzte mit Gattin Angela.

Der Sketch „Pimpolino bekommt Besuch“ mit Ines Handel schloss den Festakt ab.

Das Programm am Samstag begann mit den Ausstellungseröffnungen im Haus der Geschichte. Rudolf Klubitschko begrüßte die Gäste und eröffnete die Ausstellung. Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer hieß alle Gäste in seiner Stadt willkommen und wünschte erneut ein schönes Fest in Dinkelsbühl. Marietta R. Lutsch stellte sich und ihre Bilder vor. Die Künstlerin hatte viele Einzelausstellungen und beteiligte sich an Gemeinschaftsausstellungen unter anderen in Hermannstadt, Dinkelsbühl, Ludwigsburg, Landshut.

Eine zweite Ausstellung war dem Künstler Karl Nik Voik gewidmet. Im Jahr 2021 jährte sich das Geburtsjubiläum des Malers zum 100. Mal. Dieses Jubiläum nahm die Familie des Künstlers zum Anlass, eine Ausstellung mit seinen schönsten  noch zur Verfügung stehenden Werken zu organisieren. Herta Daniel, die Tochter des Künstlers, stellte kurz das Leben und Schaffen von  Karl Nik Voik vor. In 47 Einzel- und Gruppenausstellungen in Siebenbürgen und 18 Ausstellungen in Deutschland haben Kunstliebhaber seine Werke kennen und schätzen gelernt. Seine Motive sind die ihm vertrauten Landschaften in Siebenbürgen und später in Bayern. Das Hauptmerkmal der künstlerischen Gestaltung seiner Bilder ist das Lichtspiel Hell-Dunkel. Auch als Restaurator war er in Siebenbürgen und Bayern bekannt.

Dagmar Dusil (Hg.): Mit Erinnerungen gepflastert. Eine Anthologie von Dagmar Dusil. Kartoniert, mit Schutzumschlag (bedruckt). Pop Verlag Ludwigsburg 2022, Reihe Fragmentarium, Bd. 28. ISBN: 978-3-86356-367-7, 410 Seiten, 25 Euro. In Hermannstadt liegt das Buch in der Schiller-Buchhandlung und im Erasmus-Büchercafé auf.

In der Schranne fand die Kunstausstellung von Ursula Hergesell  bei den Gästen großes Interesse. Ihr Tisch mit der wunderschönen Keramik war ständig „belagert“.

Traian  Pop vom Pop Verlag Ludwigsburg präsentierte einen interessanten  Büchertisch mit Büchern in deutscher und rumänischer Sprache.

Gerd Messmann zeigte auf einer Stellwand eine alte Karte mit Straßennamen, sowie alte Ansichtskarten und Fotos aus Hermannstadt.

Mit Ungeduld wurde ebenfalls am Samstag die Buchvorstellung im Kleinen Schrannensaal erwartet. „Mit Erinnerungen gepflastert“, eine Anthologie von Dagmar Dusil, mit dem Motto: „Erinnerungen sind das Echo der Heimat. Sie liegen auf der Straße“. 36 Hermannstädter und solche, die hier einige Zeit gelebt haben, sind dem Aufruf im Hermannstädter Heimat-Boten gefolgt und haben Texte zu Straßen verfasst: zu ihrer Straße, zu Plätzen und Türmen, zu gegangenen Wegen und Erlebnissen. Viele Autoren waren anwesend und signierten ihre Texte oder schrieben Widmungen in die erworbenen Bücher.

Ein Liedvortrag schloss den Nachmittag ab. Professor Heinz Acker, der Komponist der Lieder, moderierte die Veranstaltung. Der Bariton Tim Lucas, Musikstudent aus Augsburg, trug die Lieder, alles Uraufführungen, vor. Der Vortrag begann mit „Träume – Siebenbürgische Landschaft“, ein Gedicht von Dagmar Dusil, das sie während ihrem Aufenthalt in Katzendorf geschrieben hatte. Es folgte ein vertontes Gedicht von Frieder Schuller „Wir kannten dich – Siebenbürgen“. Von Rose Ausländer vertonte Prof. Heinz Acker das Gedicht „Vergiss es nicht, wir sind Brüder“. Sieglinde Bottesch hat Linolschnitte zu Sprüchen hergestellt und zu „Kalendersprüchen“ zusammengefasst. Aus diesem Kalender hat Tim Lucas „September“ und als Zugabe Oktober vorgetragen. Der Liedvortrag war ein wunderschöner Abschluss der kulturellen Veranstaltungen bei dem diesjährigen Treffen.

Im Großen  Schrannensaal, der festlich geschmückt war, trafen sich am Abend Jung und Alt zum Abendessen und zum Tanz mit  dem aus Siebenbürgen angereisten „Trio Saxones Plus“.

Der Gottesdienst mit Abendmahl wurde am Sonntag in der Heilig-Geist-Kirche mit Dekan Uland Spahlinger (Dinkelsbühl), als Liturg und Dechant Dietrich Galter (Hermannstadt) zelebriert, der die Predigt hielt.

Das  20. Hermannstädter Treffen war wieder ein gelungenes Fest, ein Fest mit vielen Begegnungen und regem Gedankenaustausch. Wir danken den Organisatoren und wir danken der Stadt Dinkelsbühl für ihr Entgegenkommen und ihre Gastfreundschaft.

Gerlinde Elfriede SCHULLER

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Gesellschaft.