Zeuge einer vergangenen Zeit

Neuer Sammelband zu Aspekten aus der Geschichte Hermannstadts erschienen

Ausgabe Nr. 2770

Buchvorstellung: Der durch das DFDR vom Departement für interethnische Beziehungen geförderte Band ,,Sibiu 830″  wurde am Dienstag der Vorwoche im Festsaal der Astra-Bibliothek vorgestellt. Mehr dazu auf Seite 5. Unser Bild: Dr. Paul Niedermaier, Răzvan C. Pop, Dan Nanu, Benjamin Józsa und Prof. Dr. Sabin Adrian Luca  (v. l. n. r.)

,,Egal welche Namen Hermannstadt im Laufe der Geschichte getragen hat – Ziridava, Caedonia, Cibinium, Villa Hermanni, Hermannsdorf, Hermanopolis, Hermannstadt, Nagyszeben usw. -, jenseits aller Kontroversen über das Gründungsjahr und die erste urkundliche Erwähnung der Siedlung (sicher war das zwischen der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts und dem Jahr 1191) war die Stadt stets über acht Jahrhunderte ununterbrochenen Bestehens das Zentrum oder auch die Hauptstadt von Verwaltungseinheiten und folglich ein Zentrum politischer und wirtschaftlicher Stärke in dieser entlegenen Region der europäischen Zivilisation“. Mit diesen Worten begründet u. a. der Historiker Răzvan C. Pop, der Leiter der Astra-Bibliothek, die neuerliche Herausgabe des Sammelbandes ,,Sibiu 830″, der am 10. Mai im Festsaal der Bibliothek vorgestellt wurde.

Seitens der Koordinatoren, dem früheren Leiter der Astra-Bibliothek, Silviu Borș, und dem amtierenden Direktor der Kulturdirektion des Kreises Hermannstadt, Dan Nanu, war Nanu anwesend und dankte allen, die mit Texten dazu beigetragen haben. Es sei der zweite der Geschichte Hermannstadts gewidmete Sammelband – nach ,,Sibiu 825“ (Mega Verlag Klausenburg, 2016) – der das rumänischsprachige Publikum ansprechen soll.

In ihrem Vorwort bezeichnet Hermannstadts Bürgermeisterin Astrid Fodor das Buch als ,,Zeuge einer vergangenen Zeit“. Wer den heutigen Charakter der Stadt verstehen möchte, sei gut beraten, sich anhand dieses Bandes auf einen kleinen ,,Spaziergang“ durch die Geschichte Hermannstadts zu begeben.

Seinerseits bestätigt in der Einführung Akademiemitglied und Städtehistoriker Dr. Paul Niedermaier, der bei der Buchvorstellung dabei war, dass dieser Band ein ,,echter Beitrag zur Stadtgeschichte“ sei. Dafür garantierten schon die Namen und Ämter der Autorinnen und Autoren. Diese Neuerscheinung sei umso wichtiger, dass sich Hermannstadt von einer Provinzstadt anno 1900 zu einer ,,regelrechten Metropole“ 2021 ,,gemausert“ habe.

Der Band wurde aus Mitteln des Departements für interethnische Beziehungen im Generalsekretariat der Rumänischen Regierung durch das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien und das Demokratische Forum der Deutschen in Hermannstadt finanziert. Der DFDR-Geschäftsführer Benjamin Józsa begrüßte in einer kurzen Ansprache auch einige Vertreter des Departements und sprach allen Autorinnen und Autoren einen herzlichen Dank aus für die fabelhafte Kooperation und ihren beherzten Einsatz.

In dem Band befinden sich mehrere Beiträge von aktuellen und ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Brukenthalmuseums. Dessen Generalmanager Prof. Dr. Sabin Adrian Luca, der mit einem Beitrag über Skulpturen aus den Beständen des Museums in dem Band vertreten ist, unterstrich die Tatsache, dass Hermannstadt eine Stadt sei, in der alle Ethnien und Konfessionen stets gut zusammengelebt und sich gegenseitig bereichert haben. Dies stelle den Reichtum der Stadt dar und die Grundlage für ihren Wohlstand.

Der Direktor der Zweigstelle Hermannstadt des Rumänischen Nationalarchivs, Alexiu Tatu, plauderte ein wenig aus dem ,,Nähkästchen“ seiner Recherchen bezüglich der ersten urkundlichen Erwähnung Hermannstadts, die ihn auch in das Geheimarchiv des Vatikans geführt haben. Sein Beitrag bezieht sich auf diese Recherche.

Ebenfalls bei der Buchvorstellung dabei war Constantin Ittu, der in dem Band einen Beitrag über die Stadtwappen von Hermannstadt veröffentlicht. Ittu lud alle ein, seinen Beitrag zu lesen und dabei auch eine kleine Einführung in die Wappenkunde zu erleben.

Weitere Beiträge zeichnen: Anda-Lucia Spânu (Hermannstadt in historischen Bildern. Von Heinrich Holzmüller bis Johann Böbel), Iulia Mesea (Hermannstadt in der Kunst), Alexandru-Ilie Munteanu (Von Mosheim bis zum Goldenen Flies. Auf der Suche nach den Anfängen der Bibliothek des Samuel von Brukenthal), Silviu Borș (Die Bibliothek des Astra-Vereins – die erste öffentliche rumänische Bibliothek in Siebenbürgen wurde 160), Dan Nanu (Die Vereinigung der Rumänischen Nationalen Partei in Siebenbürgen und Ungarn in Hermannstadt 12.-14. Mai 1881/Königliche Besuche in Hermannstadt – eine kurze Chronologie), Delia Voina (Der Siebenbürgische Karpatenverein. Kurze Geschichte der Sektion Hermannstadt), Constantin Necula und Sorana Maier (Die Rumänische Mädchenschule des Astra-Vereins), Emanuel Tăvală (Die Rumänisch-Orthodoxe Metropolitankathedrale Siebenbürgens – das Emblem des multikonfessionellen Hermannstadt), Alexandru Bucur (Die Schlacht bei Hermannstadt, 26.-29. September 1916), Răzvan C. Pop (100 Jahre Handball in Hermannstadt und Rumänien), Vasile Ciobanu (65 Jahre Forschungsinstitut für Geisteswissenschaften in Hermannstadt). Desgleichen kann man in dem Band einen Bericht über den Flug von Aurel Vlaicu über Hermannstadt vom 24. September 1911 lesen, der in der Ausgabe Nr. 19 der Zeitschrift Luceafărul im Jahr 1911 erschienen ist.

Beatrice UNGAR

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Bücher.