,,Wir sind wieder wer, aber wer“?

Forschungs- und Kooperationsprojekt zu den Deutschen in Rumänien geplant

Ausgabe Nr. 2755

Blick in den Spiegelsaal des Hermannstädter Deutschen Forums beim Arbeitstreffen, das in hybridem Format stattgefunden hat.                                                                                  Foto: die Verfasserin

Der Arbeitstitel eines Forschungs- und Kooperationsprojekts, das die Münchner Kammerspiele gemeinsam mit dem Hermannstädter Radu Stanca-Nationaltheater planen, lautet ,,deutsch sein“, der Untertitel – gestützt auf den bekannten Spruch  ,,Mir wëlle bleiwe wat mir sinn“ – ,,wir sind wieder wer, aber wer“. Ein erstes Arbeitstreffen der Projektpartner und möglichen Unterstützern hat am Freitag im Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt stattgefunden.

Bei dem Arbeitstreffen ging es um die angestrebte Zusammenarbeit zwischen dem Radu Stanca-Nationaltheater und den Münchner Kammerspielen zum Thema ,,Identität – Migration // Integration – Heimat – anhand der Geschichte der Siebenbürger Sachsen“. Laut dem Leiter der deutschen Abteilung des TNRS, Hunor Horváth sei neben dem gegenseitigen Kennenlernen die Identifizierung weiterer Partner und Beteiligten ein weiteres Ziel des Treffens gewesen. Desgleichen habe man das Treffen genutzt, ,,um Ideen zu generieren und über den Inhalt des Kooperationsprojekts zu sprechen“.

An dem Treffen teilgenommen haben Konsulin Kerstin Ursula Jahn, Constantin Chiriac (Generaldirektor des Hermannstädter  Internationalen Theaterfestivals und TNRS-Intendant), Tobias Schuster (Dramaturg und Mitglied des Künstlerischen Leitungsteams der Münchner Kammerspiele), Dr. Paul Jürgen Porr (Vorsitzender Demokratisches Forum der Deutschen in Siebenbürgen), Kilian Dörr (evangelischer Stadtpfarrer von Hermannstadt und Vorsitzender der Brukenthal-Stiftung), der Autor Thomas Perle, Aurelia Brecht (ifa-Kulturmanagerin), Heidrun König (Vertreterin des Friedrich Teutsch-Begegnungs- und Kulturzentrums), Fabiola Eidloth (Dramaturgin und Projektleiterin FITS) , Pia Ionescu-Liehn (Dramaturgin und Projekt-Assistentin), BA Prof. Dr. Bernd Fabritius (Beauftragter der Bundesregierung für Aussiedler und nationale Minderheiten). Online zugeschaltet waren Barbara Mundel (Intendantin der Münchner Kammerspiele), Dr. Joachim Umlauf (Leiter Goethe Institut Bukarest) und Sonja Gebauer (Kulturreferentin Deutsche Botschaft Bukarest).

Nachdem eingangs Intendant Constantin Chiriac seine Institution und die Geschichte des Theaters in Hermannstadt sowie die Teilnehmenden vorgestellt hatte, bot Hunor Horváth einen ausführlichen Einblick in die verschiedenen Aspekte des Vorhabens, das zunächst ein Forschungsprojekt über Identitäten im Wandel sein solle und dessen Ziel ein Theaterstück ist, das die beiden Ensembles gemeinsam auf die Bühne bringen sollen. Schreiben soll es Thomas Perle. Was die Projektpartner interessiere seien ,,minoritäre Identitäten, an denen sich sowohl die Wandlungsfähigkeit von Zugehörigkeiten als auch die Bedrohung durch eine Homogenisierung bzw. Vereinnahmung durch die Mehrheitsgesellschaften besonders gut ablesen lassen. In einer globalisierten Welt sind Identitäten von kulturellen Minderheiten geprägt von Unsicherheiten und Brüchen, Migrationserfahrungen und fehlender Sichtbarkeit. Eine Beschäftigung mit ihnen birgt ein disruptives Potenzial, welches in der Lage ist, Selbstverständlichkeiten von Mehrheitsgesellschaften in Frage zu stellen“.

Als künstlerisch-forschender Dialog zwischen den beiden Theatern soll das Projekt eine Plattform für politische und gesellschaftliche Diskussionen und ein Labor für Gegenwart und Zukunft sein. Und Antworten zu suchen auf Fragen wie: ,,Welche Schlüsse lassen sich ziehen aus der Untersuchung von historischen und gegenwärtigen Erfahrungen der Siebenbürger Sachsen in Rumänien und ihrem Verhältnis zu Deutschland? Was sagt uns ein Blick auf ihre Geschichte heute? Was ist es, dieses sogenannte ,Deutsche‘ und wie verändert sich dessen Wahrnehmung je nach Ort und zeitlichem Kontext?“

Bei der Konfrontation von historischem Material und Begegnungen mit Menschen in ihrem Alltag im Heute, sollen Identitätsbegriffe einer kritischen Analyse unterzogen werden.

Schon die ,,Geburtsstunde“ des Projekts, wie die Deutsche Konsulin Kerstin Ursula Jahn das Arbeitstreffen nannte, war äußerst unterhaltsam, nun darf man auf das Stück gespannt sein.

Beatrice UNGAR

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kultur.