Paranoia und Fake News

Neueste Premiere am Hermannstädter Gong-Theater

Ausgabe Nr. 2754

Szenenfoto mit Paul Bondane (links) und Eliza Păuna bei der neuesten Premiere im Gong-Theater.                                                                                                                                    Foto: Tudor TROANCĂ

Eine mit Schnee bedeckte Bühne und zwei große Eisblöcke konnten die Zuschauer bei der ersten Premiere des Jahres am Kinder- und Jugendtheater „Gong“ erkennen, als sie den Saal betraten. „Dovedește. O poveste virală“ (in der deutschen Fassung „Alle Beweise der Welt“) von Lucie Vérot wurde in der Regie von Eugen Jebeleanu und dem Bühnenbild von Irina Moscu an der rumänischen Abteilung des Gong-Theaters am Samstag, dem 15. Januar, inszeniert.

Célia und Théo gespielt von Eliza Păuna und Paul Bondane sind zwei Schüler in einem Ort in den Bergen, wo es im Winter viel schneit. Die beiden erkranken zur gleichen Zeit an einer seltsamen Krankheit, die beiden „den Winter im Magen verursacht“. Sie müssen sich im Schülerheim in ihren Zimmern isolieren, denn die Krankheit scheint ansteckend zu sein. Das gibt ihnen viel Zeit für Recherche im Internet. Da gibt es Informationen über alles, z.B. darüber, wie ein Virus aus prähistorischen Zeiten im ewigen Eis überlebt hat und nun durch die Erderwärmung freigelegt wurde. Was, wenn sie absichtlich angesteckt wurden, um der Pharmaindustrie Profit zu bringen? Bestimmt steckt die komische Biolehrerin Frau Albanne hinter dem Komplott. Sie ist immer kreidebleich und hat dicke, grüne Augenringe. Bestimmt steckt das Virus in dem großen Holzschrank im Biolabor. Nachdem Célia und Théo die Lehrerin mitten in der Nacht beobachten, wie sie vor ihrem Haus Schnee in Tortenformen ausschneidet, ist den beiden klar: Madame Albanne hat etwas zu verbergen. Die immer intensiver ablaufende Suche nach vermeintlichen Beweisen, u. a. im Haus der Lehrerin – was übrigens sehr gut von den Schauspielern rübergebracht wurde, indem sie mit den Handytaschenlampen unter den Zuschauerbeinen im dunklen Theatersaal suchten – macht die hilflose Lehrerin, der auf der Bühne keine Rolle zukommt, schließlich der Teilnahme an einem internationalen Virenforschungsprojekt verdächtig. Es kommt, wie es kommen muss: Der Verschwörungsmythos greift auf die ganze Schulklasse und das Internet über – denn die beiden Hauptakteure drehen einen Film, den sie auf Instagram und Tik Tok posten – und holt die Lehrerin am Ende ein.

„Das Theaterstück geht uns alle etwas an. Es handelt von uns, von dem heutigen Geschehen, mitten in der Pandemie, mit allen Ängsten, Hoffnungen aber es geht darin auch um unbegründete Ideen, die zu einer kollektiven Krise des Misstrauens führen. Von hier aus beginnt die Paranoia, die Verschwörungstheorien, die durch Fake News entstehen und die uns andauernd begleiten.“ Diese Äußerungen machte der Regisseur Eugen Jebeleanu, der am Gong-Theater im Jahr 2015 das Stück „Alice“ (von Yann Verburgh) inszenierte, über die Premiere von „Dovedește. O poveste virală“. Im Jahr 2020 feierte Jebeleanu sein Filmdebüt mit der Inszenierung von „Câmp de maci“, für die er ein Jahr später den Preis für die beste Regie beim Transilvanian International Film Festival (TIFF) bekam.

Cynthia PINTER

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Theater.