Er suchte stets das Neue

Entpflichtung von Pfarrer Stefan Cosoroabă

Ausgabe Nr. 2753

Pfarrer Dr. Stefan Cosoroabă (links) und der Michelsberger Kurator Michael Henning. Foto: Beatrice UNGAR

Gewöhnlich zähle man Höhepunkte einer Karriere auf, wenn man Bilanz ziehe, er möchte aber auf drei Tiefpunkte hinweisen, schickte Pfarrer Dr. Stefan Cosoroabă seiner Predigt voraus, die er am zweiten Weihnachtstag, dem 26. Dezember 2021 in der Dorfkirche in Michelsberg gehalten hat, anlässlich seiner Entpflichtung aus dem Amt. Cosoroabă wechselt als Mitarbeiter in den Stab der GEKE (Gemeinschaft europäischer Kirchen in Europa) nach Wien.

30 Jahre lang war Cosoroabă als Pfarrer der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien tätig, angefangen in Broos, dann in Heltau und zuletzt in Michelsberg, hier allerdings als ,,volontärer Pfarrer“. Der Michelsberger Kurator Michael Henning wies zum Schluss darauf hin, dass die Kirchengemeinde zwar um den Verlust ihres Pfarrers trauere, jedoch auf eine sehr aktive und bereichernde Zeit zurückblicke, die mit vielen guten Ideen, Herausforderungen und Erlebnissen der besonderen spirituellen Art ,,gespickt“ gewesen seien. Nicht zuletzt hätten die Michelsberger in dem Heltauer Stadtpfarrer Zorán Kézdi einen würdigen und beliebten Nachfolger im Amt. Kézdi war schon des öfteren eingesprungen, als Cosoroabă verhindert war.

Bei dem Gottesdienst dabei war auch Bischof Reinhart Guib, der den Scheidenen in einer vielsagenden Ansprache würdigte, die hier im Wortlaut veröffentlicht wird: ,,Lieber Bruder Dr. Stefan Cosoroabă, in diesem Gottesdienst verabschieden wir dich aus deinem Dienst als volontärer Pfarrer für die Gemeinde Michelsberg. Du hast dein Amt zum Wohle der Gemeinde wahrgenommen. Darauf wird der Kurator noch Bezug nehmen.

Wir danken Gott für deinen Dienst, für den Einsatz deiner Gaben und Kräfte, für deine Treue und Liebe.

Du hast das Evangelium von Jesus Christus gepredigt und in vielfältigen Formen die Botschaft von Gottes Treue bezeugt.

Nicht alles im Dienst eines Pfarrers und Allrounders liegt vor Augen. Vieles werden wir nie ermessen können. Vieles geschieht im Verborgenen. Und doch können Früchte deines Wirkens wahrgenommen werden. Du hast die Symbiose meisterhaft hingekriegt zu machen was Du wolltest, aber es gleichzeitig verstanden dein Tun dem Wohle der Kirche unterzuordnen. Du hast es geschafft zu dem ehrenamtlichen Dienst in Michelsberg eine breite und tiefgehende Arbeit als Hauptamtlicher zu entfalten, gewinnbringend für alle Seiten. So hast Du zusätzlich Verantwortung übernommen als Beauftragter für Institutionelle Kooperation und als Projektmanager des Landeskonsistoriums, als Zeto (Zentrum für Evangelische Theologie Ost)-Leiter und als Vikarausbilder, als Vernetzer zwischen den siebenbürgischen Gemeinschaften und unseren Partnerkirchen in Deutschland, als Freund und Brückenbauer zu den evangelischen Minderheitskirchen im Osten Europas und in Asien.

Du hast stets gedacht, dein Name wäre eine Provokation, aber Du selbst warst der Provozierende in unserer Kirche. Durch deine Art, deine Worte, deine Taten. Denn gerade wenn es so gut dahin schlummerte, hast Du eine Aktion, ein Projekt provoziert das unterschiedliche Namen trug ,Entdecke die Seele Siebenbürgens, ,Glauben und Gedenken‘, ,12 Apfelbäumchen für ein klares Wort‘, Kunsthaus 7B, ,Gesichter, Grenzen, Geschwister, Zeto, Überarbeitung von Ordnungen der Kirche, Geistliches Netzwerk in Corona-Zeiten. Um nur einige zu nennen.

Die Grenzen hast Du nicht gelten lassen, sondern stets das Neue, das An- und Aufregende, die Herausforderung und auch das Verbindende gesucht und fast immer gefunden.    Somit auch kein Wunder – die neue Aufgabe bei der GEKE.

Von Dir konnten wir lernen, was Effizienz und Kompetenz, Vernetzen, Überzeugen der Kirchenleitung, Einbauen von Mitmenschen und Delegieren bedeutet. Ideen sind dir nie ausgegangen und die Durchhaltekraft hat Dir Gott geschenkt. So bist Du lieber Bruder zu einem Segen gewachsen und geworden für die Gemeinde und Kirche und besonders für die vielen Menschen hier und von Deutschland bis ins weite Russland und hinunter ins südliche Griechenland. Dafür sind wir unendlich dankbar.“

Beatrice UNGAR

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Persönlichkeiten.