,,Impulse für die eigene Spiritualität“

Hermannstädter Gespräche über Nutzungsideen für die evangelische Stadtpfarrkirche

Ausgabe Nr. 2748

Die Gäste der Podiumsdiskussion der „Hermannstädter Gespräche“ (v. l. n. r.): Brita Falch Leutert, Kilian Dörr, Winfried Ziegler, Ilse Philippi und Mihai Hașegan.                                  Foto: Cynthia PINTER

Die Reihe der „Hermannstädter Gespräche“ wurde am Montagabend im Spiegelsaal des Hermannstädter Forums fortgesetzt. Zum Thema „Begegnung gestalten – Neue Nutzungskonzepte der Evangelischen Stadtpfarrkirche“ diskutierten Stadtpfarrer Kilian Dörr, Kuratorin Ilse Philippi, Stadtkantorin Brita Falch Leutert und Reiseleiter Mihai Hașegan. Die Moderation übernahm der Geschäftsführer des Siebenbürgenforums Winfried Ziegler. Organisiert wurde die Gesprächsrunde vom Hermannstädter Forum in Zusammenarbeit mit dem Institut für Auslandsbeziehungen Stuttgart.

Stadtpfarrer Kilian Dörr machte den Anfang mit einem Impulsreferat über die Bauarbeiten und Nutzungsmöglichkeiten der neu entstandenen Räume in der Stadtpfarrkirche. Die erste Nutzung sei die für die Gemeinde selber, wofür letztendlich die Kirche gebaut worden ist. Das sind Gottesdienste, Kirchenmusik, Vespern, Andachten, Gebete. Außerdem wurden zwei neue Kirchenführungen für Kinder ausgearbeitet: jene von Dorothea Binder „Auf den Spuren der Maria“ und die Führung mit vielen Musikinstrumenten von Brita Falch-Leutert. Die Kirche sei zwar eingeweiht worden, die Arbeiten aber noch lange nicht abgeschlossen. An den Sockelsteinen und an den Fenstern, an der Sauerorgel u.s.w. sei noch einiges zu tun. Der größte Wunsch von Stadtpfarrer Kilian Dörr sei es, einen Teil der Energie, der für die Kirche gebraucht wird, selber erzeugen zu können. „Wenn wir es schaffen würden, das Regenwasser vom Dach aufzusammeln und die Toiletten damit zu betreiben und damit die Blumen, Bäume und Kräuter um die Kirche zu gießen, wenn wir auf die Kirchturmtiere achten und ihnen Lebensraum lassen, wenn wir versuchen die Heizung vom Erdgas wegzubringen und die Lüftung so gestalten, dass die Wärme wieder rückgewonnen wird und im Raum bleibt… Welche Nutzungskonzepte durchgeführt werden, hängt von uns allen ab.“

Ergänzend zählte Kuratorin Ilse Philippi die Räumlichkeiten auf, die Begegnung möglich machen und erklärte, dass die Räume in erster Reihe der Kirchengemeinde mit ihren etwa 950 Mitgliedern plus ihren zweieinhalb Pfarrern zur Verfügung stehen. Die Kirche sollte jedoch auch für die Bürger der Stadt da sein, vor allem für musikalische Angebote, aber auch zum Innehalten. „Schließlich soll sie auch ein Ort für die Touristen sein auf ihren Kultur-, Studien- und Begegnungsreisen. Ich wünsche mir, dass man hier in dieser Kirche neue Impulse für die eigene Spiritualität bekommen und haben kann“, so Philippi.

Außerdem versprach letztere, dass es im neuen Presbyterium einen Ausschuss geben wird, der grundsätzlich Kriterien und einen Rahmen festlegt für die Nutzung der Kirche. Es werde einen Terminrahmen und einen inhaltlichen Rahmen geben, der vom Presbyterium bewilligt werden wird. Denn nicht jede Art von Veranstaltung ist für die Kirche geeignet. Vor allem die Akustik sei eine Einschränkung für viele Konzerte, die Kirche ist nicht geeignet für verstärkte Musik.

Stadtkantorin Brita Falch Leutert sagte dazu: „Unsere Stadtpfarrkirche ist ausgestattet mit starken Symbolen: Altären, Taufstein, Fresken, Epitaphen, Gräbern usw. Alle, die die Kirche betreten, treten mit den Symbolen in einen Dialog, gleichgültig um welche Veranstaltung es sich handelt. Symbole geben Einschränkungen, man kann zum Beispiel nicht alles vor einem Altar machen. Darum ist es wichtig in Dialog mit Leuten zu sein, die mit Kunstausdrücken arbeiten… Ich heiße jede Art von Kreativität willkommen in unserer Kirche, wichtig bleibt, dass wir Kriterien bestimmen und im Dialog bleiben. Die Kirche sollte ein Ort der Spiritualität bleiben, unabhängig davon um welche Veranstaltung es sich handelt.“

Reiseleiter Mihai Hașegan wünschte der Hermannstädter Kirchengemeinde viele Besucher, sowie ein Wirtschaftskonzept, um diese Besucherzahlen zu steigern in der Hoffnung, dass das Kulturerbe durch den Tourismus weitergetragen werden kann. Die Begegnung mit Menschen aus der Gemeinde sei für die ausländischen Besucher der Kirche sehr wichtig. „Vielleicht können wir eine Liste von Menschen erstellen, die bereit wären, eine Weile mit den Touristen zusammen zu sein und mit ihnen zu erzählen. Das würde den Besuch in unserer Kirche besonders machen“, schlug Kirchenkuratorin Ilse Philippi vor.

Zum Abschluss der „Hermannstädter Gespräche“ wurden Vorschläge aus dem Saal und aus dem Internet, wo die Gesprächsrunde live gesendet wurde, geäußert. Unter anderem schlug man ein Wirtschafts- und Kulturkonzept für die Stadtpfarrkirche vor, damit letztere mit der Schwarzen Kirche in Kronstadt in Konkurrenz treten kann. Außerdem könnte zum Beispiel eine CD mit Kirchenmusik oder eine CD mit einer gesprochenen Kirchenführung zum Verkauf angeboten werden. Eine weitere Anregung aus dem Publikum, einmal im Monat nach dem Gottesdienst zusammen zu kommen und über ein geistliches Wort aus der Predigt zu sprechen, wurde gut geheißen. Eine Kirchenführerausbildung für Schülerinnen und Schüler und Führungen von Schülern für Schüler anzubieten, war ein letzter Vorschlag, der an die Podiumsgäste gerichtet wurde.

Die sehr konstruktive Gesprächsrunde wurde nach fast zwei Stunden beendet und da der Diskussionsbedarf nicht gedeckt werden konnte, ging die Unterhaltung privat unter den einzelnen Teilnehmern weiter.

Cynthia PINTER

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kirche.