,,Dem Kläger die Ehre“

Streitgespräch von Johannes Tepl in der Ferula

Ausgabe Nr. 2749

Tod (Daniel Plier, links) und Ackermann (Yannick Becker ) im Streitgespräch. Foto: Beatrice UNGAR

,,Dem Kläger die Ehre, dem Tod der Sieg“ lautet das Urteil Gottes zum Streitgespräch zwischen Ackermann und Tod, das aus einem Bluetooth-Lautsprecher ertönt, den Musikwart Jürg Leutert ganz diskret neben der Predella des vorreformatorischen Flügelaltars in der Ferula der evangelischen Stadtpfarrkirche platziert hatte.

Die Stimme gehört dem Schauspieler Daniel Bucher von der deutschen Abteilung des Radu Stanca-Nationaltheaters. Seine Kollegen Daniel Plier und Yannick Becker rezitierten nämlich am  Abend des Ewigkeitssonntags in der Ferula der evangelischen Stadtpfarrkirche ,,Der Ackermann und der Tod“ von Johannes Tepl. Dazu brachte die Stadtkantorin Brita Falch Leutert auf der Martinsdorfer Orgel neun musikalische Kommentare von Dorothea Hofmann zu diesem Werk zu Gehör. Die 2015 entstandene Musik bildete mit ihrer modernen Tonsprache ein Pendant zum spätmittelalterlichen Gedicht, das 1400 in Böhmen verfasst worden ist und als  eines der bedeutendsten Werke der spätmittelalterlichen deutschen Literatur gilt.

Darin klagt der Ackermann den Tod an, ihm seine geliebte Frau geraubt zu haben. Der Tod pariert dessen Emotionen mit Logik und stellenweise Zynismus. Gegen Schluss des Werkes kommt Gott zur Sprache. Gott anerkennt das Recht des Ackermanns, sein Leid zu klagen, aber auch das Recht des Todes, die Erkenntnis auszusprechen, dass alles Leben naturgegeben ein Ende hat. Das Werk endet mit einem hymnischen Gebet des Ackermanns für die Seele seiner verstorbenen Frau, der einen Lobpreis Gottes einschließt.                                                           Beatrice UNGAR

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kirche.