Souverän und überzeugend

Eindrückliche Performance im Spiegelsaal

Ausgabe Nr. 2744

Die Jugendlichen bei der Eröffnung des Workshops am 1. Oktober im Spiegelsaal des DFDH.                                                                                              Foto: Aurelia BRECHT

Das Wochenende vom 1. bis 3. Oktober stand für eine kleine Gruppe Jugendlicher ganz im Zeichen neuer Theatererfahrungen. Unter der professionellen Leitung von Daniel Plier und Daniel Bucher – beide langjährige Schauspieler der deutschen Abteilung am Hermannstädter Radu Stanca-Nationaltheater – wurden Sprache, Bewegung und Bühnenpräsenz geübt und die Ergebnisse der gemeinsamen Arbeit schließlich am Sonntagabend im voll besetzten Spiegelsaal des Demokratischen Forums der Deutschen in Hermannstadt erfolgreich präsentiert.

 

Ausgangspunkt und Thema des Workshops waren das Nachdenken über eigene Fremdheitserfahrungen und das, was als Heimat empfunden und wahrgenommen wird. So stand vor dem Spielen erstmal das Sprechen über eigene Erfahrungen im Mittelpunkt – was nicht einfach ist, denn es gilt, Erlebnisse und damit verbundene Emotionen so zu erinnern und in Sprache (oder Bewegung) zu fassen, dass sie für Außenstehende greifbar, überzeugend und nachvollziehbar werden. Der reflektierte Umgang mit der eigenen Biografie und das Sprechen darüber müssen geübt werden.

Eingeladen zu diesem Gespräch waren auch Zeitzeugen, die von ihren historischen Erfahrungen berichteten. Weitere Anregung bot ein kleiner Film von zwei Schülerinnen aus Berlin, der an die Auswanderungsbewegungen der 1970er bzw. 1990er Jahre aus Rumänien anknüpfte und die jüngere Vergangenheit in die Diskussion brachte. Am Ende musste aber die kleine Crew um Plier und Bucher natürlich ihre eigene und gegenwärtige Sprache finden, um Gefühle von Heimat und Fremde auf der Bühne zu artikulieren.

Im Ergebnis konnten die Gäste dann staunen über Geschichten, die sich um eine wiederentdeckte Kamera, ein Trachtenhaarband, eine alte Wollmütze mit Ortswappen oder auch um ein in die Jahre gekommenes Stofftier rankten. Und man wunderte sich, mit welchem Vertrauen ein altes, selbstgemachtes Umhängekreuz durch die Reihen und von Hand zu Hand gegeben wurde. Die Worte des Sprechers fanden ihren Nachhall in anderen Sinnen. Tastend und zuhörend ging man also mit, Grenzen überschreitend in fremdes Terrain, von Schlesien und Württemberg war unter anderem die Rede. Die Bilder und inneren Landschaften – um die es ja nicht weniger ging – wurden dabei von jeder und jedem der jungen Akteure so souverän und überzeugend entfaltet, dass trotz großer Dichte plötzlich alles ganz klar zu sein schien. Kaum zu glauben, was an einem einzigen Wochenende gelingen kann.

Der Workshop HEIMATFREMDE geht zurück auf eine gemeinsame Initiative der ifa-Kulturmanagerin am DFDH, Aurelia Brecht, und der Kulturreferentin für Siebenbürgen am Siebenbürgischen Museum in Gundelsheim a. N., Dr. Heinke Fabritius, die das Projekt ideell und konzeptuell entwickelten, begleiteten und förderten.

Der besondere Dank der Veranstalterinnen gilt den beiden Schauspielern, Daniel Plier und Daniel Bucher, die es verstanden, die Stimmen der Jugendlichen ins Zentrum zu stellen und mit ihnen das Publikum zu gewinnen.

Anna DIETRICH

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Theater.