Von Herzen und mit Freude

Streiflichter vom 31. Sachsentreffen in der Großauer Kirchenburg

Ausgabe Nr. 2740

Den von zwei Blaskapellen – der Bistritzer und der Burzenländer – begleiteten Umzug führten Kurator Matthias Krauss, HOG-Vorsitzende Dagmar Baatz, 1. stellvertretende HOG-Vorsitzender  Hermann Gadelmeier und Jürgen Schartner mit dem Wahrzeichen der HOG- Großau (v. l. n. r.) an. Foto: Beatrice UNGAR

Angefangen hatte das 31. Sachsentreffen in der Großauer Kirchenburg am Freitag Nachmittag mit einem zünftigen Gewitter, Blitz und Donner, zwischendurch gab es einen wunderschönen Regenbogen, zum Abschluss am Samstag Nachmittag blies der Wind bei schönstem Sonnenschein, so dass die Teilnehmenden nach der köstlichen Aufführung der Siebenbürgischen Theatergruppe Augsburg noch ein wenig verweilten, um das Beisammensein zu genießen, das sie im Vorjahr vermissten, als das 30. Sachsentreffen pandemiebedingt online stattfinden musste.

Die von dem Siebenbürgenforum und der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien gemeinsam verliehene Honterus-Medaille nahm die Alzener Lehrerin und Kuratorin Rosemarie Müller (rechts) von Martin Bottesch, dem Vorsitzenden des Siebenbürgenforums (links) und Bischof Reinhart Guib (im Hintergrund) entgegen. Die Laudatio hielt Landeskirchenkurator Friedrich Philippi (2. v. l.) mit Unterstützung des Malmkroger Kirchenchores.Foto: Beatrice UNGAR

,,Von Herzen und mit Freude“ habe sie Vieles für die politische und kirchliche Gemeinde getan, sagte ihr Laudator, Landeskirchenkurator Friedrich Philippi, bei der Verleihung der Honterus-Medaille an die Alzener Kuratorin Rosemarie Müller am Samstag in der evangelischen Kirche in Großau.

Ein Jahr jünger als das diesjährige Sachsentreffen ist die Burzenländer Blaskapelle, die in diesem Jahr ihr 30. Gründungsjubiläum gefeiert hat, was auf der Fahne zu sehen ist, die der Kapelle auch beim Umzug in Großau vorangetragen wurde.Foto: Beatrice UNGAR

Von Herzen und mit Freude hatten sich die Veranstalter, allen voran die Heimatgemeinschaft (HOG)Großau ins Zeug gelegt, um das 31. Sachsentreffen, das unter dem Motto ,,300 Jahre Brukenthal“ stand, zu einem unvergesslichen Ereignis zu machen. Es ist ihnen gelungen. Der Vorsitzende des Siebenbürgenforums, Martin Bottesch, hatte bei der Eröffnungsveranstaltung am Freitag Nachmittag darauf hingewiesen, dass der Österreichische Honorarkonsul und Großauer Unternehmer Andreas Huber schon vor vier Jahren die Einladung ausgesprochen habe, man möge doch das seit 1991 alljährlich organisierte Sachsentreffen auch einmal in Großau stattfinden lassen.

Einen Auszug aus dem Film ,,Hans-Otto Roth – ein herausragender Politiker“ zeigte Eduard Schneider (links) am Freitag Abend im Ausstellungsraum und bedankte sich bei der Tochter des Politikers Maria Luise Roth-Höppner (rechts), für die fantastische Zusammenarbeit.Foto: Beatrice UNGAR

Diese Initiative eines Landlers konnte man in diesem Jahr umsetzen. Dafür dankte er ganz besonders der HOG Großau und dem Kurator Matthias Krauss, die gemeinsam mit etwa 40 Großauerinnen und Großauern von hüben und drüben eine Woche davor bei den Vorbereitungen tatkräftig geholfen haben. Sie brachten die Kirchenburg in Ordnung und Maria Schenker kümmerte sich um die Ausstellung in der Heimatstube. Die deutsche Konsulin Kerstin Ursula Jahn bezeichnete die Veranstaltung treffend als ,,wichtiges und herzerwärmendes Heimatmoment“.

Mit Christian Roth-Gross, dem Vorsitzenden, Thomas Hartig, dem Geschäftsführer, und Dorel Meinhardt, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Bistritzer Forums an der Spitze beteiligte sich die Bistritzer Blaskapelle (Leitung: Bálint Levente) an dem Umzug. Foto: Beatrice UNGAR

Einige Tafeln der Ausstellung ,,Samuel von Brukenthal – ein früher Europäer“ waren im Ausstellungsraum zu sehen, Harald Roth beleuchtete den außergewöhnlichen Lebensweg Brukenthals, der nicht nur Museumsgründer und Sammler gewesen sei. Im Rahmen der Festveranstaltung am Tag darauf vervollständigte Thomas Șindilariu  das Bild des Barons mit musikalischer Unterstützung von Jürg Leutert (Orgel) und Elisa Gunesch (Mezzosopran).

Das Mundartstück ,,Dot Getzich uch der Aperat“ von Hilde Juchum führten in der Regie von Maria Schenker folgende Mitglieder der Siebenbürgischen Theatergruppe Augsburg auf: Elke Kramer, Erika Schenker, Susanne Becker (1. v. r.), Annemarie Klein, Gerda Martini, Ute Bako (2. v. l.), Annemarie Bruckner, Hilda Albrich, Adrian Schneider, Rita Almus, Martin Miessbrandt (1. v. l.) und Martin Schenker (2. v. r.). Montag und Dienstag gastierte die Theatergruppe in Wolkendorf und Zeiden. Foto: Beatrice UNGAR

Der Festgottesdienst eröffnete den Reigen der Veranstaltungen am Samstag. Im Anschluss daran zogen die Trachtenpaare und die aus Schäßburg, Hermannstadt, Mühlbach, Bistritz, Deva und Sächsisch Reen angereisten Tanzgruppen durch die Gemeinde, von der Kirchenburg bis vor das Rathaus, wo Bürgermeister Ioan Seuchea alle herzlich begrüßte.

Pfarrer Dietrich Galter, Bischof Reinhart Guib und Bischofsvikar Daniel Zikeli auf dem Weg in die Kirche, wo sie den Festgottesdienst gestalteten: Pfarrer Galter mit dem liturgischen Teil, Bischofsvikar Zikeli mit der Predigt und Bischof Guib mit einem ,,Wort des Bischofs“. Foto: Beatrice UNGAR

Seuchea gehörte auch zu den Ehrengästen, die bei der Festveranstaltung Grußworte sprachen. Allen voran wies der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganț darauf hin, dass Hans-Otto Roth sein ,,wichtigster Vorgänger im Rumänischen Parlament“ sei und in dessen Geiste sollten die Deutschen in Rumänien weiter ,,ihren Weg gehen, ihre Prinzipien nicht aufgeben und im Dienste der Gemeinschaft agieren, ohne faule Kompromisse einzugehen.“ Präfekt Mircea Crețu und der stellvertretende Kreisratsvorsitzende Marcel Luca begrüßten vor allem die aus Deutschland angereisten Teilnehmenden, seitens der Deutschen Botschaft in Bukarest forderte Christian Plate alle auf, die Traditionen an die zukünftigen Generationen weiterzugeben.

Knapp zwei Stunden lang konnten die Anwesenden die Darbietungen der  sächsischen Volkstanzgruppen aus Schäßburg, Hermannstadt, Mühlbach, Bistritz, Deva und Sächsisch Reen verfolgen, souverän moderiert von der Hermannstädter Schülerin Maria Junesch. Unser Bild: Schwungvolle Tänze zeigte die Bistritzer Tanzgruppe unter der Leitung von Isabella Popescu.Foto: Beatrice UNGAR

Wie wichtig die Pflege der eigenen kulturellen und geistlichen Tradition für das Selbstverständnis der Siebenbürger Sachsen und der Landler sei, betonte auch Österreichs Botschafterin Adelheid Folie in ihrem Grußwort, das Honorarkonsul Andreas Huber verlas. Seitens des Verbands der Siebenbürger Sachen in Deutschland stellte der Bundesvorsitzende Rainer Lehni fest: ,,Brukenthal hätte sicher seine Freude daran gehabt zu sehen, wie sich unsere Gemeinschaft 2020 digital ins Zeug gelegt hat“.

In neuer Besetzung sorgte das Trio Saxones plus für eine gute Stimmung bei der Tanzunterhaltung am Samstag Abend in der Pfarrscheune (v. l. n. r.): Adrian Pamfilie (Keyboard), Alf Dahinten (Gesang), Dietrich Galter (E-Gitarre) und Wolfgang Schüller (Schlagzeug). Auf dem Bild fehlt die Sängerin Alexandra Pamfilie, die später aufgetreten ist.Foto: Beatrice UNGAR

Allerdings sei die persönliche Begegnung viel viel schöner, habe er sowohl bei der Tanzunterhaltung am Freitag Abend als auch beim Festgottesdienst feststellen können. Die Vorsitzende des HOG-Verbands, Ilse Welther, dankte den  Organisatoren und Gastgebern, allen voran Kurator Krauss, der ,,seine Kirchenburg mit viel Leidenschaft vorgestellt“ habe. Der Obmann des Vereins der Siebenbürger Sachsen in Österreich, Manfred Schuller, fand, das Treffen sei ,,zukunftsorientiert“. Zuletzt kam der stellvertretende Vorsitzende des DFDR, Klaus Fabritius, zu Wort, der die Grüße der im Altreich, im Banat und im Buchenland lebenden Angehörigen der deutschen Minderheit überbrachte.

Burghüterin und Totumfaktum Maria Mărășescu (links) mit zwei ihrer Helfer, Christel Hermann (links) und Ilie Băroiu (Bildmitte) hatten im Speckturm u. a. ,,Evangelischen Speck“ und mehrere Arten Wurst für die Teilnehmenden vorbereitet.Foto: Beatrice UNGAR

Die Veranstaltung wurde von Günther Melzer und Hermann Depner im Livestream gesendet und ist unter https://www.youtube.com/user/SiebenbuergerDE zu sehen.

Beatrice UNGAR

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Gesellschaft.