Klimawandel und Exodus

Das 22. Astrafilm-Festival findet noch bis Sonntag in Hermannstadt statt

Ausgabe Nr. 2738

Bei der Eröffnung des Astrafilm-Festivals am Sonntag saßen im Amphitheater vor der Bühne am See im Freilichtmuseum auch 30 große Plüschbären unter den Zuschauerinnen und Zuschauern. Damit wollten die Veranstalter für den Schutz der in freier Wildbahn lebenden Braunbären in Rumänien ein Zeichen setzen.                                                    Foto: Cynthia PINTER

Die 22. Auflage des Dokumentarfilmfestivals Astrafilm hat am Sonntag, dem 5. September begonnen und findet noch bis diesen Sonntag, dem 12 September, in Hermannstadt statt. Insgesamt 54 Dokus werden in Sälen, sowie draußen, u.a. auf dem Kleinen Ring oder im Astra-Freilichtmuseum gezeigt. Nach der Ausstrahlung der jeweiligen Filme können diese auch online für 15 Lei/Film gesehen werden. Das Programm sowie weitere Informationen zu den Filmen und zum Erwerb der Eintrittskarten findet man auf der Homepage des Festivals unter www.astrafilm.ro

„Astrafilm war sechs Jahre alt, als ich geboren wurde. Es war wie ein großer Bruder für mich, mit dem ich um die Gunst meiner Eltern kämpfen musste. Seit ein paar Jahren sind wir aber Freunde“, sagte Sara Budrala bei der offiziellen Eröffnung des Astrafilm-Festivals, die am Sonntagabend auf der Bühne am See im Astra-Freilichtmuseum stattfand. Ihr Vater, Festivalsleiter Dumitru Budrala, hatte sich bei den Dreharbeiten für seinen neuen Film in den Bergen das Bein gebrochen und ließ seine Tochter das Publikum begrüßen. Kurz davor lief ein Begrüßungsfilm mit dem Musiker und Schauspieler Tudor Chirilă über die Leinwand. Darin lud der bekannte rumänische Künstler alle Hermannstädter zu den Filmvorführungen ein.

Der Eröffnungsfilm war heuer „Once You Know“ (deutsch: Wenn wir es wissen), ein französischer Dokumentarfilm von Emmanuel Cappellin. Per Containerschiff reist der Regisseur zu weltweit führenden Klima- und Zukunftsforschern. Er ist auf der Suche nach der Wahrheit und Alternativen im menschengemachten Klimawandel; für sich selbst und für uns alle. Das bedeutet auch, vieles in Frage zu stellen – in Bezug auf Systeme und Freiheiten, Gerechtigkeit und Verantwortung. Sein Weg entlang einer Welt am Abgrund bringt ihn in die Heimat zurück. Hier sucht er nach Verbündeten, um unser Leben und das unserer Kinder nachhaltiger zu gestalten.

Nach der Ausstrahlung des Films führte die Journalistin Teodora Tompea ein Gespräch zum Thema Klimawandel mit Bogdan Antonescu, Fachmann für Extremwetter. Zum Abschluss konzertierte Martin Jacques von „The Tiger Lillies“.

Auch heuer sind die Filme auf mehrere Kategorien eingeteilt: „New Voices“; „Central & Eastern Europe“; „Romania“; „DocScool“; „Viziuni documentare“.

Besonders interessant für die deutsche Minderheit in Rumänien ist der Film „Hymn From The Hive“ (deutsch: Hymne vom Bienenstock), der am Samstag, dem 11. September, um 19 Uhr im Freilichtmuseum (Dorfmarkt) und am Sonntag, dem 12. September, um 15 Uhr, im „Ion Besoiu“-Kulturzentrum (Kleiner Saal) gezeigt wird. Der Dokustreifen des italienischen Regisseurs Jacopo Marzi handelt vom Exodus der Siebenbürger Sachsen anhand der Geschichte des Paares Udo und Susanna. Die beiden Reichesdorfer heirateten 1990 in ihrer Heimatgemeinde und zogen danach gemeinsam nach Deutschland. Dreißig Jahre später sprechen die Kinder des Ehepaars kein Siebenbürgisch-Sächsisch mehr, sie identifizieren sich als Deutsche. Andererseits ist Georg stolz darauf, Siebenbürger Sachse zu sein und hofft mit seinen siebenbürgisch-sächsischen Rap-Songs die Jugendlichen auf ihre Herkunft aufmerksam zu machen. Der Film feiert beim Astrafilm-Festival Weltpremiere und sollte nicht verpasst werden.

Cynthia PINTER

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