„Identitäten stiften”

Online-Treffen für Lehrbuchautoren und -übersetzer

Ausgabe Nr. 2739

Das Zentrum für Lehrerfortbildung in deutscher Sprache Mediasch (ZfL) und das Demokratische Forum der Deutschen in Rumänien (DFDR) haben am 9. September eine Online-Fortbildung für Autoren, Übersetzer und Überprüfer von Schulbüchern organisiert. Mit Adriana Hermann (A. H.), Referentin für Grundschule im ZfL und Renate Klein (R. K), Schulbuchbeauftragte des DFDR sprach HZ-Redakteurin Ruxandra S t ă n e s c u über die Fortbildung und Schulbücher in deutscher Sprache.

Worum ging es bei der Fortbildung?

R. K.: Es ging darum, Informationen zu liefern, welche die Vorgaben des Ministeriums sind, einen sprachlichen Input zu bringen, aber vor allem die Leute ermutigen, sich dieser Gruppe der Personen anzuschließen, die sich um die Herausgabe von Lehrbüchern in deutscher Sprache bemühen.

Wer hat teilgenommen?

Sehr viele, die bei der Schulbucherstellung und -übersetzung dabei sind oder waren.

Wie war das Treffen strukturiert?

R.K.: Im ersten Teil des Treffens ging es um die Teamarbeit, denn die meisten Lehrbücher haben mehrere Autoren. Danach folgte ein Input für das didaktische Spiel, das im Vorgabenheft des Ministeriums eingetragen ist. Nach der Pause hat uns Direktor Alexander Szepesi vom Bildungsministerium kurz begrüßt und uns Mut zugesprochen. Dann haben wir uns hauptsächlich um die Adjektive gekümmert, um danach über vorgegebene Bewertungsmethoden – wenn man ein Schulbuch schreibt – zu sprechen. Das Treffen endete mit einer ausführlichen Gruppenarbeit, hauptsächlich wurden Fachwortschatzlisten zusammengestellt.

Warum haben Sie das Treffen organisiert?

A. H.: Einerseits sind unsere Lehrer im ganzen Land verstreut, oft kennen sie sich nicht. Es ist wichtig, dass man sich über ein Lehrbuch oder eine Übersetzung abstimmt und das geht online sehr gut. Andererseits fühlen sich viele Lehrer alleine und dieses Treffen stiftet Identität, man gehört zu dieser Gruppe, die mit den Schulbüchern arbeitet.Kurz gesagt: um profesioneller zu werden und zusammenzugehören.

R. K.: Wir möchten, dass die Lehrbücher perfekt sind und dafür sind solche Treffen wichtig.

Wird ein Folgetreffen organisiert? Soll auch eine gemeinsame Datenbank erstellt werden?

R. K.: Geplant ist, dass jedes Jahr ein Treffen organisiert wird. Es bleibt die Frage offen, ob wir uns in den einzelnen Fachgruppen oder Autorengruppen öfters treffen sollen. Nach dem Treffen im Vorjahr habe ich alle Informationen in einer Handreichung zusammengefasst, inklusive Fachwortschatzlisten, die nach diesem Treffen ergänzt werden sollen.

Wäre es besser, wenn Lehrer aus der deutschen Minderheit selber Lehrbücher schreiben würden, oder sind die übersetzten auch in Ordnung?

A. H.: Eigentlich sind die übersetzten Bücher nicht o.k., weil die Lehrbücher an sich schon schlecht sind. Oft fragt man sich, ob die Autoren und Verleger, die selber Eltern sind, mit ihren eigenen Kindern mit diesen Lehrbüchern auch arbeiten würden, so schlimm ist es manchmal… textlastig, kompliziert, nicht immer eine gute Qualität der Bilder… Wenn wir schon wissen, wie wir es besser machen, sollten wir es auch machen dürfen, aber das können wir nicht schaffen. Ein Autor oder eine Autorengruppe – auch für ein Lehrbuch für die Schulen mit Unterricht in der Sprache der deutschen Minderheit – müsste das Lehrbuch in rumänischer Sprache erarbeiten und sich mit allen anderen Lehrbuchautoren dem Wettbewerb stellen und dann das betreffende Lehrbuch ins Deutsche übersetzen, falls es den Zuschlag erhalten sollte.

R. K.: Laut Gesetz haben die nationalen Minderheiten das Recht, folgende Bücher selber zu schreiben: Muttersprache, Musik, Religion und Geschichte und Tradition der eigenen Minderheit…

A. H.: …aber in rumänischer Sprache dürfen auch unsere Lehrer alle Bücher für alle Klassen verfassen und sie dann vom Ministerium bewerten lassen. Und ich bin sicher, manches könnten wir besser, aber wir haben nicht genug Personen. Und auch wenn sie noch immer übersetzt sein würden, wären diese noch immer bessere rumänische Lehrbücher, denn das Problem ist nicht die Übersetzung, sondern das, was wir übersetzen.

Kann eine Übersetzung also besser als das Original sein?

A. H.: Ja, wenn der Übersetzer gut ist. Man kann kindgerechter übersetzen, klarer und angenehmer, ohne von der Information abzuweichen. Aber oft sind die Lehrbücher so schlecht, dass man gar nichts mehr machen kann.

R. K.: Die Übersetzung muss schon sinngemäß sein, auch wenn sie nicht wortgemäß ist. Man muss so formulieren, dass dies nicht als Änderung des Inhalts ausgelegt werden kann. Wenn wir aber feststellen, dass inhaltlich etwas nicht stimmt, melden wir die Fehler dem Verlag, so dass die rumänische Originalfassung verbessert wird.

Lehrbücher schreiben bringt weder Geld, noch Ruhm. Gibt es trotzdem Interessierte?

R. K.: Jein. Bücher selber zu schreiben ist wahnsinnig schwierig. Doch diejenigen, die bereits daran gearbeitet haben, konnten nach dem ersten Lehrbuch auch andere Kollegen hinzuziehen, und so sollte man das vielleicht machen.

A. H.: Ein Riesenlob an die Deutschlehrerinnen, die die Lehrbücher für das Gymnasium erarbeitet haben. Leider gelingt das nicht für die Grundschule, da gibt es seit vielen Jahren keine neuen genehmigten Deutschbücher, obwohl es weitaus mehr Grundschullehrerinnen als Deutschlehrerinnen gibt. Es gelingt nicht, die Gruppen zu bilden und zu beginnen. Also haben die 2., die 3. und die 4. Klasse kein Deutschbuch, und das ist sehr schade. Vielleicht kommt die neue Generation nach.

Danke für das Gespräch.

 

 

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Bildung.