Die Gewinner sind…

Die Jury des Astrafilm-Festivals hat die besten Filme preisgekrönt

Ausgabe Nr. 2739

Abendvorstellung auf dem Kleinen Ring. Foto: Astrafilm

Acht Tage lang war Hermannstadt die Hauptstadt des Dokumentarfilms. Die 22. Auflage des Astrafilm-Festivals fand vom 5. bis 12. September statt und endete am Sonntag, nachdem einen Tag zuvor die Gewinner des Festivals bekannt gegeben wurden. Seit 1993 wird das Astrafilm- Festival ohne Unterbrechung von dem Mitarbeiterteam um Festivalleiter Dumitru Budrala organisiert. Durch die Pandemie änderten die Organisatoren im vergangenen Jahr das Konzept und zeigten auch heuer die meisten Filme draußen. Leider machten ihnen die herbstlichen Temperaturen am Abend einen Strich durch die Rechnung und nur hartgesottene Zuschauer hielten es bei den Abendvorstellungen draußen (auf dem Kleinen Ring oder im Freilichtmuseum) aus.

Wie dem auch sei, an der Qualität der Filme gab es auch heuer nichts auszusetzen. Es war wirklich für jeden Wissensdurstigen und Filmfan etwas dabei und am Samstag gab die Jury auch die besten Filme bekannt.  Der beste rumänische Dokumentarfilm war heuer „Noi împotriva noastră“, („Wir gegen uns“), in der Regie von Andra Tarara. Es ist ein Film, bei dem Vater und Tochter sich gegenseitig filmen und dabei versuchen, sich selber wiederzufinden. Der Vater leidet an Schizophrenie, die Tochter wirft ihm vor, er sei in ihrer Kindheit nicht für sie dagewesen.

Zur besten rumänischen Regisseurin wurde Olga Lucovnica für ihren Film „Nanu Tudor“ (Onkel Tudor) gekürt. Darin konfrontiert die Regisseurin ihren Onkel mit der Tatsache, dass er sie als Kind missbraucht hat. „Es sind Kindheitserinnerungen, die ich jahrelang verdrängt habe. Ich möchte dadurch darauf aufmerksam machen, dass nicht Fremde, sondern viel öfter Personen aus der Familie Kindern zu nahe treten können. Diese Menschen haben das Vertrauen der Eltern und dadurch das der Kinder“, so Lucovnica.

In der Kategorie „Voci emergente ale documentarului“ (Aufstrebende Stimmen des Dokumentarfilms) gewann der Film „Night Nursery“ (Nachthort) den großen Preis. Der Film des Regisseurs Moumouni Sanou (Burkina Faso) handelt von Sexarbeiterinnen in Burkina Faso, die ihren Nachwuchs in die Obhut von Frau Coda, einer älteren Dame geben, die sich seit Jahrzehnten um Kinder kümmert, deren Mütter nachts auf der Straße ihr Geld verdienen. Dem Filmemacher ist es über die Jahre gelungen, das Vertrauen aller Beteiligten zu gewinnen und einen tiefen Einblick in das Leben von Odile und Farida zu bekommen, die beide auf die Dienste von Frau Coda angewiesen sind. Zärtlich und sehr genau beobachtet er alle Aspekte ihres Lebens, Hausarbeit, Freizeit, intime Momente des Mutterseins, auch ihre Beziehung zu Frau Coda und wie diese ihre Kinder erzieht.

Bester Dokumentarfilm in der Kategorie „Mittel- und Osteuropa“ wurde „Wolves At The Borders“ des tschechischen Regisseurs Martin Páv.  Kurz zum Inhalt: In der Wildnis von Broumov in der Tschechischen Republik wurde der letzte Wolf vor zwei Jahrhunderten erlegt. Wie auch in anderen europäischen Ländern hat seine Wiederansiedlung heftige Debatten zwischen Züchtern und „Ökos” ausgelöst. In Vernéřovice, einem kleinen, von Wäldern umgebenen Dorf, sind Tomas, der skurrile Bürgermeister mit Beschützerinstinkt, Jan, ein konservativer Züchter, Lenka, eine utopische Bäuerin und Jiri, ein fundamentalistischer Naturalist, unablässig auf der Suche nach dem geheimnisvollen und unsichtbaren Tier.

Der Preis in der Kategorie bester Studentenfilm ging an „Senza Latte“ in der Regie von Lidia Ilie. In dem kurzen Film porträtiert die junge Regisseurin ihre 83-jährige Großmutter Aurica, die zusammen mit ihrem Mann in einem rumänischen Dorf lebt. Wie in vielen anderen Familien musste Aurica ihren Enkelsohn alleine großziehen, nachdem seine Eltern vor 20 Jahren zur Arbeit nach Italien gezogen sind und nicht mehr zurückgekehrt sind. Die einzige Kuh im Stall soll verkauft werden, da die beiden Rentner zu alt sind, um sie noch melken zu können. Aurica hofft immer noch, dass ihre Schwiegertochter zurückkehrt, um ihr bei der Hausarbeit zu helfen.

Alle preisgekrönten Filme können für 15 Lei/Film online auf https://www.astrafilm.ro/ro/filme-online noch bis Ende der Woche gesehen werden.  Besonders an dieser Auflage war, dass man Filme aus Rettungsbooten auf dem See im Freilichtmuseum verfolgen konnte. Sogar die frischen Olympiasieger im Rudersport Ancuța Bodnar und Simona Radiș (Goldmedaille im Doppelzweier der Frauen) und Ciprian Tudosă und Marius Cozmiuc (Silbermedaille im Zweier ohne Steuermann) machten mit. Wer einen Film verpasst hat, kann diesen noch bis Sonntag, dem 19. September auf der Homepage des Festivals (astrafilm.ro) ansehen.

Cynthia PINTER


 

Publikumstest bestanden

Die Doku ,,#newTogether“ feierte Weltpremiere beim Astrafilm-Festival

 

Der vom Österreichischen Kulturforum Bukarest produzierte Dokumentarfilm ,,#newTogether“, der in 60 Zeugnissen von Künstlerinnen und Künstlern aus Österreich und Rumänien eine der unerwartetsten und schwierigsten Perioden der jüngeren Geschichte zusammenfasst, wurde im Wettbewerb am Freitag, dem 10. September, als Weltpremiere im Freilichtmuseum gezeigt.

Der stellvertretende Direktor des Österreichischen Kulturforums, Andrei Popov, die Regisseurin Carmen Lidia Vidu, die Filmeditorin Cristina Baciu, die Theaterregisseurin Leta Popescu, die Schauspieler Alina Șerban, Emöke Boldizsar und Christoph Krutzler sowie der Direktor des Österreichischen Kulturforums Thomas Kloiber (v. l. n. r.) stellten sich im Anschluss an die Filmvorführung den Fragen des Publikums.         Foto: Rareș HELICI/AFF

Der Film kam beim Publikum besonders gut an und war eine der meistverkauften Produktionen des Festivals. Im Anschluss konnte das Publikum die Anliegen des Films mit den bei der Premiere anwesenden Vertretern des Projekts, führenden Persönlichkeiten aus Theater und Film aus Österreich und Rumänien, ausführlich diskutieren.

„Ich danke allen, die in diesem Dokumentarfilm auftreten. Für mich bieten sie einen intellektuellen Diskurs, den ich im Kino wirklich brauche”, sagte dabei Carmen Lidia Vidu, die Regisseurin dieses Films, der ein Videoexperiment zusammenfassend darstellt, das vom Österreichischen Kulturforum während des Lockdowns von März bis Mai 2020 durchgeführt wurde.

Festivalsdirektor Dumitru Budrala fand seinerseits, dieser Film sei notwendig, „ein Dokument für die kommenden Jahre, denn wir dürfen nicht vergessen, dass diese Pandemie ebenso wie die Klimakrise, das Hauptthema des AFF 2021, konkrete Lösungen und Anpassungen von uns allen erfordert”.

„Die Qualität, die Dynamik und die Kreativität des Dialogs bei der Premiere in Hermannstadt sind genau das, was wir vom gesamten #newTogether-Kooperationsprogramm zwischen Österreich und Rumänien erwarten, das bis 2023 in verschiedenen Tätigkeitsfeldern laufen wird. Die Partnerschaft mit dem AFF hat die Messlatte sehr hoch gelegt”, erklärte Thomas Kloiber, Direktor des Österreichischen Kulturforums.

Der Film geht auf Tournee und wird bis Ende September in folgenden Orten gezeigt: In Kronstadt (Kulturzentrum Redoute), am 18. September, 20 Uhr, im Festival One World Romania, mit den Autorinnen Elena Vlădăreanu und Dramatikerin Elise Wilk bzw. am 26. September, 19 Uhr, bei den „Rumänischen Filmtagen”, mit  Carmen Lidia Vidu, Cristina Baciu und Schauspieler István Teglás und in Bukarest am 30. September, 19 Uhr, im Nationalmuseum der Rumänischen Literatur.                  

A. P./B. U.

 

 

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Film.