„Das Laub gesammelt aus fünf Herbsten“

Kunst und Deportation – eine Sonderausstellung in Dinkelsbühl

Ausgabe Nr. 2737

Hans Eder: Bauarbeiter.

Die Vernissage der Ausstellung „Das Laub gesammelt aus fünf Herbsten“ hat am 27. August auf der Freilichtbühne am Wehrgang in Dinkelsbühl stattgefunden. Eingeladen waren alle Leihgeberinnen und Leihgeber und alle interessierten Bürgerinnen und Bürger. Die Kunstausstellung wird im Haus der Geschichte in Dinkelsbühl bis zum 26. September gezeigt. Sie ist eine Kooperation des Siebenbürgischen Museums mit dem Haus der Geschichte in Dinkelsbühl und dem Kulturreferat des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland. Sie wird gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, durch den Förderverein des Siebenbürgischen Museums sowie das Kulturwerk der Siebenbürger Sachsen in Bayern.

 

Ute Heiß vom Haus der Geschichte begrüßte die Gäste:  Doris Hutter, stellvertretende Bundesvorsitzende des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Nora Engelhard, Bürgermeisterin von Dinkelsbühl, Dr. Irmgard Sedler, Kuratorin der Ausstellung, Dr. Markus Lörz, leitender Kurator vom Siebenbürgischen Museum Schloss Horneck, Michael Konnerth, stellvertretender Bundesvorsitzender und Vorsitzender der Landesgruppe Baden -Württemberg, Dagmar Seck, Bundeskulturreferentin.

Bürgermeisterin Nora Engelhard begrüßte die Gäste, die extra zur Ausstellung angereist waren, die anwesenden Dinkelsbühler und die Gäste aus Feuchtwangen. Sie wünschte der Ausstellung viel Erfolg und viele interessierte Besucher. Doris Hutter dankte der Stadt Dinkelsbühl und Dr. Irmgard Sedler. Sie wünschte der Ausstellung den gleichen Erfolg und das gleiche Interesse wie der vorhergehenden Ausstellung „…skoro damoi!“

In ihrer Ansprache betonte Dr. Irmgard Sedler, dass  die Deportation ihre Spuren nicht nur in der Literatur hinterlassen hat, sondern auch in der Bildenden Kunst. Stellvertretend für die Künstler, die sich dem Thema gewidmet haben, zeigt die Ausstellung Werke von Hans Eder, (1883-1955),  Karl Brandsch (1900-1978), Friedrich von Bömches (1916-2010), Eva-Maria Scheiner, Harald Meschendörfer (1909-1984), Peter Jacobi (geb. 1935).

Dr. Irmgard Sedler bei ihrer Ansprache.    Foto: Werner SEDLER

Karl Brandsch Friedrich von Bömches und Eva Maria Scheiner teilten das Schicksal mit 70.000 anderen jungen Menschen. Sie wurden 1945 in die Sowjetunion verschleppt. Sie lebten in Arbeitslagern im Dombass, Ural, Sibirien. Sie kämpften um ihr Leben, gegen Hunger und Erschöpfung. Sie litten unter dem Verlust der Selbstbestimmung und als Künstler unter der Grausamkeit der „künstlerischen Entmündigung“. Nach ihrer Heimkehr konnten die Deportierten erst nach vielen Jahren von den Leiderfahrungen, von dem Lagerleben sprechen.

In vielen Fällen sicherten die offiziellen und privaten Auftragsarbeiten den Künstlern das Überleben. So musste Karl Brantsch nach Fotografien Marschallköpfe anfertigen. Einige davon werden in der Ausstellung gezeigt. Außerdem brachte Karl Brantsch aus der Deportation Landschaftsstudien mit, die seinem künstlerischen Anspruch entsprachen.

Eva Maria Scheiner konnte erst in den 1960er Jahren das Thema Deportation in ihren Werken darstellen, wie im Linolschnitt „1945… im Lager“, oder „Die Auferstehung von den Toten III“.

Die Bilder „Stacheldraht II“, ,,Kreuzabnahme“ von  Friedrich von Bömches, in denen er die erlebte Grausamkeit und das unendliche Leid darstellt, gehören zu seinem Spätwerk.

Ein zweites Thema der Ausstellung stellt die Umdeutung der Deportation durch die Rumänische Arbeiterpartei  in den Vordergrund. Die Heimkehrer mussten in Literatur und Kunst als heldenhafte Aufbauarbeiter dargestellt werden. Die Kontrolle der Kunst durch die Politik bestimmte ab 1945 die Kunstszene. In diesem Zusammenhang entstanden die Gemälde „Heimkehr“ von Harald Meschendörfer oder ,,Bauarbeiter“ von Hans Eder.

Auch jüngere Künstler, wie Peter Jacobi, setzten sich mit dem Thema Deportation auseinander, so im Kunstwerk „Fufoaica“.

Zwei Musiker umrahmten mit ihren Eigenkompositionen die Veranstaltung.

Im Anschluss führte Dr. Markus Lörz jeweils kleine Gruppen durch die Ausstellung.

Ab 10. Dezember d. J. kann die Ausstellung im Siebenbürgischen Museum Gundelsheim besichtigt werden. Der Ausstellungskatalog wird im Dezember erscheinen. Weitere Ausstellungen sind in Berlin und im Brukenthalmuseum geplant.

Gerlinde SCHULLER

 

 

 

 

 

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Kunst.