Begeistertes Publikum

Das Internationale Hermannstädter Theaterfestival endete mit einem Feuerwerk

Ausgabe Nr. 2737

,,Ignis“ nannte Ida Blažičko (Kroatien) ihre Textile Skulptur, die auf dem Kleinen Ring zu sehen war. Keine Angst: Der Ratturm steht immer noch dort, das Theaterfestival ist vorbei.       Foto: Beatrice UNGAR

Mit einem spektakulären Feuerwerk auf dem Theater-Parkplatz endete das Internationale Hermannstädter Theaterfestival am Sonntag, dem 29. August, so wie es begonnen hatte. Die 28. Auflage war wie erwartet ein Erfolg, vor allem da das Festival im Jahr der Pandemie 2020 nur online stattgefunden hatte. Künstlerinnen und Künstler aus allen Ecken der Welt besuchten diese Woche die Stadt am Zibin, um ihr Talent auf der Bühne zu präsentieren.

Jeden Tag fanden Theater-, Zirkus- und Tanzvorstellungen, sowie Konzerte und Ausstellungen innen wie draußen von morgens bis spät nachts statt.

Hatte man das nötige Geld – denn eine Eintrittskarte kostete zwischen 30-150 Lei – so konnte man täglich mehreren Vorstellungen beiwohnen.

Eine besondere Tanzdarbietung war am Mittwochabend, dem 25. August in der Kulturfabrik unweit des Rangierbahnhofs zu sehen: „Outwitting The Devil“, in der Regie des bekannten britischen Choreografen Akram Khan. Letzterer fand Inspiration im neu entdeckten Fragment des babylonischen Gilgamesch-Epos (die älteste Version wird zwischen 1800 bis 1595 v. Chr. datiert), einem der ältesten überlieferten Werke der Weltliteratur. Inhalt dieses Fragments ist eine von Gewalt geprägte Episode im Leben des jungen Gilgamesch, das von seinem älteren, sterbenden Ich gelesen und erinnert wird. Im Zentrum der Erzählung steht die Geschichte von Gilgameschs Domestizierung durch den wilden Mann Enkidu und seiner Freundschaft mit ihm, ihrer gemeinsamen Reise in den riesigen Zedernwald, der Heimat wilder Wesen und Geister, und das Abschlachten dessen Hüters Humbaba. In einer Landschaft aus zerstückelten Tontafeln und gefallenen Götzen bewegen sich die sechs Tänzerinnen und Tänzer der Akram Khan Company als Götter, Menschen und Tiere auf Gilgameschs Spuren. Eine wirklich sehenswerte Tanzvorstellung, die mit minutenlangem Stehapplaus vom Hermannstädter Publikum belohnt wurde.

Andi Vasluianu (links) und Ada Simionică in dem Theaterstück „Vrăjitoarele din Salem“.                                 Foto: Dragoș DUMITRU

Begeistert war das Publikum auch am Freitagabend, dem 27. August, von dem dreistündigen Theaterstück „Vrăjitoarele din Salem“, deutsch „Hexenjagd“, von Arthur Miller, des „Toma Caragiu“-Theaters aus Ploiești. Regie führte Vlad Cristache. Das Drama „Hexenjagd“ (Originaltitel: The Crucible) schildert eine historische Begebenheit aus den Anfangsjahren der US-amerikanischen Geschichte: In der Stadt Salem im heutigen Bundesstaat Massachusetts kam es 1692 zu einer Jagd auf vermeintliche Hexen. Vorangetrieben durch den strengen Puritanismus in Neuengland setzte eine massenhafte Verfolgung Unschuldiger ein. Das Stück spielt von Frühjahr bis Herbst jenen Jahres. Protagonisten sind die siebzehnjährige Abigail Williams und ihr früherer Liebhaber John Proctor, die von Anca Dumitra und Andi Vasluianu, zwei sehr bekannte rumänische Schauspieler, interpretiert wurden. Premiere hatte die eindrückliche Inszenierung am 9. März 2019 in Ploiești.

Ebenfalls am Freitagabend fand die Gala der Verleihung der ,,Sterne“ auf dem Walk of Fame, der Ruhmesmeile an der Oberen Promenade, in der Harteneckgasse statt. Diesmal wurden sieben neue Sterne vergeben an: Denis O’Hare, Jan Lauwers, Israel Galván, Akram Khan, Helmut Stürmer, Charlotte Rampling und Yoshi Oida.

Die Preisträger und Vertreter des Festivals bei der Verleihung der Sterne auf dem Walk of Fame im Harteneckpark.                                                                                                                       Foto: Sebastian MARCOVICI

Am Wochenende waren die meisten Theateraufführungen ausverkauft. So auch am Samstag das Musical „Familia Addams“, (Die Addams Familie) des „Excelsior“-Theaters aus Bukarest. Das Stück von Marshall Brickman und Rick Elice war eine gute Unterhaltung sowohl für Kinder als auch für Erwachsene. Kurz zum Inhalt: Die exzentrischen Addams leben in einer Villa im New Yorker Central Park – und dort spukt es ganz gewaltig. Das eigentliche Problem ist jedoch: Tochter Wednesday will den Sohn einer durchschnittlichen Familie heiraten. Bei einem gemeinsamen Dinner nehmen die Dinge ihren chaotisch-gruseligen Verlauf, doch es gibt ein Happy End.

Gute Unterhaltung für Groß und Klein gab es beim Musical „Familia Addams“, am Samstagabend.Foto: Cynthia PINTER

Die 28. Auflage des Internationalen Hermannstädter Theaterfestivals, das vom Radu Stanca-Nationaltheater organisiert wurde, endete am Sonntagabend mit einem Konzert der Klausenburger Rockband „Grimus“ auf dem Großen Ring und einem beeindruckenden minutenlangen Feuerwerk, das auf dem Theater-Parkplatz gezündet wurde.

Cynthia PINTER 

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