Die lokale Gemeinschaft eingebunden

Journalisten bei Markierungsaktion im ,,Land der Hirtenhütten“

Ausgabe Nr. 2736

Interessiert sehen die Hirtenhunde den Volontären beim  Bepinseln der Bäume zu.Foto: Werner FINK

Aus Anlass der Veröffentlichung des Leitfadens zum Anlegen von Wanderwegen und Fahrradwegen in der Gebirgs- und Hügellandschaft des Kreises Hermannstadt (Ghidul de Bune Practici pentru Amenajarea Traseelor de Drumeție Pedestră și de Cicloturism în Zona Montană și Colinară în Județul Sibiu) lud das Team des Programms  „Anii Drumeției” in dessen Rahmen der Leitfaden entstanden ist, Journalisten ein, am 10. August d. J. an der Markierungsaktion eines Wanderweges teilzunehmen. Die Journalisten durften sich dabei als Volontäre aktiv an der Markierung beteiligen. „Anii Drumeției“ (Wanderjahre) ist ein Programm, das von dem Hermannstädter Kreisrat initiiert  wurde, wobei ein Ziel die Förderung des  Ökotourismus ist.

 

Am Morgen des 10. August wurden die Journalisten nach Râu Sadului, zur Pension Casa cu Poveștigebracht, wo sie einen Schnellkurs betreffend Markierungen von Wanderwegen absolvierten. Dann durften sie, in zwei Mannschaften verteilt, Pinsel und Farbe in die Hand nehmen und sich auf den Weg machen. Es ging den Pfad der neben der Pension mündete 2,5 Kilometer entlang bis zu einer Holzhütte, wo sich allen eine wunderschöne Aussicht bot. Auf dem Weg hinauf wurde der weiße runde Hintergrund an bestimmte Stellen des zukünftigen Wanderweges hingemalt und auf dem Rückweg der gelbe Punkt in die Mitte des weißen Hintergrundes. Der gelbe Punkt wird eher für sekundäre Wanderwege benutzt, wie es hier in der Hügellandschaft von Râu Sadului der Fall war. Der neu markierte Weg führt nun  bis zu einem anderen Wanderweg, der zwischen dem Götzenberg/Măgura Cisnădiei und der Hohen Rinne verläuft.

Oben vor der Hirtenhütte erwartete alle ein fabelhaftes Panorama und Cristian Cismaru, der für alle Teilnehmenden einen Imbiss vorbereitet hatte.Foto: Werner FINK

„Die Markierungen wurden bislang von gutgesinnten Volontären gemacht, es gab allerdings kein einheitliches Verfahren“, erklärte Sergiu Olteanu, Koordinator des Programms „Anii Drumeției“. U. a. möchte man auch Schilder mit zusätzlichen Informationen an den Anfang eines jeden Wanderweges montieren. „Beim Anlegen eines jeden neuen Wanderweges wird nun irgendeine Attraktion gesucht, wie diese Hütten hier“, sagte Olteanu.

„Damit die Wege attraktiv sind, suchen wir in der Gegend Inhalte für die Wanderwege. Wir versuchen das so einzurichten, dass sich die Hermannstädter und Personen, die aus anderen Kreisen kommen, sich auf diesen Wanderwegen wohl fühlen“, sagte Cristian Cismaru von My Transylvania und Mitglied des Teams. An Initiative fehle es in Râu Sadului nicht, denn bereits seit  mehreren Jahren werden hier Projekte über die Kulturagenda gefördert. Vor acht Jahren wurde in Râu Sadului beispielsweise das Projekt „Picnic în Cindrel“ gestartet, bei dem Kindergruppen die Pflanzenwelt entdecken durften. „Nach einigen Jahren, in denen dieses Angebot funktioniert hat, entstand die Idee, nicht nur die Kinder, sondern auch die Erwachsenen einzubinden“, meinte Cismaru. Und so kam vor vier Jahren der Berglaufwettbewerb „Burduf Challenge“ zustande.

So sieht der für Touristen eingerichtete Dachboden aus.Foto: Werner FINK

Um das Dorf Râu Sadului herum gibt es eine auf vier Berge verteilte Hügellandschaft mit Hütten. „Ein Projekt, das wir uns für diese Gegend gedacht haben, das mit der Gemeinschaft aus Râu Sadului gemeinsam durchgeführt werden soll, heißt ,Țara Colibelor‘ (das Land der Hütten)“, erzählte Cismaru. ,,Die Idee war, dass wir versuchen,  den Besuchern den Zugang zu diesen Hütten zu ermöglichen, wo die Ortsansässigen  im Sommer Heu machen und wo sie mit den Tieren die Zeit von April bis Oktober verbringen.“ In diesem Sinne wurde bereits eine Hütte, die sich am Ende des neu markierten Wanderweges befindet, und welche die Gruppe besuchte, bereits in das Projekt eingebunden. Hier wurde ein Teil des Dachbodens so eingerichtet, dass Touristen da übernachten können. Geachtet wurde dabei darauf, dass das originale Aussehen der Hütte nicht verändert wird und dass mit Materialien aus der Gegend gearbeitet wird. Dabei sind z. B. die Matratzen mit Heu gefüllt.  Das Gesamtbudget zur Renovierung und Einrichtung des Aufbodens betrug 7.000 Euro, das auch die Bezahlung der Arbeiter sowie die Verpflegung für 14 Tage beinhaltete.  5000 Euro spendete der Rumänische Architektenorden und 2.000 Euro steuerten verschiedene Stiftungen bei. Der Besitzer der Holzhütte ist weiterhin Daniel Minea, der amtierende Bürgermeister von Râu Sadului. Anhand dieses Modells sollen auch andere Hütten für Touristen bereitgestellt werden. Für zwei Hütten ist bereits die Finanzierung vorhanden.  Insgesamt möchte man acht Hütten auch für Touristen nutzbar machen.  Den Touristen soll dabei ermöglicht werden, an verschiedenen lokalen Aktivitäten teilzunehmen. Z. B. dürfen sie dann Hirten und Schafe begleiten.

Das Ziel ist nämlich, die lokale Gemeinschaft einzubinden, die sich durch lokale touristische Angebote Attraktivität verschaffen soll. Das Feedback der Ortsansässigen soll bislang sehr positiv sein. Ein weiteres  Ziel ist es, die Ortsansässigen zu motivieren, weiterzumachen, vor allem durch die Belebung der Gegend durch Touristen und den Erhalt der  Kulturlandschaft. Vor allem unter den jungen Leuten soll es gegenwärtig an Motivation fehlen, weiterzumachen.

„Anii Drumeției möchte nun dieses Konzept im ganzen Kreis voranbringen, einerseits um den Wert des Naturerbes durch Wanderwege hervorzuheben, andererseits kulturell über die Tätigkeit der Menschen vor Ort“, sagte Cismaru.

Werner FINK

 

Veröffentlicht in Aktuelle Ausgabe, Tourismus.