„Unbequeme Schönheiten“

Ein neues Buch von Björn Reinhardt

Ausgabe Nr. 2730

Björn Reinhardt: Unbequeme Schönheiten. Roman, Erster Teil, MuraMara Selbstverlag, 2021, 365 Seiten, Bestellungen unter weintal@gmail.com

Björn Reinhardt ist ein 1963 in Berlin/Weißensee geborener deutscher Regisseur, Fotograf und Schriftsteller. Von 1990 an arbeitete der studierte Bühnen- und Kostümbildner für etwa 10 Jahre als Bühnenbildner an verschiedenen Theatern und Opernhäuser, so steht es zu lesen bei Wikipedia. Was hat das alles mit seiner im April 2021 vorgelegten Autobiographie  „Unbequeme Schönheiten“ zu tun? Eine ganze Menge! Das „Bühnenbild“ seines Romans bieten die grandiosen Landschaften und die Vielfältigkeit der Menschen in Rumänien.

 

„Unbequeme Schönheiten“ ist ein Roman von Björn Reinhardt, in dem man seine Begeisterung und seine Liebe zu Rumänien, aber auch das Erstaunen über die Andersartigkeit Rumäniens spürt.

In einem Interview, das er der Hermannstädter Zeitung  (erschienen in der Ausgabe Nr. 2623 vom 10. Mai 2019 unter dem Titel ,,Aufhören stand nie zur Debatte“) gewährt hat, drückte er Andersartigkeit so aus: Per Definition könne sich Andersartigkeit in Form von anderen Moralvorstellungen, Sprachen,  sozialem Status oder Religion zeigen. In Rumänien begegnet er aber einer schwerer zu definierenden Andersartigkeit, die er auf eine, in Teilen des Landes, oft lange isolierte Lebensweise zurückführt.

Das ist der Hintergrund, das Bühnenbild, in welchem Björn Reinhardt seinen Roman den Lesern präsentiert. Dabei bildet die archaisch schöne Maramuresch, die im Norden Rumäniens gelegene Berglandschaft,  mit ihren gastfreundlichen aber auch gewitzten Bewohnern eine der Zutaten zu den teils skurrilen und abenteuerlich anmuteten Geschichten, die uns Björn Reinhardt in seinem autobiographischen Roman präsentiert.

Es sind  Geschichten, die mit einem „Augenzwinkern“, aber auch mit einer universellen philosophischen Fragestellung über das Leben in seiner Einfachheit, aber auch über seine sich immer wieder bietenden Überraschungen zu tun haben.

Siebenbürgen, welches ein weiteres ,,Bühnenbild“ darstellt, einst als „Süße Heimat“ empfunden, begeistert den Autor in einer Weise, dass eine fast schon magische Kraft auf den Leser übergeht. Die Hoffnungen der Menschen in Siebenbürgen, die der Autor anhand einiger Geschichten aus diesem vielfältigen und faszinierenden Lebensraum in Rumänien beschreibt, basieren auf der Zeit, bevor der Exodus der Siebenbürger Sachsen diese zunichte machte.

Man ist als Leser erstaunt, wie gut und wie nahe Björn Reinhardt den Menschen bei seinen Beobachtungen kommt. Wie sonst könnte er den Unterschied zwischen den Menschen in der Maramuresch und in Siebenbürgen damit beschreiben, dass er, der Unterschied,  eigentlich darin besteht, dass in Siebenbürgen beide ,,Gastgeber“ mit am Tisch sitzen, gemeinsam mit ihren Gästen. Ja und dass die Trinkgläser nicht randvoll geschüttet werden und trinken als Nötigung missverstanden wird.

Der Rezensent möchte nicht zu viel verraten zu diesem sehr gelungenen, tiefgründigen und auch humorvollen Buch. Aber doch neugierig machen: So sei hier noch auf die äußerst beeindruckende Erzählung über ,,Heimat“, im Roman aufbauend auf die Geschichte von Johann Hopprich, hingewiesen. Er, Hopprich, war, so lesen wir, der bescheiden daher kommende Kirchendiener von Neudorf, der den Kirchenschlüssel bewacht. Eingeladen  war unser  Erzähler zum Abendessen bei Johann Hopprich, dessen Tisch gedeckt war mit einem im eigenem Ofen gebackenen ,,Sachsenbrot“, einem Streifen weißen Specks vom eigenen Schwein und einer gut gefüllten Glaskaraffe mit im Eichenfass gereiftem ,,Sachsenwein“! Nach dem einige Zeit an der reich gedeckten Tafel vergangen war, berichtete der Kirchendiener Johann, in seiner von überflüssigem Ballast befreiten Sprache, davon, was ihn bewegt. Der Schmerz über die Ausreise seiner Landsleute aus dem Land, welches die Vorfahren in mühevoller Arbeit geschaffen und verteidigt haben, beeindruckt den Leser nachhaltig. Die Begriffe Heimat und  Sprache bekommen eine Erklärung, die authentischer nicht beschrieben werden können. Ich kann mit gutem Gewissen nur jede/n interessierte/n Leserin oder Leser dazu ermutigen, sich einzulassen auf „Unbequeme Schönheiten“ und  ihm/ihr versprechen, dass sie danach mit Spannung auf den zweiten Teil des Romans warten werden.

Lothar SCHELENZ

 

Anmerkung der Redaktion: Der Film zum Buch – ,,Unbequeme Schönheiten“ – liegt auch schon vor, dauert 77 Minuten und kann ebenfalls unter der E-Mail-Adresse weintal@gmail.com bestellt werden. Der Autor schreibt dazu: ,,Dem Autor des Romans lagen die ,Zutaten‘ für seinen Film bereits auf dem Tisch, denn seit seiner Übersiedlung nach Rumänien 2001 begann auch seine Filmarbeit und der Aufbau des ,Maramures-Filmarchivs‘.

 

 

 

 

 

 

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