,,Das Wichtigste: Die Sozialisierung”

Vom 27. Juni bis 4. Juli d. J. fanden die 12. Hungarikum-Tage statt

Ausgabe Nr. 2730

Cornel Ciurea und sein Sohn Florin Alexandru Ciurea vom Team Haiducii Sibiului nehmen den ersten Preis in der Kategorie traditioneller Gulasch entgegen. Fotos: Werner FINK

Zwischen dem 27. Juni und 4 Juli fand die 12. Auflage der Hungarikum-Tage in Hermannstadt statt. Von Konzerten, Vernissagen, Werkstätten, Volkstanzvorstellungen bis hin zum Gulaschkochwettbewerb, dem Höhepunkt der Hungarikum-Tage, gab es auch dieses Mal ein reiches Programm. Das Festival war trotz des manchmal launigen Wetters gut besucht, denn während dieser Zeit registrierte das Freilichtmuseum zwischen Montag und Sonntag insgesamt 6962 Besucher.

Das Borbély-Dresch Quartet

Eröffnet wurde das Festival bereits am Sonntag der Vorwoche.  „Unser Festival im Herbst  2020 konnte nur online abgehalten werden. Aus meiner Sicht kann nichts die Freude ersetzen, eine Veranstaltung live zu erleben”, sagte  Hauptveranstalter Levente Serfőző und Vorsitzender des HID-Vereins im Rahmen der offiziellen Eröffnung im Thalia-Saal. Der Verein veranstaltet nämlich jedes Jahr zwei Festivals: das Ars Hungarica im Herbst und die Hungarikum-Tage im Sommer. Die Sozialisierung sei dabei das Wichtigste für die Menschen. Die Freude, die persönliche Treffen mit sich bringen, die gemeinsamen Aktionen sind durch nichts ersetzbar. Das ist meine Erfahrung”.  Begrüßt wurden die Gäste auch von Szabó Lilla, Präsidentin des ungarischen Verbands der Festivals aus Siebenbürgen. Anschließend folgte das Konzert der Borbély-Dresch Quartet,  das vor allem von der „Ethno-Jazz“ Musikrichtung geprägt war, wobei Motive aus der ungarischen Volksmusik eingebaut waren. Zum ersten Mal dauerten die Hungarikumtage ganze acht Tage lang. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag gab es sieben Werkstätten für die Interessenten im Freilichtmuseum und ab Donnerstag boten im Rahmen des Handwerkermarktes etwa  70 Handwerker ihre Produkte an.

Im Rahmen der Hungarikum-Tage gab es dieses Mal eine Reihe von Veranstaltungen, die zugleich als Veranstaltungen des Kultivál, des Jugendfestivals aus dem Karpatenbecken fungierten. Dieses wird  jedes Jahr in einer anderer Region des Karpatenbeckens abgehalten. Eine solche Veranstaltung war die „lebendige Bibliothek“ wo die Anwesenden die Möglichkeit hatten die Erfahrungen und Sichtweisen von Vertretern verschiedener Minderheiten kennenzulernen. Zu Wort kamen Vertreter der siebenbürgisch-sächsischen, der lipowaner, jüdischen und ungarischen Gemeinschaften.

Mehrere der Vertreter gingen auf die Bezeichnung „Minderheiten“ ein. Das klinge eher wie „Wenigerheit“, meinte man spaßeshalber.  „Ich glaube, es gibt nebeneinander lebende nationale Gemeinschaften“, meinte der Museologe Demeter László.

„Angehörige der jüdischen Gemeinschaft umgehen es, sich als solche zu identifizieren, ich aber dagegen öffne mich“, verriet die Vertreterin der jüdischen Gemeinschaft. Auf die Frage, warum dies so sei, antwortete sie: „Es ist eindeutig, dass sie nicht allzu angenehme Erfahrungen gemacht hatten in der Vergangenheit. Vor kurzem waren es 80 Jahre seit dem Progrom von Jassy. Das Schockierende dabei war, dass Nachbarn und Freunde über Nacht zu Feinden geworden sind“. Die Einstellungen auf beiden Seiten würden sich dabei von Generation zu Generation weitervererben.

Unter anderem wurde auch das Problem der gegenseitigen Assimilation angesprochen. Dies sei ein allgegenwärtiges Phänomen in der Welt, meinte Szémán Péter, der Vorsitzende des siebenbürgisch-ungarischen Kulturvereins EMKE. „Der Einfachheit halber tendieren die Angehörigen einer Minderheit, sich der Mehrheit anzupassen“.

Weiterhin war Demeter der Meinung, dass nach der Wende die interethnischen Beziehungen bedeutend besser geworden seien. Es gebe immer mehr inter-
ethnische Veranstaltungen. ,,Ich bemerke, dass die rumänische Gemeinschaft, aber auch andere Gemeinschaften sich immer offener gegenüber der ungarischen Kultur zeigen“, freute er sich.

Chefbibliothekarin Lázok Klára und Bibliothekar László Lóránt von der Teleki-Bolyai-Bibliothek aus Neumarkt bzw. H. Szabó Gyula, Direktor des Kriterion-Verlags, präsentieren drei Bücher: Graf Sámuel Telekis Tagebuch über seine Studienreisen, das Rezeptbuch seiner Frau Gräfin Zsuzsanna Bethlen und ein Buch über die Baronin Kata Wesselényi. Anschließend durften die Anwesenden Pasteten verkosten, die anhand des Rezeptbuches zubereitet wurden und dazu auch einen siebenbürgischen Schnaps trinken.

Der Höhepunkt der Hungarikum-Tage war wie immer der Gulaschkochwettbewerb am Samstag mit dem lang ersehnten Augenblick der Preisverleihung im Anschluss. Es kochten insgesamt 27 Mannschaften von denen 24 am Wettbewerb teilnahmen. In diesem Jahr konnten die Teilnehmer in den zwei Kategorien „traditioneller Gulasch“ und „andere ungarischen Gerichte“ gegeneinander antreten. Für die vierköpfige Jury die aus erfahrenen Köchen bestand war das Vergeben der Punkte keine einfache Aufgabe. „Es ist schwierig zu entscheiden wer die Besten sind, weil die Gerichte alle sehr ähnlich sind“, meinte eines der Jurymitglieder. Kein Wunder, dass da gleich mehrere Mannschaften auf gleichen Plätzen landeten. In der Kategorie andere ungarischen Gerichte ging der erste Preis an die Mannschaft Csipero aus Kecskemét, auf Platz zwei landete Máté Manufaktura aus Hermannstadt, ebenfalls auf Platz zwei die Mannschaft der Fleischer aus Nicolești, auf Platz drei „Hudea 4“ aus Hermannstadt.

In der Kategorie „traditioneller Gulasch“ ging der erste Preis an „Haiducii Sibiului“, der zweite Preis an „D&D Gulyás“, der dritte Preis an „Sare și Piper“, die Mannschaft des Astramuseums und ein weiterer dritter Preis an Dupla Z.

„Wir haben nicht daran gedacht, dass wir gewinnen werden“, freute sich Ciurea Florin Alexandru aus Talmesch von der  Mannschaft „Haiducii Sibiului“ der zum ersten Mal an diesem Ereignis teilnahm. Als Gehilfen hatte er seinen Vater zur Seite. „Wir haben rumänische Produkte von Bauern am Markt gekauft, inspiriert habe ich mich von einem ungarischen Rezept“, sagte Ciurea, der als Koch im Hotel Ramada arbeitet. Extra für dieses Ereignis buk er sogar ein eigenes Brot.

Musikalisch untermalt wurde das Festival am Samstag von dem Ensemble Operettissimo, das ungarische Operettenarien und Lieder zum Besten gab. Ungarische Volkstänze zeigte das Ensemble Hajdina aus Luduș.

Seit fünf Jahren wird im Rahmen der Hungarikum-Tage auch am Tag nach dem Gulaschkochwettbewerb, am Sonntag, Gulasch gekocht und angeboten. Eingeladen werden dabei erfahrene Köche, die meist am Tag davor auch in der Jury dabei sind. Dieses Mal wurde am Sonntag in sechs Kesseln Gulasch gekocht.

Eine lange Schlange bildete sich vor dem Stand des „Gulyás Master“ wo ein Gulasch mit Rind- und Schweinefleisch zu bekommen war. Es war der Stand von Dull Zsolt, der ab Januar dieses Jahres einen Imbisswagen in Hermannstadt betreibt, wo er Gulasch anbietet. In der Küche hatte es ihm schon als Jugendlicher sehr gut gefallen, wo er seiner Mutter immer aushalf. Er lernte zwar Informatik auf der Hochschule und 14 Jahre lang arbeitete er im Handel, vergangenes Jahr im Juli entschloss er sich allerdings dazu seinen Arbeitsplatz aufzugeben und selbstständig zu werden. Er kaufte einen Imbisswagen und gründete die Firma. Meistens ist er an Arbeitstagen an der Ausfahrt nach Mediasch zu finden und an Wochenenden auf Veranstaltungen. Weitere Infos unter gulyasmaster.ro

Und während man seinen köstlichen Gulasch am Tisch genoss, wurde gleichzeitig die Stimmung durch das von dem Sárik Péter Trió und Falusi Mariann gebotene Jazzkonzert aufgeheitert.

Werner FINK

 

 

 

 

 

 

 

 

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