Nur eine kurze Geschichte in Rumänien

Erste wissenschaftliche Studie über die Deutschen in der Dobrudscha

Ausgabe Nr. 2721

Josef Sallanz: Dobrudscha. Deutsche Siedler zwischen Donau und Schwarzem Meer,  Mit zahlreichen farbigen und Schwarz-Weiß-Abbildungen, ausführlichen Registern und Karten. Potsdam, Verlag des Deutschen Kulturforums östliches Europa 2020, 350 Seiten, ISBN 978-3-936168-73-0.

Die von dem ausgewiesenen Sozialwissenschaftler Josef Sallanz verfasste Monographie ,,Dobrudscha. Deutsche Siedler zwischen Donau und Schwarzem Meer“, die vor kurzem im Verlag des Deutschen Kulturforums östliches Europa in Potsdam erschienen ist, ist den rund 16.000 Deutschen aus der Dobrudscha gewidmet, die größtenteils 1940 ins Deutsche Reich umgesiedelt wurden. Die Gruppe hatte nur eine kurze Geschichte in Rumänien und bestand größtenteils aus Bauern, die wenige schriftliche Zeugnisse hinterlassen haben.

Sallanz beschreibt die drei Siedlungsphasen, in denen zwischen 1841 und 1892 deutsche Kolonisten vor allem aus Bessarabien und Neurussland in die Dobrudscha zogen. Nachdem Rumänien das vormals osmanische Gebiet durch den Berliner Kongress 1877 zugesprochen bekommen hatte, förderte die Regierung die Besiedlung, da einige Muslime weggezogen waren. Die kinderreichen Familien der Kolonisten konnten bis 1882 problemlos Land für Tochtersiedlungen erwerben. Dann wurde ein Gesetz erlassen, das Landerwerb nur Personen erlaubte, die sich bereits zehn Jahre in Rumänien aufhielten. 1894 betrug der Anteil der Deutschen an der Gesamtbevölkerung nur 2,8 Prozent. Die Mehrheit mit 44 Prozent stellten die Rumänen, gefolgt von 17 Prozent Bulgaren, 12,1 Prozent Tataren, 11,3 Russen (Lipowaner) und vielen kleineren Ethnien.

1913 entstand der erste politische Verein der Deutschen, der sich dafür einsetzte, dass alle die rumänische Staatsbürgerschaft erhielten. Als Rumänien 1916 an der Seite der Entente in den Krieg eintrat, wurden einige Deutsche interniert. In der Zwischenkriegszeit gab es nur in Konstanza eine deutsche Schule. Die verstreute Siedlungsweise und das Zusammenleben mit sehr vielen ethnischen Gruppen machte den Aufbau von deutschen Privatschulen unmöglich. Zudem mangelte es an Geld, denn durch die Agrarreform nach 1921 verloren Großbauern mit über 100 Hektar viel Land. Einige deutsche Landarbeiter erhielten kleine Parzellen unter 5 Hektar und produzierten nur das, was ihre Familie benötigte. Erst 1924 wurde der „Verband rumänischer Staatsbürger deutscher Abstammung in der Dobrudscha“ gegründet. Er schloss sich 1931 dem landesweiten Verband der Deutschen an. Seit 1934 war Johannes Klukas Volksratsvorsitzender. Der berichtete später, er habe die Fraktionskämpfe zwischen den beiden Strömungen der Nationalsozialisten, die in anderen Gebieten tobten, verhindert. Die wenigsten Leute in der Dobrudscha hätten den Streit verstehen können. Klukas befürwortete die Vorumsiedlung von verarmten und landlosen Deutschen aus der Dobrudscha. Im Herbst 1939 besprach er die Umsiedlung aller Deutschen mit dem Chef der Volksdeutschen Mittelstelle. Am 22. Oktober 1940 wurde der Umsiedlungsvertrag abgeschlossen, Rumänien brauchte Land für Flüchtlinge aus abgetretenen Gebieten. Besonders die reichen Bauern wollten nicht weg, doch es wurde auf sie Druck ausgeübt. Viele Bauern waren nach der Umsiedlung unzufrieden, weil ihre Dorfgemeinschaften nicht gemeinsam angesiedelt werden sollten. 88 Männer baten Anfang 1942, nach Rumänien zurückkehren zu dürfen. Diese kamen in Konzentrationslager, woraufhin sie sich mit der Zerstreuung abfanden. Sie wurden in Böhmen, Lothringen, der Untersteiermark und im Wartheland angesiedelt, dafür wurden Einheimische enteignet. Die in Polen und Böhmen Angesiedelten flohen zumeist 1945 vor der Roten Armee, einige wurden nach Rumänien zurückgeschickt. Sallanz widmet sich auch der kleinen Gruppe der Deutschen aus der bulgarischen Süddobrudscha, die zwischen 1941 und 1943 umgesiedelt wurde.

In den westlichen Besatzungszonen entstand 1950 die „Landsmannschaft der Dobrudschadeutschen“. Sie setzte sich besonders für den Lastenausgleich ein, dessen Auszahlung ermöglichte den Umsiedlern einen neuen Start. Das Buch enthält außer einer gut lesbaren Darstellung der Geschichte der Deutschen auch Beschreibungen ihrer Wirtschaftsformen, des kirchlichen Lebens, der Trachten und Bräuche. Im Schlusskapitel werden die anderen Bevölkerungsgruppen des Gebietes kurz vorgestellt. Eine umfangreiche Literaturliste ermöglicht die Vertiefung. Der Band enthält sehr viele Fotos, wodurch der Leser einen sehr guten Einblick in die Lebenswelt dieser Gruppe bekommt.

Bestellen kann man das Buch, das eigentlich zunächst auf der Leipziger Buchmesse 2020 vorgestellt werden sollte (die Leipziger Buchmesse 2020 fand bekanntlich online statt) u. a. beim Bessarabiendeutschen Verein e. V. in Stuttgart unter https://www.bessarabien.de/shop/_k2/dobrudscha–deutsche-siedler-zwischen-donau-und-schwarzem-meer–652.php

Dr. Mariana HAUSLEITNER

 

 

 

 

 

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