„Von der Katze im Sack auf den Hund gekommen“

XXIV. Internationale Tagung der Kronstädter Germanistik fand online statt

Ausgabe Nr. 2718

Einige der Teilnehmenden, die am Schluss der Tagung zugeschaltet waren. Screenshot:  Ioana DIACONU

Im virtuellen Raum fühlten sich die rund 30 Teilnehmenden an der XXIV. Internationalen Tagung der Kronstädter Germanistik, eine Online-Veranstaltung zum Thema „Von der Katze im Sack auf den Hund gekommen. Das Tier und sein Mensch in Kultur, Kunst, Literatur und Sprache“, die am 9. April 2021 auf der E-Plattform der Transilvania-Universität Kronstadt stattfand, wie Fische im Wasser.

 

Auf den Hund gekommen war man natürlich nicht im Sinne der Redewendung, sondern dieses Mal war es so, dass man sich von einem literarischen Werk zum anderen, von linguistischen zu kunstgeschichtlichen und anderen Studien vorarbeitete, immer auf der Spur, die Tiere in der deutschen Sprache und Literatur hinterlassen haben. Es handelte sich um ein äußerst dichtes Programm mit 24 Vorträgen an einem Tag, von 9 Uhr morgens bis 20 Uhr abends. Dennoch blieb das Interesse der Teilnehmenden durchwegs sehr wach, denn zusätzlich zu den relativ knapp angesetzten Diskussionsrunden wurden einige Themen und Vorträge intensiv im Chat weiter besprochen.

Zu den Vortragenden aus Kronstadt, Hermannstadt, Temeswar, Konstanza, Jassy und Bukarest gesellten sich auch Referenten aus Wien, Tübingen, Athen, Sivas und Konya/Türkei, die einzige Klausenburger Teilnehmerin musste leider krankheitsbedingt kurzfristig absagen.

Die Vorträge zu dem Vorkommen und der Rolle von Tieren in literarischen Werken wiesen eine große Bandbreite auf. Erfreulicherweise hatten sich gleich mehrere für Werke hiesiger oder von hier stammender Autoren entschieden: Maria Sass untersuchte Wolf von Aichelburgs „Die Ratten von Hameln“, Sunhild Galter die Rolle der Tiere in Ricarda Terschaks „Drei Kinder und ein Dackel“ und Delia Cotârlea spürte den Kronstädter Katzen in Carmen Puchianus und Romulus Bucurs Werken nach. Gleich drei Literaturwissenschaftlerinnen, Roxana Nubert, Ana Maria Dascălu-Romițan und Grazziella Predoiu untersuchten unterschiedliche Aspekte von Herta Müllers Werken im Hinblick auf das Verhältnis von Mensch und Tier bzw. der Rolle, die den Tieren zukommt.

Um Kinder- und Jugendliteratur ging es in den Vorträgen von Laura Manea, Ali Osman Öztürk und Halime Yeșilyurt, wobei letztere sich speziell auf die Bücher der Autorin Else Günther bezogen.

Im Bereich der binnendeutschen Literatur besprach Carmen Puchianu Thomas Manns „Herr und Hund“ und wer es noch nicht wusste, konnte nun erfahren, woher Puchianus langjähriger Hunde-Gefährte seinen Namen hat. Bei Cornelia Eșianu ging es bei der Besprechung von Thomas Bernhards Theaterstück „Immanuel Kant“ eher um den Papagei Friedrich, während Delia Eșian sich auf den Affen als ,,Kulturwesen“ bezog, wobei sie auch Werke aus anderen Literaturen als der deutschen hinzuzog, so Poes Kriminalgeschichte mit dem Orang Utan als Mörder.

Stefan Lindinger widmete sich der Bedeutung von Fröschen und Gänsen in Christoph Martin Wielands Roman „Geschichte der Abderiten“ und in Wilhelm Raabes Erzählung „Die Gänse von Bützow“.

Beate Petra Kory wiederum ging es um die Symbiose von Mensch und Tier in dem Roman „Die Wand“ der österreichischen Autorin Marlen Haushofers und Alexandra Nicolaescu untersuchte die Tiermetaphorik in Waldtraut Lewins „Ein Haus in Berlin 1935. Paulas Katze“.

Ebenfalls die Rolle und Symbolik der Tiere, dieses Mal in den „Masurischen Geschichten“ von Siegfried Lenz waren Thema des Vortrags von Cecilia-Iuliana Vârlan während Thorsten Hanisch aus Tübingen zu ,,Franz Kafka und die Fliege“ sprach.

Im sprachwissenschaftlichen Bereich verwöhnte Sigrid Haldenwang die Teilnehmenden mit Schmankerl über die Hauskatze in siebenbürgischen urkundlichen und siebenbürgisch-sächsischen Mundartbelegen.

Auch Lucia Nistor setzte ihre Beitragsreihe zur Namensforschung fort und untersuchte, welche Tiernamen im deutschen Sprachraum am häufigsten als Personennamen auftreten.

Kinga Gáll zeigte auf, wie sich Vorurteile gegen Tiere in sprachlichen Wendungen wie jene von der falschen Katze oder vom gemeinen Hund niederschlagen.

Bei Doris Sava ging es um Laienlexikografie, d. h. die Vor- und Nachteile von Online-Nachschlagewerken, die von Laien verfasst und ergänzt werden.

In den didaktischen Bereich hinein reichten die Beiträge von Maria Muscan zum gesteuerten Grammatikerwerb – „Deutsche Chunks und Wendungen mit Tieren“ – und von Ionela Duduță, die den Zusammenhang zwischen Filmen und Wortbildung am Beispiel der zusammengesetzten Nomen mit Tieren in den Filmen „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ aufzeigte.

Weder der Literatur- noch der Sprachwissenschaft ließen sich zwei der Beiträge unmittelbar zuordnen, sie entsprachen aber dem Thema der Tagung und lockerten mit ihren bildlichen Präsentationen die Veranstaltung auf. Gudrun Liane Ittu sprach über den deutschen Tiermaler Otto Fikentscher (1862-1945), der im Mai-Juni 1914 Gast des Sebastian-Hann-Vereins für heimische Kunstbestrebungen in Hermannstadt war. Ioana Andrea Diaconu präsentierte Ulli Steins „Tierleben“, Cartoons mit Biss, als Hommage an den 2020 verstorbenen Zeichner.

Am Samstag, den 10. April, fand die Jahressitzung des Vorstandes der Gesellschaft der Germanisten aus Rumänien statt. Aus dem Tätigkeitsbericht der Vorsitzenden, Frau Roxana Nubert, ging hervor, dass im Jahr 2020 trotz Corona mehrere wissenschaftliche Bände veröffentlicht wurden, eine neue germanistische Zeitschrift gegründet wurde und mehrere Tagungen online stattgefunden haben. Die germanistische Arbeit geht also weiter!

Sunhild GALTER

 

 

 

 

 

 

 

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