„Der Sturm kann überstanden werden“

Interview mit dem Tourismusbetreiber Cătălin Mureșan

Ausgabe Nr. 2715

Der gebürtige Mediascher Cătălin Mureșan (32) in einem seiner Lieblingslokale in Hermannstadt: dem Café Wien.                           Foto: Werner FINK

Gerade in Zeiten, in denen die Coronavirus-Pandemie tobt, scheint vor allem der Tourismus sehr darunter zu leiden. Zum Thema, wie es einem Tourismusbetreiber in solchen schwierigen Zeiten geht, führte HZ-Redakteur Werner F i n k folgendes Gespräch mit Cătălin Mureșan von der Firma Siebenbürgen Reisen aus Hermannstadt.

 

Welche Bedeutung hat die  gegenwärtige Lage für einen Tourismusbetreiber?

Für einen Tourismusbetreiber der Incoming-Tourismus betreibt, das heißt, der sich auf Gäste konzentriert, die aus dem Ausland nach Rumänien kommen, ist das Geschäft  zu 95 bis 100 Prozent entfallen. In unserem Fall hatten wir 2020 etwa  zwei Prozent des Umsatzes von 2019 erwirtschaftet. Es ist sehr dramatisch. Viele unserer Kollegen mussten ihre Büroräume aufgeben, Angestellte entlassen. Die Kredite, die sie für den Ankauf von Bussen aufgenommen hatten, mussten sie kündigen. In unserem Fall, also was Siebenbürgen Reisen angeht, ist die Situation nicht so dramatisch weil wir eine sehr schlanke Unternehmensstruktur haben. Wir sind nur zwei Angestellte, haben das Büro zu Hause, und wir haben unsere Anstellung auf Viertelzeit reduziert. Dadurch, dass wir sehr geringe Fixkosten haben, ist unser Unternehmen nicht gefährdet, diese Phase nicht zu überleben. Den Beitrag für die Insolvenzversicherung  kann man auch verringern. Ich sehe große Probleme vor allem bei unseren Partnern. Es gibt Transportunternehmen, die ihre Busse verkaufen, weil sie den Kredit nicht mehr bezahlen können oder Reiseleiter, die sich nach einigen Monaten um einen anderen Arbeitsplatz umschauen mussten.

Siebenbürgen Reisen kommt also zurecht?

Zwischen 2015 und 2019 hat das Geschäft geboomt. Von Jahr zu Jahr waren immer mehr Gruppen gekommen und wenn man in guten Zeiten schaut, dass man für schlechtere Zeiten vorsorgt und eine schlanke Unternehmensstruktur hat, kann der Sturm gut überstanden werden.

Wie sieht Zukunft aus?

Dieses Jahr haben einige Gruppen  für September, Oktober gebucht. Unsere Gäste sind optimistisch, sie hoffen,  bis dahin geimpft zu sein. Die Leute wollen reisen, ich spüre das, die Leute können es kaum erwarten, dass die Situation einigermaßen normal wird.Wenn die Impfkampagne in Europa gut läuft und wenn keine neuen Varianten des Virus erscheinen, rechnen wir damit, dass wir der zweiten Jahreshälfte etwa 20 bis 30 Prozent des Volumens von 2019 haben werden. Das ist aber eine vorsichtig-optimistische Prognose.

Glauben Sie, dass es nach dem Abklingen der Pandemie hier noch mehr touristisches Potential nach oben gibt?

Der Tourismus macht in Rumänien etwa 4 Prozent des Bruttosozialproduktes aus, vom gesamten Tourismus stellt der Incoming-Tourismus nur ein Fünftel dar. Potential nach oben ist da und die letzten Jahre haben gezeigt, dass wir uns auf einem Aufwärtstrend befinden, dass Europäer und nicht nur Europäer Rumänien als Reisedestination entdecken und dass das Vertrauen in Rumänien als Destination steigt. Dieser Trend wird wieder zurückkommen, wenn sich die Lage wieder normalisiert.

Was bietet Siebenbürgen Reisen an?

Wir bieten prinzipiell Reisen durch ganz Rumänien an, aber unsere Politik, unser Konzept ist, dass man nicht das ganze Land im Laufe einer einzigen Reise bereisen soll. Wir bieten alle Regionen an, aber versuchen auch, unsere Gäste zu überzeugen, während einer Reise eine oder maximal zwei Regionen zu bereisen.

Wie kam es dazu, dass ihre Frau Diana und Sie die Firma Siebenbürgen Reisen gründeten?

Meine Frau und ich haben ab 2008 Reisen geführt. Während des Studiums war es ein Sommerjob. Wir haben „Work and Travel“ nicht in den USA gemacht, sondern in Rumänien und  haben für ein größeres Reiseunternehmen aus Bukarest deutschsprachige Gruppen durch das ganze Land geführt. Das waren eher Reisen, wo man ganz Rumänien in einer kurzen Zeit bereist, was aber nicht zu unserem heutigen Konzept gehört. Wir hatten da auch Sachen gelernt, wie man sie nicht machen soll. Nach diesen vier Jahren Erfahrung haben wir uns vorgenommen, zu probieren,  selber Reisen zu organisieren und sogar ein bisschen besser zu organisieren und anders, als was wir dies als Reiseleiter erlebt hatten. So haben wir 2001 Siebenbürgen Reisenam Ende unseres Studiums gegründet. Ab dem Zeitpunkt ist es dann von Jahr zu Jahr immer besser gelaufen.

Warum der Name Siebenbürgen Reisen?

Es gab noch kein Unternehmen, das unter diesem Namen gemeldet war und der Name Siebenbürgen sagt etwas aus im deutschsprachigen Raum, in Deutschland, Österreich und der Schweiz, und das sind unsere Hauptmärkte. Der Begriff Siebenbürgen ist auch dort ein Begriff, auch wenn die Leute nicht etwas ganz Konkretes darunter verstehen, aber wir sind der Meinung, dass man darunter eine gute Unternehmensidentität aufbauen kann.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

 

 

 

 

 

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