Aus dem Reich der Angst

Online-Premiere am DSTT mit ,,Gemma Habibi“ von Robert Prosser

Ausgabe Nr. 2709

Szenenfoto mit Lars Sticker, Robert Prossert, Richard Hladik und Olga Török (v. l. n. r.).                                                                        Foto: DSTT

Das Klopfen kommt aus dem Reich der Angst. Kontrolliert oder nicht, die Gewalt ist oft ein Zufluchtsort und ein Mittel zur Bestätigung für junge Menschen, die ihren Platz in den Gemeinschaften, denen sie angehören, nicht mehr finden. Die vom Österreichischen Kulturforum Bukarest und dem Deutschen Staatstheater Temeswar co-produzierte Performance „Gemma Habibi” wurde von dem Schriftsteller und Performer Robert Prosser zusammen mit dem Schlagzeuger Lars Sticker geschaffen. Sie richten sich insbesondere an junge Menschen – und Erwachsene im Allgemeinen -, die sich in einer modernen multikulturellen Stadt isoliert fühlen oder die Kontrolle über ihre sozialen Beziehungen verlieren.

 

Die Online-Premiere dieser Aufführung in Rumänien wird am Sonntag, den 14. Februar zwischen 18 und 24 Uhr mit rumänischen Untertiteln auf der Website des Österreichischen Kulturforums Bukarest gestreamt. Das Deutsche Staatstheater in Temeswar wird die Aufführung im März streamen. Das Projekt findet im Rahmen des Programms #PerformingAustria des Österreichischen Kulturforums Bukarest statt.

Die Aufführung wird unter  https://bit.ly/GemmaHabibiOnlineRo verfügbar sein.

Die Performance, die das Spiel der Darsteller mit ,,Slam-Poetry“ (Rezitation), Boxen, Rap und Percussion kombiniert, „Gemma Habibi” wurde am 18. Oktober 2020 im Großen Saal  des Deutschen Staatstheaters in Temeswar anlässlich der ersten Zusammenarbeit zwischen dieser Institution und dem Österreichischen Kulturforum Bukarest aufgenommen.

Ausgangspunkt der Aufführung „Gemma Habibi” ist der gleichnamige Roman, der 2019 von Robert Prosser im Ullstein-Verlag veröffentlicht wurde. Von Kritikern als „unerbittliches Porträt unserer Zeit” betrachtet, fängt der Text einige Tage des Lebens von Lorenz ein, einem jungen Mann, der für die Europameisterschaft und die Weltmeisterschaft im Boxen trainiert. Die Erfahrung des Rings bringt ihn vor Gedanken- und Existenzentscheidungen in Bezug auf Freundschaft, Engagement für eine Sache, Wettbewerb, Akzeptanz anderer Kulturen und vor allem seine eigene Identität in einer sich verändernden Welt. Menschen und artikulierte oder unausgesprochene Ideen treffen sich und stehen einander in einer Face-to-Face-Konfrontation im Boxring gegenüber, im Spannungsfeld zwischen Worten und Schlagzeug-Rhythmen.

„Das Publikum erwartet eine ungewöhnliche Verbindung von Literatur und Musik, durch Atem und Sprache getaktet, gerappt und gesungen, das Schlagzeugspiel ist virtuos und scheut auch nicht vor Improvisation zurück. Eine dichte, intensive Performance über Obsession, Engagement und Aufbruch – und über die Ausnahmeerfahrung, die im Ring möglich wird”, sagt der Darsteller und Schriftsteller Robert Prosser.

„’Gemma Habibi‘ thematisiert  unsere verborgensten, intimsten Ängste, und das auf völlig originelle Weise, in dem der Autor sich selbst provoziert.  Es kommt nicht oft vor, dass ein Romanautor seinen eigenen Text in einer Performance adaptiert, inszeniert und selbst spielt; eine Performance die kaum etwas mit einer literarischen Lesung zu tun hat. Wenn man Robert Prosser sieht und hört, vergisst man, dass ein Schriftsteller auf der Bühne steht und kein Schauspieler. Dies macht diese Aufführung so besonders in der österreichischen Theaterlandschaft. Wir freuen uns sehr, dank einer hervorragenden Partnerschaft mit dem Deutschen Staatstheater in Temeswar eine der interessantesten Varianten dieser Aufführung der rumänischen Öffentlichkeit vorstellen zu können”, sagt Thomas Kloiber, Direktor des Österreichischen Kulturforums.

,,Wir haben uns sehr über diesen Vorschlag des Österreichischen Kulturforums gefreut, da die Aufführung sehr aktuelle Themen im aktuellen globalen Kontext berührt. Die Aufführung ‚Gemma Habibi‘ wirft auch Fragen im Zusammenhang mit der sozialen Mission des Theaters auf, insbesondere in dieser Zeit von Pandemie – welche Themen wir ansprechen, welche Interessen die Öffentlichkeit hat, welche Lösungen wir finden, um verschiedene Ausdrucksformen zu kombinieren, die für einige von ihnen völlig originell sind, um dem Zuschauer so nahe wie möglich zu kommen “, fügt Ioana Iacob, Interimsdirektorin des Deutschen Staatstheaters Temeswar, hinzu.

Der Autor Robert Prosser, geboren 1983 in Alpbach, Tirol, lebt dort und in Wien. Aufenthalte in Asien, in der arabischen Welt, in England. Autor, Performancekünstler, Kurator. Veröffentlichte u. a. die Romane ,,Phantome“ (Ullstein 2017) und ,,Gemma Habibi“ (Ullstein 2019). Einige Preise und Stipendien, u.a. Longlist Deutscher Buchpreis 2017. www.robertprosser.at

Der seit seiner frühen Jugend musizierende Kärntner Jazz-Schlagzeuger Lars Sticker, geboren 1995 in St. Jakob im Rosental/Šentjakob v Rožu, studiert seit 2016 an der Anton Bruckner Privatuniversität in Linz, spielt mit namhaften Musikern (z. B. Skúli Sverrisson, Peter Herbert, Primus Sitter und Tonč Feinig) und hat mit verschiedenen Bands (u. a. Delta Concept, Kafra und Jade&Gold) bereits einige Alben veröffentlicht.

Beatrice UNGAR

 

 

 

 

 

 

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