„Licht in der Nacht, zeig uns den Weg…“

Adventsgottesdienst in der Margarethenkirche in Mediasch wurde im Internet gezeigt

Ausgabe Nr. 2704

Pfarrerin Hildegard Servatius-Depner predigte über Gottes Verheißung an Abraham und Sarah und die weihnachtliche Heilsbotschaft.

„Licht in der Nacht, zeig uns den Weg aus der Dunkelheit“ – mit dem Kanon von Georg Völzgen leitete eine bunte Gruppe von Musikern – Kinder, Jugendliche und Junggebliebene im Alter von 7 bis 70 Jahren – den Gottesdienst zum 4. Advent, dem 20. Dezember, in der Mediascher Margarethenkirche ein und stimmte damit das beherrschende Thema für die nächsten 90 Minuten an: Freude! Ein besonderer Grund zur Freude war es, dass kurz vor diesem Sonntag die strengen Ausgangsbeschränkungen in Rumänien gelockert wurden und wieder ein Gottesdienst mit der Gemeinde in der Kirche gefeiert werden durfte. Der Gottesdienst wurde weltweit im Internet ausgestrahlt.

 

Von Freude sprach auch Pfarrer Gerhard Servatius-Depner, der alle jene herzlich begrüßte, die an diesem Festtag den Weg in die Margarethenkirche gefunden hatten: an die 50 Gottesdienstbesucher vor Ort, 100 Teilnehmer aus aller Welt, die über „Zoom“ zugeschaltet waren, und eine unbekannte Zahl an Gläubigen, die den Livestream über Facebook verfolgten. Er sei „froh und zurecht auch etwas aufgeregt über die Gegenwart auch so vieler Menschen, die heute online mit uns verbunden sind, das erfüllt uns mit Freude und großer Dankbarkeit, dafür, dass es durch moderne Technik möglich ist, trotz mancher Schwierigkeiten zusammen zu kommen und zusammen zu bleiben, Dankbarkeit auch dafür, dass uns der himmlische Vater Kreativität schenkt und auch das Wollen zum guten Gelingen gibt.“

Mit dem Kanon „Licht in der Nacht, zeig uns den Weg aus der Dunkelheit“ stimmte der gemischte Chor der Mediascher Kirchengemeinde, begleitet von Pfarrer Gerhard Servatius-Depner, ein zum Gottesdienst am 4. Advent 2020.                                                   Fotos: Christina ARVAY

Nach dem Reformationsgottesdienst am 31. Oktober 2020 in Michelsberg (siehe den Bericht in der Siebenbürgischen Zeitung vom 25. November 2020) ist dieser Adventsgottesdienst der zweite in einer von der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien (EKR) und dem Verband der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften in Deutschland ins Leben gerufenen Reihe von Gottesdiensten, die in der aktuellen, von Reise- und Kontaktbeschränkungen bestimmten Zeit die Gemeinschaft über äußere Grenzen hinweg stärken soll. So richtete nach Pfarrer Servatius-Depner der Vorsitzende der Heimatgemeinschaft Mediasch, Alfred Gökeler, ein bewegendes Grußwort an die Gottesdienstteilnehmer, durch das sich wohl jeder in die eigene Kindheit und zu den eigenen Weihnachtserinnerungen entführen ließ.

Der Predigttext, Gottes Verheißung an Abraham und Sarah (1. Mose 18, 1-15), gewann in der Auslegung von Pfarrerin Hildegard Servatius-Depner in diesem „Corona-Advent“ 2020 eine zusätzliche Dimension. „Die größten Überraschungen erlebt man dort, wo man sie am wenigsten erwartet, wo man vielleicht keine Hoffnung mehr auf ein gutes Ende hat, wo sich Angst wie ein Schatten auf unser Leben legt. Kann da noch eine Veränderung geschehen, ist da noch Platz für eine Überraschung?“, fragt sie sich zu Anfang. Während die Predigt sich der Geschichte Sarahs und Marias zuwendet, den beiden Frauen, denen Gott eine besondere Aufgabe zugedacht hat, wird mir erst richtig bewusst, vor welche Herausforderung Gott uns alle im vergangenen Jahr gestellt hat, das unser aller Leben so schlagartig verändert hat. Rund um die Margarethenkirche in Mediasch, aber auch an so vielen anderen Orten, wo der evangelische Glaube in Siebenbürgen gepredigt wird, regte sich bald nach den zum Schutz von Gesundheit und Leben auferlegten Einschränkungen der Wille, sich nicht unterkriegen zu lassen und neue Formen der Gemeinschaft zu finden, die Möglichkeiten der modernen Kommunikationstechnik zu nutzen, um zu den Menschen zu gelangen, solange sie nicht mehr in Gottes Haus kommen durften. Und die zahlreichen Aufrufe des Onlineangebots auf dem neu geschaffenen YouTube-Kanal der Mediascher Evangelischen Kirche beweisen, wie viele von uns Siebenbürgern, die wir heute nicht mehr in der alten Heimat leben, auf diese Weise mit den Menschen dort in Verbindung treten wollen und können.

Wie Sarah im Alten Testament so erhält auch Maria eine unglaubliche Verheißung. Pfarrerin Servatius-Depner fasst die Botschaft rund um das weihnachtliche Heilsgeschehen in diese Worte: „Wenn Gott so überraschend, unangemeldet und unerkannt ankommt, hat es etwas mit Zukunft zu tun, dann hat er etwas mit dir vor, dann traut er dir etwas zu.“ Der russische Ikonenmaler Andrej Rubljow schuf in seiner Dreifaltigkeitsikone im Jahre 1411 ein ausdrucksvolles Bild der Trinität, die um einen Tisch versammelt ist und vorne einen Platz frei hält für den hinzutretenden Betrachter. Die frohe Botschaft lautet also: „Keiner ist zu alt, keiner ist zu jung für Gottes Einladung und seinen Auftrag. In der Begegnung mit Gott kann Hoffnung wieder aufkeimen, neues Leben kann entstehen. Gott lädt uns ein – und für jeden ist ein Platz an seinem Tisch frei.“

Es sind ihrer viele, die zum Gelingen dieses Gottesdienstes beigetragen haben, allen voran die fünf Pfarrerinnen und Pfarrer des Mediascher Kirchenbezirks, von denen vier ihren Dienst in der Kirche versahen, während Pfarrerin Bettina Kenst im „off“ die Zoom-Gäste betreute.

Musikalisch wirkten mit die Organistinnen Liv Müller aus Birthälm und Edith Toth aus Mediasch, die auch den gemischten Chor leitet, sowie Pfarrer Gerhard Servatius-Depner mit der Gitarre. Nach Kurator Dieter Scharmüller aus Mediasch kamen auch Vertreter einiger der sehr zahlreichen Partnergemeinden, mit denen die Evangelische Kirchengemeinde Mediasch in Deutschland und in der Schweiz verbunden ist, mit Grüßen, Gedichtbeiträgen und Gebeten zu Wort. Besonders zu Herzen gehend waren zwei musikalische Einlagen aus Berlin-Friedrichshagen. Angeregt von dem reichen musikalischen Angebot, das sie bei ihren Besuchen in der Mediascher Kirche miterlebt hatten, gründeten vier Gemeindemitglieder dort das „Friedrichshagener Halboktett“, ein Männerquartett, dessen Name als Reverenz an das seit 1896 in Mediasch existierende Oktett gewählt wurde. Mit ihrem auf Kisuaheli gesungenen Vater Unser schlugen sie einen symbolischen Bogen um die ganze Christenheit. Nicht zu vergessen sind die fleißigen Helfer, die das reibungslose Funktionieren der Technik sicherstellten. Das Team der Techniker der EKR, Franziska Fiedler und Claudiu Riemer, wurde durch Bent Kosler aus Berlin Friedrichshagen unterstützt, der zurzeit sein freiwilliges soziales Jahr in Mediasch verbringt.

Nach dem Reformationsgottesdienst in Michelsberg gab es „Hanklicht to go“ für alle Gemeindeglieder vor Ort. In Mediasch wurden wir alle mit den Fürbitten entlassen, zu denen fünf Jugendliche je eine Kerze entzündeten. Nach Michelsberg fragte sich Pfarrer Dr. Stefan Cosoroabă, ob sich wohl der ganze logistische Aufwand gelohnt hätte? Auch nach dem zweiten Gottesdienst in diesem Format können wir die Frage getrost bejahen und gespannt sein auf den dritten Gottesdienst der Reihe, der am 14. März 2021, dem Sonntag Lätare aus Kronstadt kommen wird.

Hansotto DROTLOFF

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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