Ein aufrechter Christ

Nachruf auf Stadtpfarrer Wolfgang Rehner

Ausgabe Nr. 2704

Pfarrer i. R. Wolfgang Rehner (am Rednerpult) bedankt sich für die Honterus-Medaille, die ihm im Rahmen des Großen Sachsentreffens 2017von Martin Bottesch im Namen des Siebenbürgenforums (2. v. r.) und Bischof Reinhart Guib seitens der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien überreicht wurde.                                     Foto: Fred NUSS

Am Sylversterabend 2020, etwa 20 Uhr, hat das Herz von Wolfgang Rehner zu schlagen aufgehört. Er war aus dem Vespergottesdienst nachhause gekommen, hatte sich an den Tisch gesetzt und mit seiner Frau eine Andacht vor dem Abendessen gehalten. Die letzten Worte des gelesenen Psalms lauten: „Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit.” Danach hielt er ein wenig inne. Er wollte seiner Frau noch etwas sagen. Dazu kam es nicht mehr.

Der am 13. April 1936 in Wolkendorf geborene Wolfgang Rehner war Pfarrer mit Leib und Seele. Er hat als Seelsorger in Gergeschdorf angefangen, war längere Zeit Dozent für Religionsgeschichte und Altes Testament an unserm Theologischen Institut, wurde als Pfarrer nach Großpold gerufen und im Jahr 1976 als Stadtpfarrer nach Hermannstadt.

Im Jahr 1993 entschied er sich für die Stelle der Diasporagemeinde Sächsich-Regen, weil er überzeugt war, dass er dort nötiger gebraucht werde; in Hermannstadt gäbe es genug Pfarrer. Er wirkte daselbst bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand im Jahr 2001 und dann längere Zeit ehrenamtlich neben dem dortigen Pfarrer, bis er schließlich nach Hermannstadt übersiedelte. Hier arbeitete er in der Bibliothek und im Archiv des Teutschhauses mit der ihm eigenen Gewissenhaftigkeit.

Den damals Jugendlichen blieb er durch seine Jugendarbeit im Gedächtnis, die er in einer Zeit vornahm, wo diese sehr streng überwacht wurde. Er organisierte Jugendlager in den Bergen. Das war nicht ausgesprochen verboten. Er nützte den Freiraum.  Mit seinen ehemaligen Konfirmanden organisierte er jährlich das unvergessliche Krippenspiel, das über die Jahre gleich blieb und sich tief eingeprägt hat. Er war vor seinem Studium als Lehrer ausgebildet worden. Das wirkte sich hier segensvoll aus, denn er übte die Aufführung sorgfältig. Das führte dazu, dass man jedes Wort verstand, das die Kinder aussprachen.

Den Gemeindegliedern ist er durch seine Warmherzigkeit im Gedächtnis geblieben. Er hatte immer Zeit, wenn ihn jemand sprechen wollte. In seiner Amtszeit wurden die Ziegeln des Kirchendaches ersetzt und die Außenfassade der evangelischen Stadtpfarrkirche erneuert.

Als langjähriges Mitglied des Landeskonsistoriums der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien hat er an den damals schweren Enscheidungen mitgearbeitet und  auch unsere Kirche eine längere Periode hindurch beim Lutherischen Weltbund vertreten.

In den Tagen der Revolution im Dezember 1989 ging er aufrecht über den Großen Ring, während geschossen wurde. Er hatte keine Angst. Er wurde in den ersten provisorischen Stadtrat gerufen und hat dafür gesorgt, dass das neugegründete „Forum” einen Raum zur Verfügung gestellt bekommt. Auf dieser Grundlage konnte das Haus auf dem Großen Ring zurückverlangt werden. Für seine Dienste an der Gemeinschaft erhielt er im Jahr 2017 im Rahmen des Großen Sachsentreffens die Honterusmedaille seitens des Siebenbürgenforums und der Evangelischen Kirche A. B. in Rumänien.

Wolfgang Rehner hatte viele Gaben, die er alle in den Dienst der ihm anvertrauten Menschen und unserer Gemeinschaft insgesamt gestellt hat. An seiner Ehrlichkeit und Standhaftigkeit hat nie jemand gezweifelt. Dass er ein guter Ehemann und liebender Vater seiner fünf Kinder war, konnte man immer wieder erkennen. In dem allen erwies er sich als treuer Freund und Begleiter der ihm Anvertrauten und Nahestehenden und vor allem als aufrichtiger Christ.

Hans KLEIN

 

Anmerkung der Redaktion: Wir schließen uns den Beileidsbekundungen an die trauernden Hinterbliebenen an und weisen auf das Buch ,,Zwischen Gestern und Morgen“ hin, das 2018 im Honterus-Verlag erschienen ist und in dem Vorträge und Beiträge des Verstorbenen aus dem Leben der Siebenbürger Sachsen zu lesen sind.

 

 

 

 

 

 

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