In Hölderlins Welt

Barbara Klemm stellt im Literaturhaus Berlin aus

Ausgabe Nr. 2697

Das Hölderlin-Denkmal in dessen Geburtsort Lauffen am Neckar.Foto: Barbara KLEMM

250 Jahre sind es in diesem Jahr seit der Geburt von Hölderlin, dem Friedrich aus Lauffen am Neckar, bis zum Ende des  Lebens im Turm am Neckar in Tübingen, auf dem Stadtfriedhof das Grab in der Nähe von Ludwig Uhland. Erinnerungen an Tübingen kommen, sind ganz nah, der Turm, die Alte Burse, das Klinikum von Professor Autenrieth, der einst Friedrich Hölderlin behandelte,  das Stift der Evangelischen Studenten, damals und heute. Der Turm am Wasser, am Schicksalsfluss, dem Neckar. An der Wand des Turms von Sprayerhand geschrieben: ,,Der Hölderlin ischt et verruckt gwä…!“ War er‘s oder war er‘s nicht?

Die Fotografin Barbara Klemm.Foto: die Verfasserin

Barbara Klemm, die bekannte, hoch geehrte Fotografin, die Grand Dame der Fotografie aus Frankfurt am Main, hat den ,,Hölder“, wie ihn die schwäbischen Freunde nennen, den Dichter, der gegen seinen Willen Theologie am Stift studiert, den Dichter, der es nie lange irgendwo aushielt, mit ihrer Kamera begleitet. Nachdenklich stimmende Schwarz-Weiß-Fotos, in der bekannten Manie der Fotografin, sind im Literaturhaus in Berlin in der Fasanenstraße zu sehen. „Hölderlins Orte“ ist der Titel der Ausstellung des Hyperion-Dichters, die am 29. Oktober eröffnet worden ist.

Die kühle Luft, die über den Balkon durch die offene Tür hereinströmt und der Mundschutz der Zuhörer passen so gar nicht in die Szenerie der griechischen Landschaft, doch in die Realität Berlins. Unter dem Apollotempel in Delphi sitze ich und lese im Beiheftchen… ,,Ach! einmal dort an Suniums Küste möcht‘ ich landen, deine Säulen, Olympion!…“

Tilman Krause, der Literaturkritiker, kennt Tübingen, kennt das Leben und die lyrischen Schriften des Dichters aus dem Turm. Er nimmt uns mit nach Lauffen am Neckar und  Nürtingen und weiter zum  Kloster  Denkendorf auf der Filderebene, zur Klosterschule im Kloster Maulbronn, unweit von Pforzheim. In Gedanken reisen wir mit und kommen mit Hölderlin in Tübingen im Evangelischen Stift an, wo einige schwäbische Dichter Theologie studierten, so auch er, der Friedrich Hölderlin, gegen seinen Willen. Eingekehrt sind wir gemeinsam in Schillers Gartenhaus in Jena und meinen, in Bad Driburg Diotima gesehen zu haben und steigen auf den Kapellenberg zur Wurmlinger Kapelle herauf. Noch rasch ein Blick auf den rauchenden Ätna. Ein weitgereister Dichter in der damaligen Zeit war Friedrich Hölderlin, hören wir von Krause. Er wanderte nach Bordeaux, um als Hauslehrer kurze Zeit sein tägliches Brot zu verdienen.

Krause schwärmt zurecht von Barbara Klemms Fotos, stellt sie uns als Portraitfotografin vor und nennt diese Serie sinnbildliche Kompositionen, die das Stimmungswerk rüberbringen sollen und möchte von der Fotografin hören, wie sie mit den Texten des Dichters zurecht gekommen ist. Schwierigkeiten hatte Barbara Klemm mit Hölderlins Dichtung, sie später fotografisch umzusetzen, um ihre Bilder komponieren zu können. Gelungen ist es ihr. Himmel, Wolken, Landschaft dominieren. Vom Licht abhängig waren die Reisen, erfahren wir. Analog fotografiert sie, ihre Fotos vergrößert sie seit eh und je selbst. Nach Inhalt und Form wird ihre Ausstellung gehängt in ihrem Beisein. Darauf legt sie Wert.

Meine Erinnerung geht weit zurück. Die Samstagsausgabe der FAZ war anders als andere Zeitungen, die Dünndruckausgabe im Inneren ein exklusives Geschenk allwöchentlich mit den fantastischen großartigen Fotos von politischen oder literarischen Treffen in der gesamten Welt. 37 Jahre lang hat Barbara Klemm die Zeitung mit ihren Fotos versorgt und geprägt.

Gedichte und eine Hymne von Hölderlin liest Thorsten Hierse, der Schauspieler. Mit geschlossenen Augen höre ich zu und bin in Hölderlins Welt. Ein Genuss am Abend für die Seele.

Zum Abschluss des Hölderlinjahres gibt es Blumen und einen Vierzeiler: An Zimmern //Die Linien des Lebens sind verschieden,/Wie Wege sind, und wie der Berge Grenzen./Was hier wir sind, kann dort ein Gott ergänzen/Mit Harmonien und ewigem Lohn und Frieden.

Christel WOLLMANN-FIEDLER

 

 

 

 

 

 

 

 

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