Zwischen Trauer und Verheißung

Aussegnung der Orgel in der evangelischen Kirche Weingartskirchen/Vingard

Ausgabe Nr. 2696

Kurator Wilhelm Reindt und Pfarrer Wilhelm Meitert vor dem Gang zur Aussegnung der Orgel.Foto: Jürg LEUTERT

Eine kleine Schar traf sich am Montag, dem 26. Oktober 2020, 15 Uhr, in der evangelischen Kirche in Weingartskirchen/Vingard, ungefähr 15 km Luftlinie nordöstlich von Mühlbach gelegen, um die schöne, aber leider verkommene Orgel  auszusegnen. Durch den Beschluss des Mühlbacher Bezirkskonsistoriums (BKZ Nr. 29/2020), die Orgel zur Sicherung frei zu geben, hat ein jahrelanger Prozess hiermit einen Fortgang gefunden. Diese Perspektive nahm Ortspfarrer Wilhelm Meitert in seiner wohlformulierten Predigt auf: Aus – Segnen: Wir waren Zeugen einerseits eines Aus (Trauer), anderseits eines Segens (Verheißung).

Die Orgel der evangelischen Kirche in  Weingartskirchen  bei ihrer Aussegnung am 26. Oktober 2020.Foto: Jürg LEUTERT

Landeskirchenkurator Friedrich Philippi versprach an der Feier stellvertretend für die weiteren Anwesenden – Hauptanwalt Friedrich Gunesch, Musikwart Jürg Leutert samt Mitglied des Orgelausschusses Brita Falch Leutert -, die Verantwortung für die Orgel zu übernehmen. Der Mühlbacher Bezirk wurde vertreten durch Dechant D. Dr. Wolfgang Wünsch, die Religionspädagogin Britta Wünsch und Bezirkskirchenkurator Prof. Karl Broos, die evangelische Kirchengemeinde Weingartskirchen durch Kurator Wilhelm Reindt; dazu stießen einige weitere Gäste aus der nahen und etwas ferneren Umgebung. Abbau und Sicherung bzw. Umsiedlung erfolgen in ca. 14 Tagen vorläufig in die evangelische Kirche Großpold durch einen Fachmann, wobei auch eine Bestandsaufnahme gemacht wird.

Danach soll entschieden werden, wie und wo die Orgel genutzt und eine Finanzierung der Restauration bewältigt werden kann. Dabei wird die Möglichkeit offen stehen, dass die Orgel zu ihrer Zeit, falls die Kirche gesichert wird, wieder zurückgebracht wird. Ein wichtiger Aspekt wird sein, dass das Instrument (wie jedes andere) regelmäßig bespielt und genutzt wird. Bedenkenswert war der Schlusssatz von Ortspfarrer Meitert, dass er, seit er vor 20 Jahren die Verantwortung für die kleine Gemeinde übernommen habe, die Orgel nie gehört habe. Erst das Erklingen verleiht jedem Instrument tragfähige Flügel, die es ihm erlaubt, zum Lobe Gottes zu erklingen. Es ist zu hoffen, dass die bei der Gelegenheit bekanntgegebene Neuigkeit, dass die neue Bürgermeisterin der Gemeinde Șpring sich der Kirche annehmen und sie restaurieren lassen will auch ein Nutzungskonzept einschließt dafür, wie Kirche und Mobiliar in Zukunft sinngemäße Aufgaben zu erfüllen haben.

Zur Aussegnung wurde die Orgel seit langem wieder zum ersten, in Weingartskirchen vorläufig zum letzten Mal in liturgischem Rahmen gespielt und gehört. Das Instrument klang nach einigem Probieren recht frisch. Ab und zu hängten sich Töne auf. Andere Pfeifen erklangen verstimmt oder gar nicht. Generell ist sie sehr verschmutzt und von Feuchtigkeit angegriffen – zum Glück jedoch kaum vom Holzwurm. Da in der Kirche seit längerem nicht nur die Orgel nicht mehr erklingt, sondern nur sehr selten Gottesdienste stattfanden, haben u. a. durch zerbrochene Fensterscheiben diverse ungebetenen Gäste und das Außenklima das Regime übernommen. Beides schadet Innenraum und speziell der empfindlichen Orgel. Praktikantin Katharina Stricker trat den Balg sehr heftig, da die Luft im Moment wegen Ritzen und Löchern nicht nur die gewünschten Wege nimmt. Alles in allem waren sich alle Anwesenden einig, dass es an der Zeit ist, die Orgel zu sichern, damit sie noch lange zum Lobe Gottes und zur Freude von uns Menschen erklingt.

Herzlichen Dank allen Beteiligten und Mitwirkenden für ihre Beiträge und die Teilnahme am Anlass.

Jürg LEUTERT

Musikwart der EKR

 

 

 

 

 

 

 

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